Madelyn
Mein Kopf pocht, meine Augen sind schwer. Ich muss so viel Kraft aufbringen, meine Augen zu öffnen. Das Licht ist gedimmt, es tut nicht weh in meinen Augen. Meine Sicht ist verschwommen. Ich drehe meinen Kopf zur Seite, stelle fest, dass ich in meinem Bett liege. Ich bin alleine. Wieso haben sie mich alleine gelassen? Plötzlich fällt mir alles wieder ein. Die Frau. Ihr Gesicht. Der Smiley. Die Panikattacke. Jetzt bin ich alleine? Ist ihnen was passiert? Fuck, wie konnte ich nur einschlafen? Ihnen ist bestimmt etwas passiert. Bevor ich meine Gedanken ordnen und mir überlegen kann, was ich jetzt tun soll, entweicht mir ein Schrei. Wieso schreie ich? Caden kommt herein gestürzt, dicht gefolgt von Trevor. „Was ist los? Wieso hast du geschrien?" Mein Herz wird um einiges leichter, als ich die beiden sehe. Sie leben noch. „Ich weiß nicht...Ich hatte Angst, dass euch etwas zugestoßen ist."
Trevor legt den Kopf schief, kommt auf mich zu und setzt sich neben mich. „Alles ist gut, Prinzessin. Niemandem ist etwas passiert. Auch nicht Dylan und Cody. Die kümmern sich gerade bloß um das Problemchen da unten." Ich nicke nur, zu mehr bin ich gerade nicht fähig. „Weißt du noch, was passiert ist?", fragt Caden ruhig. Als ich mich daran zurück erinnere, beginnt mein Körper unwillkürlich zu zittern und meine Augen zu tränen. „Ich habe...Ich habe diese Frau gesehen, vor dem Haus. Dann war ich hier oben und...ich hatte so schreckliche Angst um euch...Ich will euch nicht verlieren, Caden. Bitte."
Trevor hebt mich aus meiner liegenden Position heraus und nimmt mich in den Arm. Sofort entspanne ich mich wieder und sehe Caden in die Augen, welcher sich vor das Bett gehockt hat und mich eindringlich ansieht. „Ich muss zu den anderen, Maddie. Ist es okay für dich, wenn Trevor mit dir hier bleibt?" Ohne nachzudenken nicke ich. Ich würde mit Trevor überall hingehen und überall mit ihm bleiben. „Okay. Wir sehen uns später, oder morgen früh. Je nachdem." Caden gibt mir einen Kuss, nickt Trevor zu und verschwindet dann nach unten zu den anderen. Ich schmiege mich noch mehr an Trevors Brust, genieße seine Nähe, solange er es noch zulässt. Ich habe so schreckliche Angst davor, dass er irgendwann wieder dicht macht. „Hör auf so viel zu denken, Baby." Seine Stimme ist sanft, anders als sonst. Ich seufze. „Ich kann nicht anders, ich habe einfach nur..." „Angst. Ja, ich weiß, aber das wird nicht besser, wenn du so viel daran denkst."
Ich antworte ihm nicht. Was denn auch? Ich habe gerade auf nichts eine Antwort. „Möchtest du dich vielleicht erstmal umziehen?", unterbricht er meinen inneren Monolog. Ich nicke stumm, stehe auf und will zum Kleiderschrank gehen, doch er hält mich auf. „Setz dich wieder hin, du solltest dich so wenig belasten wie möglich." Ich tue was er sagt und schaue dabei zu, wie er zu meinem Schrank geht, mir ein Nachthemd rausholt und wieder zurück kommt. „Arme hoch." Er sagt es nicht in einem Befehlston sondern ganz lieb. Ich hebe also meine Arme und er zieht mir vorsichtig mein Kleid über den Kopf. Sein Blick fällt auf meine Brüste, die noch von meinem BH verdeckt werden, gleitet dann weiter hoch an meinen Hals. „Liebst du ihn noch?"
Ich schaue Trevor verwirrt an, woraufhin er auf die Kette mit dem J deutet, die ich immer noch trage. „Nein.", antworte ich ehrlich. Ich muss nicht mal darüber nachdenken. Ein Lächeln ziert seine schönen Lippen und ich will ihn schon wieder küssen. Was ist bloß los mit mir?
„Umdrehen." Ich gehorche, spüre kurze Zeit später seine kalten Ringe in meinem Nacken. Er öffnet den Verschluss der Kette, nimmt sie mir vom Hals und legt sie auf den Nachtschrank. „Die brauchst du nicht mehr, du hast jetzt uns.", flüstert er und hinterlässt federleichte Küsse in meinem Nacken. Ein warmes Gefühl macht sich in mir breit, dieser Moment hat sich so besonders angefühlt, als wäre es unser erster richtiger Moment gewesen. Er öffnet meinen BH und ich drehe mich wieder um, jetzt wandert sein Blick über meinen Körper, irgendwas blitzt darin auf. Als seine Augen an meinen vernarbten Oberschenkeln kleben bleiben, durchfährt mich ein grausames Gefühl. Er streckt seine Hand aus, um mich dort zu berühren, doch ich weiche aus. Er versteht meine stumme Bitte und zieht mir einfach das Nachthemd über den Kopf. „Stört es dich, wenn ich hier rauche?", fragt er, während er schon das Fenster öffnet. Ich schüttele den Kopf und trete neben ihn. Ich will ihm so nah sein, wie es nur geht. Sein Arm schließt sich um meine Taille und so stehen wir da, schauen in den Nachthimmel. Als ich den Geruch von Gras wahrnehme, sehe ich ihn irritiert an. „Ich hab doch gefragt.", verteidigt er ich grinsend. „Ja, ich dachte nur...ach schon gut. Darf ich auch mal?" Er sieht mich skeptisch an, reicht mir den Joint dann aber doch. Ich ziehe dran und hasse mich im nächsten Moment dafür. Ich verabscheue Drogen mehr als alles andere aber irgendwas in mir hat danach geschrien. Vielleicht hilft es ja, mich ein einziges Mal alles vergessen zu lassen. Als der Rauch meine Lunge erreicht huste ich, es brennt höllisch. Trevor kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Gib mal her." Ich halte ihm, immer noch hustend, dieses Teufelszeug vor die Nase. „Gleich öffnest du deinen Mund und atmest ganz normal ein, okay?" Ich nicke. Er nimmt einen kräftigen Zug, dann nimmt er mein Gesicht zwischen seine Hände. Ich öffne meinen Mund, er kommt mir gefährlich nahe, kurz denke ich, er will mich küssen, doch unsere Lippen berühren sich nicht, als er mir den Rauch in den Mund pustet. Wie er gesagt hat, atme ich ganz normal ein und diesmal muss ich tatsächlich nicht husten. Nach ein paar Wiederholungen fühle ich mich plötzlich wirklich ganz leicht. Ich erinnere mich noch an alles, aber es fühlt sich gar nicht mehr so schlimm an. Ich fühle mich wie betäubt von dem Schmerz und ich liebe es.
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𝐎𝐮𝐫 𝐆𝐢𝐫𝐥 - 𝘸𝘪𝘳 𝘣𝘳𝘢𝘶𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘥𝘪𝘤𝘩
Romance„Du glaubst uns zu kennen, Madelyn. Doch das tust du nicht. Das wirst du niemals." - Vier Männer. Ein Mädchen. Zu viele Fragen. Zu wenig Antworten.
