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Enchanted by Nature II

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Kapitel 2

Ich summte vor mich hin, während ich die letzten Servietten zu kunstvollen Blüten faltete. Da die Abende noch kühl wurden, hatte ich für uns im Wohnzimmer gedeckt. Hier konnten wir später noch den kleinen Ofen anheizen, falls uns zu kühl werden sollte.

Ich platzierte die Serviettenblüten auf den Tellern. Gläser und Besteck waren ebenfalls parat und die Kerzen in der Tischmitte würde ich gleich noch entzünden. Neben ihnen hatte ich eine kleine Vase hingestellt, in der ich abgeschnittene Pfingstrosen aus meinem eigenen Beet platziert hatte. Auf ein paar Regalen an den Wänden ringsum standen meine Pflanzen und einige gebrauchte Bücher, die für noch mehr Gemütlichkeit sorgten.

Lucas war in der Küche und hatte einen Blick auf die Lasagne. Alle frisch aus meinem Garten geernteten Zutaten für den Salat hatte ich bereits kleingeschnipselt und warteten nun darauf, mit Öl und Essig verfeinert zu werden. Während der Zubereitung musste ich daran denken, wie ich eine Zeit lang versucht hatte, wilde Kräuter und Beeren zu sammeln, aber irgendwann festgestellt hatte, dass ich einfach ganz unterschiedliches Essen zu sehr liebte, um ganz auf den Supermarkt um die Ecke zu verzichten. Diese wilde Seite des natürlichen Lebens lebte ich dann lieber doch nur noch im Spiel aus.

Ein kurzer Blick auf die Uhr sagte mir, dass Hayley und Caleb bestimmt jeden Moment da sein würden, und als hätten sie meine Gedanken gespürt, hörte ich, wie mein Gartentürchen quietschend aufging.

„Huhu, wir sind daaa!", rief Hayley gut gelaunt.

"Wir sind hier drin!", rief ich aus der Tür und winkte ihnen zu.

Den Anblick vor mir müsste man eigentlich mit einer Kamera festhalten. Meine beste Freundin und ihr Mann auf dem Weg durch meinen Garten, umgeben von fast schon glitzernder Luft und dieser verwunschenen Stille, die ich so sehr liebte.

„Ich bin immer so entspannt, wenn ich hier ankomme", proklamierte Hayley, als sie mich erreichte und mich umarmte. „Die Strecke vom Parkplatz durch den Wald bis hierher ist genau richtig, um den Kopf frei zu bekommen und abzuschalten."

„Abschalten? Du hast bei jedem Geräusch über deine Schulter geguckt, ob sich zwischen den Bäumen irgendein Lebewesen versteckt", ärgerte Caleb sie und umarmte mich dann auch zur Begrüßung.

„Der Wald hat kurz vor Sonnenuntergang eben diese geheimnisvolle Atmosphäre. Ich kann nichts dafür, aber meine Fantasie wird dadurch angekurbelt und ich erwarte fast schon, dass vor mir plötzlich eine Fee auftaucht oder ein sprechender Frosch."

„Also Frösche gibt es hier genug", bemerkte ich und zeigte auf meinen kleinen Teich. Und wer wusste schon, ob sich irgendwo in meinem Märchengarten auch eine Fee versteckte, dachte ich schmunzelnd. In meinem Laptop auf jeden Fall.

„Aber auch solche, die zu Prinzen werden?" Caleb zwinkerte seiner Frau zu.

„Frösche, die zu Prinzen werden? Versucht Sophia, ihr neuestes Liebeselixier anzuprangern?" Lucas stieß dazu und legte liebevoll grinsend seinen Arm um mich.

Ich verdrehte amüsiert die Augen. „Ich habe mich nur einmal an einem Elixier versucht – und das war eigentlich nur ein Tee aus eigener Mischung", erklärte ich. „Außerdem braucht ihr zwei definitiv kein Liebeselixier."

So verliebt, wie Hayley und Caleb sich auch nach Jahren Beziehung ansahen und verhielten, war keine extra Hilfe nötig.

„Oh, au!", stieß Caleb plötzlich hervor und hüpfte plötzlich vom einen aufs andere Bein.

„Durchstrecken, Schatz! Du musst das Bein durchstrecken!", rief Hayley sofort und eilte ihm schon zur Hilfe.

„Er kriegt zurzeit immer wieder Wadenkrämpfe", klärte sie uns auf, während sie versuchte, Caleb zu stützen.

„Du hättest nicht eventuell dafür ein Elixier?", keuchte Caleb feixend und konnte es trotz der offensichtlichen Schmerzen nicht sein lassen, sich ein wenig über mich lustig zu machen.

„Sehr witzig." Ich streckte ihm die Zunge raus, überlegte aber sogleich, ob ich ihm helfen konnte.

„Setzt euch doch erst mal und trinkt was." Lucas schob unsere Gäste zum Esstisch, während ich nach draußen trat, mich zu meinen Kräutern umdrehte und im Kopf all das durchging, was ich über sie wusste.

Die Naturheilkunde war für mich zu mehr als einem Hobby geworden und immer wieder war ich darüber erstaunt, welche Schätze die Natur für uns bereithielt. Wir mussten nur die Augen aufmachen, dann erschloss sich vor uns eine wahre Pracht an Heilmitteln, die bei allen erdenklichen Beschwerden helfen konnten.

In der modernen Welt verließ man sich meist auf synthetische Medikamente, aber seit mein Sim im Spiel sich der Natur zuwandte, machte ich das auch mehr und mehr.

Ich ließ meinen Blick über mein Kräuterbeet schweifen und die kleinen Rädchen in meinem Kopf liefen auf Hochtouren. Ich wusste, dass Rosmarin krampflösend wirkte, aber das allein würde wahrscheinlich nicht ausreichen. Was also...? In dem Moment kam mein kleines Libellchen angeflogen, wirbelte einmal um meinen Kopf und zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen.

„Hallo Hübsche, was machst du denn hier?", sprach ich sanft mit ihr.

Sie entfernte sich von mir und flog zielstrebig zur Pfefferminze, um sich darauf niederzulassen.

Pfefferminze – gegen Muskelverspannungen und Schmerzen. Ein wenig perplex sah ich meinen kleinen Begleiter an. Hatte sie gerade...? Oder war das Zufall?

„Bist du mein kleiner Glücksbringer geworden? Danke für den Tipp!" Ich sprach weiterhin leise, um sie nicht zu verschrecken, schnitt dann mit einer Gartenschere ein wenig Rosmarin ab und zupfte ein paar Blätter der Pfefferminze ab, als das Libellchen wieder weggeflogen war.

Ich lief in meine kleine Küche, um Wasser aufzukochen. Die beiden frischen Zutaten gab ich in einen Teebeutel, zusammen mit etwas bereits getrockneter Kamille, die ebenfalls unter anderem krampflösend wirkte, und goss dann das heiße Wasser darüber. Im Regal sah ich noch mein selbstgemachtes Rosmarinöl stehen, das ich kurzerhand mitnahm.

Mit der großen Tasse und dem kleinen Flacon in meinen Händen ging ich zu Caleb und den anderen zurück und stellte beides vor ihn auf den Tisch.

„Hier, das sind Rosmarin, Kamille und Pfefferminze. Alle Zutaten sind krampflösend. Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn du das eine Zeit lang regelmäßig trinken würdest, wenn du gerade öfter mit Muskelkrämpfen zu tun hast", riet ich ihm. „Und das hier ist Rosmarinöl. Nimm ein bisschen davon und reib es in kreisenden Bewegungen auf die krampfenden Stellen ein."

„Danke!" Calab zog an dem Teebeutel, damit sich die Aromen gut im Wasser verteilen konnten und nippte dann daran. "Schmeckt gar nicht so übel, mit der Medizin komme ich zurecht", erklärte er grinsend. „Heute lässt der Krampf gar nicht vollständig nach, als wenn er ständig unter der Oberfläche lauern würde."

„Na dann schau mal, ob es damit besser wird. Sollen wir in der Zwischenzeit essen, bevor die Lasagne kalt wird?"

„Unbedingt!" Hayleys Augen leuchteten bei dem Gedanken an Essen. Man konnte meiner besten Freundin kaum mehr Freude bereiten als mit einem guten Essen. Oder mit einem Abend unter Freunden. Oder Caleb. Oder einem guten Buch.

Ich schöpfte jedem auf, während Caleb noch mit dem Öl seine Waden bearbeitete.

Wir aßen, brachten uns auf den neuesten Stand, lachten und genossen die gemeinsame Zeit. Die inzwischen tiefe Nacht und das zarte Flackern der Kerzen hüllten uns in schummriges Licht, in dem alles möglich erschien.

Nachdem Hayley bereits das dritte Mal herzergreifend gegähnt hatte, gab Caleb den Startschuss zum Aufbruch.

„Vielen Dank für den schönen Abend und eure Mühe! Und danke auch für den Tee, Sophia, meine Krämpfe sind im Moment vollständig verschwunden."

„Hat die kleine Kräuterhexe wieder mal einen Volltreffer gelandet", neckte mich Lucas und drückte mir einen Kuss auf die Schläfe.

Ich verdrehte nur die Augen und lachte. „Freut mich, dass ich helfen konnte."

Wir umarmten uns noch einmal zum Abschied, und Lucas und ich sahen den beiden hinterher, wie sie Hand in Hand den Rückweg zu ihrem Auto antraten – mitten hinein in die dunkle Nacht, nur von den Sternen erleuchtet, die ihnen den Weg wiesen.  

How to publish loveGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt