Kapitel 43

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Trevor

Mein Herz krampft bei dem Anblick, der sich mir bietet. Meine Prinzessin liegt seelenruhig in ihrem Bett und schläft. Ihre Atmung ist ruhig, ihre Lider flattern ganz leicht. Ihr brünettes Haar ist zerzaust, ein paar Strähnen fallen ihr ins Gesicht. Ihre Haut ist leicht gebräunt aber das ist kein Wunder, sie liegt jeden Tag mindestens drei Stunden in der Sonne herum. Am liebsten würde ich mich auf sie stürzen, sie küssen und sie so lange ficken, bis sie durch das ganze Haus schreit, dass sie mir verzeiht. Ich könnte mir selbst dafür in den Arsch beißen, was ich ihr angetan habe. Natürlich kriege ich mit, wie sie über mich spricht, wie sehr sie mich vermisst und wie sehr ich sie mit meinem Verhalten verletze und genau das ist der Grund, weshalb ich nicht einknicken darf. Ich werde sie immer und immer wieder verletzen, wenn ich mich nicht von ihr fernhalte, genauso wie sie jeden einzelnen von uns verletzen wird, wenn Dylans Idee, sie hierzubehalten, nach hinten losgeht. Und das wird sie. Das weiß ich und die anderen wissen es genauso, aber vor allem Dylan. Er bringt sie und auch uns dadurch bloß noch mehr in Gefahr und es ist verdammt scheiße, weil uns nichts anderes übrig bleibt. Entweder wir riskieren es und haben eine einprozentige Chance, dass es irgendwie klappt, oder wir lassen es sein, liefern sie aus und werden sie nie wiedersehen. Bei dem Gedanken daran wird mir ganz schwindelig, ich hasse es, dass sie so eine Wirkung auf mich hat. Ich habe mir geschworen, mich nie wieder in meinem gesamten Leben zu verlieben und jetzt stehe ich hier vor Maddies Bett und beobachte sie beim Schlafen, weil ich dummer Idiot ihr im wachen Zustand nicht näherkommen kann, ohne entweder über sie herzufallen oder sie so lange zu beleidigen, bis sie anfängt zu weinen. Besonders Cody hat in den letzten Tagen versucht mich umzustimmen aber ich kann das einfach nicht. Nicht, solange ich keine hundertprozentige Sicherheit habe, dass sie uns nicht weggenommen wird und selbst dann, wird es mir schwer fallen. Maddie weckt Gefühle in mir, die bis jetzt nur eine einzige Frau geschafft hat, aus mir herauszuholen und das ist verdammt gefährlich. Für uns beide. Vorsichtig nehme ich ihre Hand in meine, streiche sanft mit meinem Daumen über die weiche Haut ihrer Hand. Mein Bauch beginnt zu kribbeln. Ich fühle mich genau so, wie damals als ich ihr zum ersten Mal begegnete und meine Welt begann sich nur noch um sie zu drehen. Ich saß in meinem neuen Zimmer, starrte in die Leere und versuchte zu realisieren, was gestern geschehen war. Ich kam von der Schule nachhause und das erste was ich sah, waren meine Eltern. Tot. Unser gesamtes Wohnzimmer war blutverschmiert, ebenso wie ihre Körper. Ein roter Smiley grinste mich von der Wand aus an, die Leichen meiner Eltern grinsten genauso bestialisch. Es sah aus, als kämen sie direkt aus der Hölle um mich heimzusuchen. Notärzte, Polizisten und Krankenwagen rückten an, natürlich zu spät. Mir war von vornherein klar, dass sie tot sind, deswegen habe ich auch niemanden angerufen, doch unsere Nachbarin bestand darauf. Ich wurde noch am selben Abend von mehreren Psychologen untersucht und befragt und wurde schließlich in ein Heim gesteckt. Spoiler Alarm: Mein Aufenthalt dort war ziemlich kurz. Ich wollte einfach alleine sein, mit niemandem mehr reden und am liebsten auch am nächsten Morgen nicht mehr aufwachen, doch da machte mir jemand einen Strich durch die Rechnung. Ein zierliches kleines Mädchen steckte ihren Kopf durch den Spalt meiner Tür und sah mich mit ihren großen braunen Augen an. Ihre ebenfalls braunen Locken fielen ihr wild über die Schultern und die Art, wie sie vor Nervosität auf ihrer Unterlippe kaute, machte mich schon damals verrückt. Dieses Mädchen war bildschön, sowas hatte ich vorher noch nie gesehen. Bloß im Fernsehen oder in Zeitschriften aber ich hatte keine Ahnung, dass es so schöne Mädchen auch in echt gibt. Ich bat sie reinzukommen. Sie nahm sofort neben mir auf dem Bett platz, sah mir in die Augen und als ich das Funkeln darin entdeckte wusste ich, dass dieses Mädchen mein Mädchen werden sollte. Sie hatte etwas an sich, dass ich vorher noch nie gesehen oder erlebt hatte und mir war klar, dass ich alles tun würde um sie nie wieder gehen lassen zu müssen. Sie verlor kein Wort über meine Eltern, oder über das, was passiert war. Stattdessen erzählte sie mir von den anderen Kindern im Heim, wen sie davon mochte und wen nicht, was es für Aktivitäten gab, welche Tricks es gab um länger wach bleiben zu dürfen und und und. Sie hörte erst auf zu reden, als eine der Betreuerinnen sie ermahnte, dass es schon längst nach Bettruhe sei. „Warte!", rief ich, als sie gerade dabei war, mein Zimmer zu verlassen. „Wie heißt du eigentlich?" Sie drehte sich noch einmal zu mir um und ich verlor mich augenblicklich in ihren Augen. In dem Moment, als ich einen Funken in ihren Augen aufblitzen sah, beschloss ich, dass sie mein Funke sein sollte. Mein letzter Funke Hoffnung. „Olivia."
Ihr Name verpasst mir eine Gänsehaut von der schlechten Sorte und ich schüttle mich unwillkürlich. Sofort packen mich wieder der Selbsthass und die Schuldgefühle, auch die Aggressionen beginnen wieder durch meine Venen zu fließen und am liebsten würde ich auf irgendwas einschlagen. Das Einzige, was mich davon abhält ist Madelyn. Wie immer ist sie der einzige Grund, nicht völlig die Fassung zu verlieren und ich hasse es so sehr. Ich hasse es so gottverdammt sehr, dass sie so viel Einfluss auf meine Gefühle hat, das kann gar nicht gut enden. „Trevor?" Maddies sanfte Stimme beruhigt meinen Herzschlag und die Gänsehaut verschwindet auf der Stelle. Ich will gerade antworten, doch als ich sie ansehe, sind ihre Augen immer noch geschlossen. "Prinzessin?", flüstere ich, doch sie antwortet nicht. Vorsichtig hauche ich ihr einen Kuss auf die Stirn, bevor ich mit leisen Schritten und schwerem Herzen ihr Schlafzimmer verlasse. Ich muss irgendwas tun, um sie mir aus dem Kopf zu kriegen und auch wenn es wirklich das letzte ist, was ich will, weiß ich schon ganz genau, wie ich das anstellen werde.

𝐎𝐮𝐫 𝐆𝐢𝐫𝐥 - 𝘸𝘪𝘳 𝘣𝘳𝘢𝘶𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘥𝘪𝘤𝘩Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt