Die Schritte wurden immer lauter, ohne dabei schneller zu werden.
Auf eine gewisse Weise war es gruselig.
Eigentlich war es nicht nur auf eine gewisse Weise gruselig. Egal wie man es drehen und wenden mochte, es blieb immer einfach schrecklich.
Sie drückte sich an die kalte Mauer in ihrem Rücken und führte eine zitternde Hand zu ihrem Mund, um ja keinen Laut zu verlieren.
Wenn sie sie finden würden, wäre sie tot.
Elinas Flucht war bisher alles andere als reibungslos verlaufen und irgendwann hatte das Mädchen die Hoffnung aufgegeben, dass sie die Geschichte noch zum Besseren wenden würde. Die Braunhaarige stand in einer Sackgasse - einer verdammten Sackgasse - während ihre Verfolger dicht an ihren Fersen blieben. So dicht, dass sie die Schritte hören konnte. Diese schweren Schritte, die sich mit jedem neuen Aufklingen tiefer in ihr Trommelfell zu bohren schienen.
Sie waren wie scharfe Jagdhunde, die euphorisch ihre Beute jagten.
Elina wollte nicht die Beute sein!
Sie war noch lange nicht bereit unterzugehen!
Doch mit jeder vergehenden Sekunde und mit jedem weiteren Schritt auf dem bröckligen Asphalt schwand ihre Hoffnung.
Das schlanke Mädchen presste sich noch weiter in die Hauswand und der Putz drückte sich in ihren Rücken. Ihr Herzschlag kam ihr so verdammt laut vor.
Bitte geht! Bitte seht mich nicht!
Es war ein hoffnungsloser, wenn nicht einfach nur erbärmlicher Gedanken, doch die Panik schrie in ihrem Kopf.
Sie hatte Angst, dass sogar das ihre Verfolger hören könnten.
Elina schloss die Augen. Dunkelheit umgab das Mädchen und für einige Sekunden konnte sie sich sogar einbilden, dass sie zu Hause war. Mit ihrem Bruder im Garten Verstecken spielte.
Dann war sie zurück in der Gasse. Der alte, bröckelnde Putz presste sich wieder in ihren schweißnassen Rücken und die Schritte wurden nur noch lauter.
Sie presste sich nur noch weiter in den Putz. Ihr Rücken wurde taub. Es gelang ihr immer noch nicht, komplett mit der Wand zu verschmelzen.
Das Mädchen hielt verzweifelt die Luft an.
Geht schon! Geht! Geht! Geht! Geht! Gehtgehtgehtgehtgehtgehtgeht!
Die schweren Schritte verstummten. Und als wäre das ihr Zeichen, verstummten auch Elinas chaotische Gedanken. Als hätte man einen Stein zwischen ihre Zahnräder geklemmt.
Ich bin tot. Sie haben mich gefunden.
Die Worte hallten zu ruhig durch die Stille ihres einst wirren Kopfes.
Doch trotz der seltsamen Ruhe bebte ihre Unterlippe und es fiel ihr zunehmend schwerer, die panischen Tränen zurückzuhalten. Elina wollte nicht als weinender Angsthase sterben.
Elina wollte generell nicht sterben.
Langsam nahm sie die zitternde Hand von ihrem Mund und krallte sie in den dreckigen Putz an ihrer Seite. Versuchte größere Teile aus dem alten Gestein zu lösen.
Versuchte eine - irgendeine - Waffe zu finden, die sie vielleicht irgendwie retten konnte.
Sie suchte nach irgendeiner Chance, nicht einfach so zu sterben.
Da
war
nichts.
Ihr Herz schien die Arbeit einzustellen. Fast, als hätte es die hoffnungslose Lage erkannt. Fast, als wollte es sagen, dass sich seine Arbeit sowieso nicht mehr lohnte.

DU LIEST GERADE
Vollmondaugen
RomanceVollmondaugen substantiv neutrum//plural ° Augen mit dem Aussehen des Vollmondes ° Augen, die das gleiche Gefühl geben, wie beim Betrachten des Vollmonds - Wieder huschten die grauen Mondaugen ihr Gesicht hoch und runter. Auf. Ab. Auf...