Kapitel 39

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Cody

Die letzten Wochen verliefen so harmonisch, wie wahrscheinlich noch nie irgendetwas in meinem Leben. Maddie ist überglücklich mit uns, genauso wie wir mit ihr. Ich kann diese Gefühle, die sie in mir hervorruft gar nicht beschreiben. Es ist, als könnte ich endlich nach so langer Zeit wieder atmen. In den ersten Tagen waren wir noch damit beschäftigt, Maddie davon zu überzeugen, dass wir keine gefährlichen Serienkiller sind, nur weil wir ab und zu ein bisschen mit Blut beschmiert werden. Klar scheuen wir nicht davor jemanden umzubringen, wenn es nötig ist (Gut, Trevor scheut auch nicht davor Menschen umzubringen, wenn es nicht nötig ist) aber wir schlachten hier nicht ungehemmt irgendwelche Leute ab. In Momenten wie jetzt gerade, in denen Maddie in meinen Armen liegt und sich einfach wohl bei mir fühlt, schlägt mein schlechtes Gewissen zu. Wir haben sie so oft belogen und mindestens genau so oft war ich auch schon kurz davor ihr die gesamte Wahrheit zu erzählen, aber das geht einfach nicht. Erstens würde ich damit alles, aber auch wirklich alles über uns preisgeben und zweitens würde ich sie in Gefahr bringen. Über den ersten Punkt kann man sich streiten, ich könnte mit den anderen reden und ich bin mir sicher, dass zumindest Caden mir zustimmen würde, ihr einfach alles zu erzählen. In irgendeiner Ecke meiner Gedanken sind wir schon mit ihr abgehauen, irgendwohin wo uns niemand findet. Wir führen ein ruhiges Leben, vögeln den ganzen Tag und lassen es uns einfach gut gehen aber die bittere Realität holt mich jedes Mal wieder ein. Natürlich ist das nicht so einfach, wie es sich anhört. Blackpool ist quasi unsere Stadt. Hier kennt uns jeder und vor allem respektiert uns hier jeder. Außer uns gibt es nur einen einzigen Mann, der mehr Macht hat als wir und das ist Ed. Als wir hierherkamen wie vier streunende Hunde, fünf wenn man Alissa mitzählt (wobei ich sie eher als Katze bezeichnen würde), hat er uns aufgenommen und uns zu seinen besten Männern ausgebildet. Wir verdanken ihm alles und noch viel mehr, umso schlimmer, dass ich überhaupt darüber nachdenke, ihm in den Rücken zu fallen. Ich habe auch schon mehrmals versucht, mit Dylan darüber zu sprechen, doch er macht jedes mal dicht. Auch wenn Maddie ihm viel bedeutet, steht Alissas Sicherheit für ihn immer noch an erster Stelle und er würde es niemals in Betracht ziehen, sie irgendwie in Gefahr zu bringen. Es reicht ja schon dass wir ständig neue Drohungen vorfinden, obwohl Ed eigentlich im Gegenzug für unsere Arbeit, für unsere und vor allem ihre Sicherheit sorgen sollte, doch der meldet sich seit Ewigkeiten nicht. Einerseits ist das ein gutes Zeichen, andererseits macht es mich und vor allem Dylan super nervös. Trevor hat sich noch nie wirklich dafür interessiert, er hat einfach seine Aufträge erledigt und das war es dann auch. Ed war zwar für jeden von uns wie ein zweiter Vater, nachdem unsere Eltern ermordet wurden, doch Caden hatte immer die beste Verbindung zu ihm, es war immer so, als würden sie sich schon ewig kennen. Doch momentan scheint dieser ihn überhaupt nicht zu interessieren. Die einzige Person, für die er noch Platz in seinem Kopf hat, ist die wunderschöne Frau, die gerade in meinen Armen beginnt wach zu werden.
„Guten Morgen mein Engel.", flüstere ich, während ich ihr eine ihrer brünetten Haarsträhnen aus der Stirn streiche. Sie murmelt irgendwas unverständliches, bevor sie sich mit dem Gesicht zurück an meine Brust kuschelt, was mich unwillkürlich lächeln lässt. Ich liebe es zwar, dass sie die anderen genau so sehr will wie mich, aber umso mehr genieße ich die Zweisamkeit mit ihr. Die kleine Falte auf ihrer Stirn zeigt mir, dass irgendetwas sie sogar im Schlaf beschäftigt und ich weiß auch ganz genau, was es ist. Trevor hat sich zwar wieder einigermaßen beruhigt, redet auch wieder normal mit ihr aber trotzdem ist er anders. Ich kenne seine Beweggründe doch er ist derjenige, der es ihr erzählen muss. Wie ich ihn kenne, wird das entweder noch sehr sehr lange dauern, oder er wird es ihr einfach nie erzählen und weiterhin so tun, als wäre alles gut. Maddie ist nicht dumm, natürlich merkt sie, dass eben nicht alles gut ist, wenn Trevor sie nicht mal mehr lüstern ansieht. Sie könnte sich nackt auf ihn werfen und er würde sie nicht anfassen, was sie an ihrem Selbstwertgefühl zweifeln lässt. Zwar glaube ich, dass Dylan, Caden und ich es ganz gut schaffen, es aufrecht zu erhalten aber dennoch fehlt ihr sein Teil.
Ich streichle erneut über Maddies Haare, als sie sich bewegt und ihren Kopf hebt. „Na du Schlafmütze, ausgeschlafen?" Statt zu antworten zieht sie mein Gesicht zu sich und drückt mir einen Kuss auf meine Lippen, der mich auf der Stelle schmelzen lässt. Ich könnte jedes Mal schmelzen, wenn sie mich berührt. Gut, meistens reicht es auch schon, wenn sie mich mit ihren Augen ansieht, als wäre sie ein kleines unschuldiges Reh.

„Nein, wir werden es ihr nicht sagen! Wie oft noch?" Dylans Laune momentan ist eher angespannt, was man ihm definitiv anmerkt. „Ich werde uns und auch sie nicht in unnötige Gefahr bringen, nur weil du plötzlich ein schlechtes Gewissen bekommst."
„Und wenn sie es irgendwann herausfindet? Sie wird uns hassen und das, mein Lieber, ist dann deine Schuld.", wettert Caden zurück. Auch er ist mit seinen Nerven am Ende, aber wenigstens ist er auf meiner Seite.
„Sie findet es nicht heraus! Ich habe mir geschworen auf sie aufzupassen und das werde ich auch aber genau so habe ich geschworen auf euch und Alissa aufzupassen." „Das Eine schließt das Andere doch nicht aus." „Und wie es das tut. Wenn wir ihr alles erzählen wird sie uns vermutlich hassen, das wird eure kleinen Herzchen brechen und schon habe ich meinen Job versagt, weil ihr euch wahrscheinlich vor den nächsten Zug werfen würdet, wenn sie uns nicht mehr sehen will." Ich will ihm gerade antworten, da zeigt er in Richtung Tür. „Ich habe gerade echt keine Nerven für diese Diskussion. Ich muss mir erstmal überlegen, wie wir diesen beschissenen Plan umgehen können, ohne dass irgendwer verletzt wird. Meine Entscheidung bleibt die gleiche, Alleingänge gibt es nicht, wie ihr hoffentlich nicht vergessen habt. Trevor ist übrigens auch meiner Meinung und jetzt..." Er öffnet die Tür seines Büros, sein Blick ist unmissverständlich. „Bitte"

𝐎𝐮𝐫 𝐆𝐢𝐫𝐥 - 𝘸𝘪𝘳 𝘣𝘳𝘢𝘶𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘥𝘪𝘤𝘩Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt