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Do you still want it?

Do you still want it?

Das erste Mal, dass Niall sie sah, war als er sich eigentlich mit Harry und Liam an der Themse treffen wollte. Er hatte seinen Mitbewohner Louis und ein Sixpack Bier im Schlepptau gehabt und war selten fröhlicher gewesen, sich dieses Semester nicht mit mehreren nervigen Klausuren beschäftigen zu müssen, weil sich das meiste auf Abgaben und Seminararbeiten beschränkte.

Addy war Harrys komische Freundin gewesen, die sich zu wenig Mühe gab sich wirklich in ihre Freundesgruppe zu integrieren.

Sie war ein wenig kleiner als Harry, wahrscheinlich so groß wie Louis und ihre Augen waren in den buntesten Farben geschminkt, die Niall  sogar entgegen gestrahlt hätten, wenn sie keinen Kontrast gegen ihre dunkle Haut gebildet hätten. Ihre Locken fielen wild durcheinander über ihre Schultern und lagen überall. Sie bedeckten das Schwarze mit Strasssteinenen besetzte Oberteil fast komplett.

Alles an ihr passte nicht zusammen. Addy wirkte wie ein wild zusammengewürfelter Haufen an Farben und dennoch verstand Niall schon das erste Mal, dass er sie sah, was Harry an Addy fand.

Er konnte verstehen, warum Harry nicht mehr aufhören wollte von der Hilfskraft in seinem Spanischkurs zu reden. Harry hatte anscheinend immer so getan, als könnte er absolut überhaupt kein Spanisch, obwohl er eigentlich wirklich gut in Spanisch war. Irgendwann hatte sie dann zugesagt mit ihm einen Kaffee trinken zu gehen und danach hatte Harry überhaupt nicht mehr aufgehört über sie zu reden.

Das erste, das sie zu ihm gesagt hatte, war, „Und hast du?" gewesen, als sie am gleichen Nachmittag auf dem Weg zum Eisladen waren. Ihre Augen wirkten noch größer als sowieso schon durch die ovale Brille, die ihn ein wenig an Velma aus Scooby Doo erinnerte, die sie nun auf ihrer Nase trug.

Liam und Harry hatten ihr erzählt, wie Niall in der achten Klasse seine Gitarre mit in den Sportunterricht nehmen wollte, damit er spielen konnte, wenn er beim Völkerball raus war und Addy fand das ein klein wenig zu lustig.

Niall kam nicht dazu ihr zu antworten, denn im nächsten Moment war sie mit der Nase an einem Schaufenster kleben geblieben. Spezifischer an einem weißen Kleid, das Niall ein wenig an ein Ballkleid erinnerte - weshalb er sich fragte, wozu zur Hölle sie das anziehen wollte -, von dem er nie geglaubt hätte, dass er es einmal so gut kennen würde, wie kein Kleidungsstück aus seinem eigenen Schrank.

„Ich will es unbedingt", mit Nachdruck hatte sie Harry angesehen, der sich daraufhin erbarmte mit ihr in den Laden zu gehen.

Das erste Mal, dass Niall Addy in dem Kleid gesehen hatte, war fünf Tage später, als Saro - eine kleine Asiatin, die Niall schon an der Themse kennen gelernt hatte - und sie viel zu früh bei der Wohnung von Zayns Eltern aufkreuzten. Er war geschwitzt, weil es trotz der Klimaanlage in der Wohnung viel zu warm war und als er sie im Gänseblümchenkleid und schwarzen Doc Martens an der Tür stehen sah, fragte Niall sich unwillkürlich, ob ihre Füße nicht schmolzen.

Zayns Eltern waren reich und im Moment nicht in ihrem Apartment in London (sie glaubten aber daran, dass jeder sich sein Geld selbst verdienen musste, weshalb Zayn in einem schäbigen Uniwohnheim wohnte und nicht in diesem Luxus). So reich, dass sie sich einfach zu einem spontanen Urlaub in ihrem Haus in der Toskana entschieden hatten, was für Zayn und seine Freunde hieß: Sie würden alle Wertgegenstände in das Zimmer von Zayns kleiner Schwester verfrachten und die größte fucking Party des Semesters schmeißen.

Hinter Addy trat ihre beste Freundin Saro ein. Niall hatte keine klare Meinung zu der Asiatin. Sie hatte nicht viel mit ihm geredet, war ihm eher schüchtern vorgekommen. Doch ihre Augen wurden groß, als sie das Schloss von Apartment betrat, das Zayns Eltern ihr Zuhause nennen konnten.

Ein Kleid aus Gänseblümchen // n. h.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt