Josephine Ward
Samstag, 13:16 UhrEs gab nichts Schlimmeres als zu warten und nicht zu wissen, was als nächstes geschehen würde. Die Fantasie konnte grausamer sein als jedes Urteil.
Als ich nun den Befragungsraum betrat, ging die Fantasie endgültig mit mir durch. Ich stellte mir vor, dass ich nun augenblicklich verhaftet würde, oder man mich des Mordes beschuldigen würde. Innerlich lachte ich mich für solche abstruse Ideen selbst aus. Doch als Officer Houpman den Raum betrat, konnte ich nicht verhindern, dass meine Handflächen begannen, zu schwitzen.
„Woher kannten Sie diesen jungen Mann?", fragte sie ohne Umschweife, nachdem sie sich mir gegenüber niedergelassen hatte. Ich war etwas überrascht. Ich hatte erwartet, dass ich zunächst über meine Rechte belehrt werden würde oder Officer Houpman sich mir vorstellen würde. Doch sie hielt sich offenbar nicht mit Formalitäten auf.
Ich runzelte die Stirn, befand aber, dass diese Frage mich nicht in Gefahr bringen könnte. „Ich kenne ihn nicht", erwiderte ich, „Ich habe ihn im Warteraum gerade zum ersten Mal gesehen."
„Er schien Sie aber zu kennen", stellte sie fest, „Zumindest ihren Namen."
Ich schluckte. Das stimmte tatsächlich. Seine Reaktion auf meinen Namen war mir ebenfalls seltsam vorgekommen, doch ich hatte neben meinen Fantasien über meine Festnahme keine Zeit dazu gehabt, mir darüber Gedanken zu machen. Ich zuckte die Achseln.
Officer Houpman hob eine Augenbraue und begann dann mit der eigentlichen Befragung. „Wie Sie wahrscheinlich bereits wissen, ist Kota Debres in der vergangenen Nacht gestorben." Sie betrachtete meine Miene, um meine Reaktion abzuschätzen.
Ich behielt einen ausdruckslosen Gesichtsausdruck.
„Sie waren auf seiner Geburtstagsfeier anwesend." Es war eine Feststellung, doch die Art, wie sie mich wieder ansah, brachte mich zu einem bestätigenden Nicken.
„Woher kannten Sie das Opfer?", fragte sie. Ich zuckte zusammen. Sie bezeichnete Kota ohne mit der Wimper zu zucken als ein Opfer, als stünde es bereits fest, dass er ermodert worden war. Ich schauderte.
„Ich kannte ihn nicht", sagte ich erneut, wobei ich merkte, wie lächerlich die Antwort in diesem Fall klang, „Zumindest nicht besonders gut. Wir waren nicht befreundet, falls Sie das meinen."
Sie schüttelte den Kopf. „Das meinte ich nicht. Ich würde gern ihre genaue Beziehung zu ihm erfahren." Bevor ich erneut eine ausweichende Antwort geben konnte, fügte sie hinzu: „Sie müssen wissen, dass eine Falschantwort strafbar ist."
Ich schwieg.
Sie wartete für einen Augenblick und nickte dann. „In Ordnung", sagte sie, während sie sich eine Notiz machte, „Darauf kommen wir später noch zurück. Dann schildern Sie mir bitte den vergangenen Abend aus ihrer Sicht."
Ich begann zu erzählen, wie Alise und ich bei der Party angekommen waren und ich wenig später abgezogen war, um Fotos zu machen.
Officer Houpman nickte, als hätte sie dies bereits erwartet. „Wir brauchen Ihre Kamera und die Fotos von dem Abend als Beweismittel", sagte sie geschäftsmäßig. Sie deutete auf meine schwarze Kameratasche, die ich natürlich dabeihatte, da ich überraschenderweise aus dem Fotographiekurs geholt worden war.
Ich runzelte die Stirn, nickte dann aber. „Woher wussten Sie eigentlich, dass ich dort war? Sie haben mich schließlich aus meinem Kurs geholt."
Sie notierte sich gerade etwas und sah dann auf. „Wir haben eine Aussage mit ihrem Namen erhalten. Diese bleibt allerdings anonym."
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Who Killed Kota?
Mystery / ThrillerKota Debres Geburtstagsparty anlässlich seines 21. Geburtstags endet in seinem Tod. Daphne van Halen, die Prinzessin aus gutem Elternhaus. Alise Corvy, die strebsame und stille Studentin. Grey Meadow, der beste Freund Kotas und leidenschaftlicher Z...