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Die Unregelmäßigkeit schlich sich mit jeder Sekunde mehr in meine Schritte. Schnelle folgten auf langsamere, langsamere auf schnelle. Die Zeit verlor sich in der Nacht und ich wusste nicht, wie lange ich der kleinen Elfe schon hinterherlief. Wir hatten die Straßen meines Ortes verlassen und begannen, in immer dunklere Gegenden zu geraten. Die Laternen verwandelten sich in Bäume, die vereinzelt links und rechts vom Weg ihre Wurzeln geschlagen hatten. Nur noch selten erhellten sie die Finsternis.
Der Teer wich Erde, Gras, Wurzeln kleiner Pflanzen. Schon bald betraten wir einen Wald. Meine Konzentration galt nur der Fee vor mir. Die unheimliche Umgebung versuchte ich auszublenden – das Knacken von Zweigen und das Rascheln von Gebüsch, als würde sich jemand darin verstecken, nur um im richtigen Moment hervorzuspringen und mich mit sich zu reißen. Äste und Bäume streckten ihre Finger nach mir aus, versuchten, nach mir zu greifen und mich irgendwo im Unterholz verschwinden zu lassen. Obwohl es nach Freiheit – Kiefern, Tannen, Natur – roch, fühlte ich mich von allen Seiten bedroht, eingeengt. Serra war das einzige Licht im mich erdrückenden Dunkeln, meine einzige Orientierung. Immer wieder versuchte ich, schneller zu gehen – bis ich stolperte, sich mein Fuß in einer Ranke oder anderem Gewächs verfing und ich mit den Armen rudernd und mich an einigen Ästen festhaltend wieder festen Stand gewann. Wenn das geschah schreckte ich wie ein scheues Reh zurück, versuchte, den größtmöglichen Abstand zu den Bäumen zu gewinnen und ging langsamer. Immer und immer wieder wiederholte sich das. Manchmal berührte mich etwas an meinen Armen, im Gesicht. Die Bäume, Lebewesen, sie wollten mich erreichen und mit sich nehmen. Irgendwo da hinein in das Schwarz des Gehölzes.
Ich fror und zitterte. Kleine Beben wanderten über meine Haut. Sie waren der Kälte, aber auch der Furcht geschuldet. Meine Finger klammerten sich schutzsuchend an meine Stoffjacke. Leise begann ich, eine Melodie zu summen. Viele hohe und wenig tiefe Töne zogen sich durch sie. Jeder einzelne von ihnen gab mir Halt und schenkte mir einen Hauch von Ruhe.
Die Zeit zog sich zur Ewigkeit. Eine Schnecke, die lieber stehenbleiben würde, als weiter zu kriechen. Die Frage, wie weit es noch war, lag mir auf der Zunge, bereit, ausgesprochen zu werden – kleine Lichter schimmerten durch das Geäst und Dickicht. Sie bewegten sich in Kreisen, wirbelten durch die Luft – sie tanzten.
Serra schwebte zurück zu mir, lächelte mich an. In ihren glänzenden Augen spiegelte sich das Gefühl von Heimat und das von grenzenlosem Glück. Ein Blick genügte, um mich dasselbe empfinden zu lassen. Keine Erschöpfung wollte meinen Geist mehr zu Bett legen, mich umkehren oder müde zu Boden sinken lassen. Viel mehr durchflutete eine mir unbekannte, unbegreifliche Energie und Neugierde meine Adern. Schwappend, wie die Wellen am Meer. Tausend und eine Frage tauchten auf. Zuvor waren sie versunken, jetzt brachte die Flut sie mir wieder. Wie würde es sein – wirklich so schön, dass ich es mir nicht vorstellen konnte? Ein Märchen – das, aus dem das Fabelwesen entsprungen war?
Ich verstummte, ließ mein leises Lied verklingen und beeilte mich. So schnell wie nur möglich wollte ich ankommen. Ungeduld trieb mich an.
Als der Wald sich lichtete und wir auf eine weite Grasfläche hinaustraten, umschmeichelte mich der blumige Duft von Rosen, Lavendel und unzählbaren anderen Pflanzen. Intensiver, als ich es je wahrgenommen hatte – und doch nicht aufdringlich, sondern sanft streichelnd.