Die Anspannung auf dem Feld war förmlich zu spüren. Die knisternde Luft gab das Zeichen für den bevorstehenden Kampf. Er atmete tief ein. Staub belegte seine Zunge und rauchige Luft füllte seine Lunge. Mit Herzrasen zog er die Bogensehne auf Schulterhöhe und legte den kleinen Pfeil an. Mit einem kaum vernehmbaren Flüstern sagte er: „Kae." Er spürte wie Magie durch seinen Körper floss und sich durch das Aussprechen der magischen Worte nach seinem Willen formte. Eine kleine Flamme züngelte und schlängelte an der Pfeilspitze entlang. Eine angenehme aber dennoch starke Wärme schlug ihm ins Gesicht.
Mit einem kurzen Blick nahm er die Landschaft um sich herum war. Die kargen Felsen beherbergten nur wenig pflanzliches und tierisches Leben. Am Horizont waren die schroffen Kanten der Berge zu sehen und ein blauer Gürtel teile das Land. Männer und Frauen in Rüstungen, mit Waffen und Schilden bepackt, liefen über das Feld und kämpften um Leben und Tod, Glaube und Gerechtigkeit, Ehre und Familie.
Nur wenige der Krieger beherrschten ihre magischen Gaben. Wer sich nicht mit Magie wehren konnte, war auf materielle Waffen angewiesen. Die Magie zu beherrschen machte einen Krieger zu einer gefährlichen Waffe. Magie hatte jedoch ihren eigenen Preis. Um sie einsetzen zu können, musste Energie aus der Umgebung oder von Lebewesen entzogen werden, sie mit dem Willen geformt und durch stoßweises Fließen, wie bei einem Herzschlag, ausgesendet werden.
Sein eigener Herzschlag schlug in einem kontinuierlichen Rhythmus, sein Atem ging ruhiger und seine Gedanken konzentrierten sich auf die Situation. Er ließ los.
Das Surren der Bogensehne erfüllte seine Ohren, ein kleiner Schimmer schoss über dem Himmel und traf sein Ziel. Ein kleines Tongefäß, gefüllt mit einem leicht entzündlichen Öl. Das Gefäß explodierte in einer Wolke aus purpurnen Flammen. Selbst auf dem Hügel auf dem er mit den anderen Bogenschützen stand, war die Hitze der Flammen zu spüren. "Guter Schuss, Cladis.", sagte eine Frau mit hellen Augen. Sie hatte blondes Haar, welches zu einem kunstvollen Knoten geschnürt war, damit er im Kampf nicht behinderte. Die Soldaten Elvanors hoben instinktiv ihre Schilde, welche mit einer Mixtur überzogen waren, die sie hitzeresistent machte.
Die Krieger Teryans waren auf dies nicht vorbereitet und wurden einerseits durch die Hitze geschädigt und andererseits durch die Lichtentwicklung geblendet. Das machte sie zu leichten Opfern für die Angriffe von Cladis Verbündeten.
Cladis hob die Hand und wischte sich einige lose Strähnen aus dem Gesicht. Er hatte schwarzes Haar, welches in einem festen Pferdeschwanz zusammen gebunden war, und dunkle Augen. Seine Haut war hell aber blass und mit Narben überzogen.
Er nahm einen weiteten Pfeil aus dem Köcher und legte ihn an die Sehne. Nach kurzem Zielen, schoss er. Das kleine Stück Holz flog über das Schlachtfeld und traf sein Ziel, einen Soldaten der gegnerischen Seite. Während Cladis die Umgebung kurz überblickte, entdeckte er den Herrscher von Teryan und seine Tochter, die Erbin des Throns. Tenebro hatte helle Haut und graue Haare, dennoch war er für sein Alter ein ernst zu nehmender Gegner. Seine Waffe war ein großer Stahlzweihänder, der mit Kriegsmagie verzaubert war, wodurch dieser einfacher aber todbringender zu schwingen war.
Aranea war trotz ihrer Jugend eine starke Frau und eine nicht zu unterschätzende Gegnerin. Ihr langes blondes Haar war zusammengeknotet und unter den Kopfschutz gesteckt. Aus dem jungen Gesicht blickten saphirblaue Augen hervor die eine gewisse Kühnheit und Stärke ausstrahlten. Cladis konnte nicht umhin sie zu bewundern, obwohl sie eine Feindin war. Sie kämpfte mit einem Einhänder in der einen, und einem Schild in der anderen Hand.
Cladis Aufmerksamkeit wurde nun wieder von der Schlacht beansprucht. Das Klirren der Waffen und die hunderten Stimmen dröhnten in seinem Schädel, sodass er seine Augen einen Moment schloss. Cladis befreite seinen Geist, sammelte sich und öffnete seine Augen wieder. Als er den Blick in die Entfernung schweifen ließ, sah er etwas anderes, etwas, dass vorher nicht da war. Eine schwarz gewandte Gestalt war am Rande des Kampfgetümmels erschienen. Ob Freund oder Feind, Mann oder Frau war auf diese Entfernung nicht auszumachen. Doch das plötzliche Erscheinen dieser Gestalt und eine unerklärlich bedrohliche Ausstrahlung ließ Cladis frösteln.
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