„Ab hier bin ich nicht mehr für euch verantwortlich. Es wird gleich Professor McGonagall kommen und euch abholen. Sie wird euch in die große Halle führen, wo ihr auf die Häuser verteilt werdet. Viel Spaß noch!"
Mit diesen Worten stapfte er davon. Kaum war er weg, ging eine weitere Tür auf und eine etwas älter aussehende Frau mit Hexenhut und smaragdgrünem Umhang trat heraus.
„Willkommen in Hogwarts!", rief sie. „Ihr werdet nun gleich die große Halle betreten. Dort werdet ihr auf die Häuser aufgeteilt. In Hogwarts gibt es vier Häuser. Gryffindor. Slytherin. Hufflepuff. Und Ravenclaw. Der sprechende Hut wird bestimmen, in welches Haus ihr kommt. Nun folgt mir bitte."
Sie öffnete eine große Flügeltür und in Zweierreihen traten wir ein. Wir gingen einen langen Gang entlang, der zwischen zwei Tischen hindurchführte, die so lang waren, dass sie nur von Magie gehalten werden konnten.
„Gwendolyn, schau mal nach oben!", flüsterte Maggie neben mir und ich sah nach oben. Dort schwebten Kerzen, bestimmt tausende, und es gab keine Decke. Dort oben war einfach nur der klare Nachthimmel zu sehen.
Wir waren vorne angekommen, wo ein Tisch stand, an dem viele Erwachsene saßen. Das mussten die Lehrer sein. In der Mitte des Tisches saß ein sehr alt aussehender Mann mit langem, weißem Bart. Das musste der Schulleiter sein, Professor Dumbledore. Professor McGonagall stellte einen Stuhl mit drei Beinen vor den Tisch und in der Hand hielt sie einen zerfetzten Hut. Und der sollte sprechen können?
Sie sagte: „Wenn euer Name aufgerufen wird, kommt ihr bitte nach vorn und setzt euch auf diesen Stuhl. Also, als erstes steht hier: Allison, Maggie."
Maggie ging langsam nach vorne und setzte sich auf den Stuhl. Ich erschrak, als der Hut plötzlich die Krempe nach oben klappte und rief:
„Slytherin!"
Am Tisch an der linken Wand brach Beifall los und auch die Lehrer klatschten. Maggie sprang auf, gab Professor McGonagall den Hut zurück und rannte zum Tisch der Slytherins, wo sie sich auf den ersten freien Platz setzte. Der blonde Junge, der vor mir gestanden hatte, wurde gerade nach Rawenclaw geschickt und Professor McGonagall rief schon den nächsten Namen.
Ein Mädchen, das neben mir gestanden hatte, ging nach vorn und kaum hatte der Hut ihren Kopf berührt, rief er: „Gryffindor!"
Und so ging es immer weiter, drei weitere Kinder noch, die nach Hufflepuff, Gryffindor, und wieder Hufflepuff kamen. Dann rief Professor McGonagall:
„Evans, Gwendolyn!"
Ich ging langsam nach vorne, war wie gelähmt und überlegte, in welches Haus ich wohl kommen würde. Ich spürte, wie der Hut meinen Hut berührte und hörte eine leise Stimme.
„Mmmmh, schwierig ist das. Ich sehe Mut bei dir, viel Mut, ich habe das Gefühl, deine Mutter war eine Gryffindor. Aber ich sehe auch Hinterlist, ein wenig. Dein Vater war ein Slytherin."
Ich will nach Slytherin, dachte ich, denn schließlich war Maggie auch in Slytherin und, wie ich soeben erfahren hatte, war mein Vater auch ein Slytherin gewesen. Ich hörte wieder die Stimme.
„Wirklich? Du willst sicher nach Slytherin? Aus Freundschaft, soso. Das würde mehr nach Gryffindor passen, aber wie du willst. Slytherin!"
Beifall brach los und ich rannte schnell zum Slytherintisch und setzte mich freudenstrahlend neben Maggie. Als alle an ihren Tischen saßen stand Professor Dumbledore auf und sagte:
„Ich will keine langen Reden halten. An unsere neuen Schüler: Willkommen in Hogwarts! An unsere alten Schüler: Willkommen zurück! Und jetzt lasst das Festmahl beginnen!"
Er setzte sich wieder und plötzlich füllten sich die Teller mit vielen Dingen, die ich noch niemals gesehen oder gegessen hatte. Ich beschloss, von allem etwas zu essen und schlug mir den Bauch voll.
Nach dem Essen wurden wir von den Vertrauensschülern in unsere Gemeinschaftsräume gebracht. Ein Mädchen mit langen, blonden Haaren führte uns hinunter in die Kerker. Uns, das heißt: Maggie, mich, einen Jungen namens Nicolas, ein Mädchen, das, soviel ich wusste, Elizabeth hieß, und einen Jungen, der sehr eingebildet aussah und Tom hieß. Das waren die neuen Slytherins in diesem Schuljahr.
Das Mädchen mit den langen Haaren zeigte uns unsere Schlafsäle und sagte, unser Gepäck sei schon hergebracht worden. Maggie, Elizabeth und ich öffneten die Tür des Mädchenschlafsaals und sahen drei wunderschöne Himmelbetten.
Ich warf mich sofort auf das in der Mitte, Maggie nahm das rechts von mir und Elizabeth das Linke. An den Betten waren samtene Vorhänge (ganz in grün) befestigt, die sich problemlos zuziehen ließen. Als ich dort lag, wurde mir zum ersten Mal an diesem Abend bewusst, wie müde ich war, und ehe ich noch etwas sagen konnte, schlief ich ein.
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No One Will Know
FanfictionHP-Fanfiktion; Gwendolyn Evans hat ihr ganzes Leben im London der Muggel zugebracht - bis sie nach Hogwarts kommt. Sie hatte zwar so einiges erwartet, als sie sich zum ersten Mal auf den Weg dorthin machte, doch dass ihr Leben eine derartige Wendung...