Heute vor einer Woche war ich beim wunderbaren Johannes Oerding... toll wars. Und dann kam mir diese OS-Idee.
Habt ein schönes, gesegnetes Osterfest.
Eure Reniawen
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Mit vor Nervosität leicht zitternden Fingern zog Robin die schmale Kette aus dem schwarzen, schlichten Pullover heraus, den er gerade übergestreift hatte. Er stand vor dem hohen Spiegel in seiner Garderobe der Stuttgarter Schleyerhalle und holte einmal tief Luft.
Eigentlich war doch alles wie immer. Sie steckten mitten in Johannes' Plan A-Tour, hatten noch neun Konzerte vor sich. Ein Teil von ihm war auch unendlich froh, dass sie wieder das tun konnten, was sie am meisten liebten: live Musik machen, Konzerte spielen. Und doch war bei dieser Tour alles anders. Seit nicht einmal drei Wochen, als Johannes aus Südafrika vom Dreh für die Jubiläumsstaffel der Sing meinen Song-Show zurück gekehrt war, und sie sich geoutet hatten.Natürlich war das alles in Absprache mit ihren Managements, Johannes’ Sponsoren und vor allem eben auch mit VOX abgelaufen. Es hatte ein einziges Interview dazu gegeben, einen einzigen gemeinsamen Auftritt bei Inas Nacht. Johannes hatte seiner engen Freundin Ina schon vor fünf Jahren, als sie zusammen gekommen waren, versprochen, dass sie dieses Interview bekommen würde, falls sie das jemals durchzogen.
Robins Herz pochte noch immer bis zum Hals, obwohl inzwischen ein paar Wochen verstrichen waren. Natürlich hatte es Kommentare und andere Reaktionen in beide Richtungen gegeben, viele waren dankbar, dass Johannes und er diesen Schritt gewagt hatten. Aber natürlich gab es auch viele aggressive Kommentare, Mails und Nachrichten, und er bereute schon, sich vor einiger Zeit ein Instagram-Account zugelegt zu haben.
Am tiefsten getroffen hatten Robin Aussagen wie »Hat die Schwuchtel sich in Oerdings Band geschlafen« oder »Bekommen die dann auch einen eigenen Tourbus, damit die armen anderen Bandmitglieder das nicht mit ansehen müssen, wie sie vor ihrer Nase rummachen?« Es gab auch wirklich gemeine Kommentare, wie »Wofür spielt Robin dann Bass, wenn er n Blasinstrument hat?« Die negativen Nachrichten, Anfeindungen und all das rissen nicht ab, bis Johannes beim Tourstart in einem Statement klarmachte, dass er mit allem, was er hatte, hinter Robin stand und dass sie die gefährlichsten Nachrichten verfolgen und anzeigen lassen würden. Bisher hatte es auf der Tour noch keine Zwischenfälle gegeben, aber das führte nur dazu, dass es mit Robins Nervosität nicht gerade besser wurde. Jeden Abend stand er vor dem Spiegel seiner Garderobe und fragte sich, ob wohl heute etwas passieren würde und wie die Reaktion der Zuschauer sein würde, wenn der Vorhang fiel und sie mit Kaleidoskop den Konzertabend beginnen würden. Vermutlich lief es so harmlos ab, weil die Security an allen Einlässen verdoppelt worden war. Dafür hatte Johannes wohlwissend gesorgt.Es klopfte an der Tür und ein Lächeln legte sich auf Robins Gesicht. Johannes kam jeden Abend in seine Garderobe, weil er natürlich wusste, wie nervös sein jüngerer Freund war. »Hi«, sagte er, schloss die Türe, trat zu Robin und legte eine Hand in seinen Nacken.
Robin seufzte in den folgenden Kuss. Johannes schaffte es immer wieder, ihn vor den Konzerten runter zu holen, sonst würde er wohl vor Panik durchdrehen. »Du… siehst gut aus«, stellte er fest. Das tat Johannes wirklich mit dem offenen schwarzen, gestreiften Hemd mit kurzen Armen, dem schwarzen Shirt darunter und der Kette um seinen Hals, an der ein Ring baumelte. Der Ring, den Robin ihm zum Geburtstag Anfang des Jahres geschenkt hatte. Den Hut trug er noch nicht, aber es war auch noch eine halbe Stunde bis zu Konzertbeginn.
»Du auch«, schmunzelte Johannes.
»Nur n simpler Pulli«, grinste Robin. »Wollt keine… Aufmerksamkeit erregen.«
»Robin«, seufzte Johannes. »Bloß, weil du dann eventuell n offenes Hemd trägst? Komm schon.«
Robin hob die Schultern. Ja, er sah gerade überall Hater. »Ich weiß«, erwiderte er. »Trotzdem besser so.«
»Ich bin so froh, dass wir das gemacht haben«, sagte Johannes und Robin mühte sich ein Lächeln ab. »Danke. Ich weiß, das sag ich jeden Abend, aber es stimmt. Ich weiß, welche Überwindung das für dich war, und ich liebe dich dafür. Sehr.«
Wohlige Wärme erfüllte Robin. Ja, er hatte sich lange gewehrt, obwohl Johannes alles andere als glücklich mit ihrer Situation, alles geheim halten zu müssen, gewesen war. Und er selbst ja auch. Aber doch hätte er es deswegen fast dazu kommen lassen, dass ihre Liebe keine Chance mehr hatte und Robin fragte sich heute noch, wie das hatte passieren können. »Ich lieb dich auch«, erwiderte er, schlang noch einmal bevor es losging die Arme um Johannes’ Hals und küsste ihn tief.
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OneShots-Sing meinen Song, the Voice, the Masked Singer
RomanceOneShots zu the Voice und Sing meinen Song und anderes. Hauptsächlich über Paddy, aber auch andere Pairings, kurze und mal längere Geschichten.