Kapitel 1 - Neuer Bachelor?

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Ich kam gerade aus der U- Bahn, als meine Freundin Lassie mich anrief. Schon am Klingelton hörte ich, dass sie es war. Seufzend kramte ich mein Handy aus der riesigen Handtasche. Es war keine zwanzig Minuten her, dass ich die Tür unserer Wohnung schließ und schon musste sie mich anrufen. Dementsprechend genervt meldete ich mich:" Ja? Was ist?"
"Oh. Mein. Gott! Madison! Hör dir das mal an!", kreischte sie mir ins Ohr und es rauschte eine Weile in der Leitung, dann hörte ich eine Stimme die ich einem Fernsehmoderater zuordnen konnte. Als sie mir wieder etwas vorspielte hörte ich nur mit einem halben Ohr hin, denn eine U- Bahn kam in den Bahnhof gefahren.
"... kam eine neue Meldung rein! Mr. und Ms. Edison suchen tatsächlich eine Frau für ihren Sohn Dayton. In drei Monaten werden 20 Frauen in die Sommerresidenz kommen.", es rauschte wieder und ich schaute mein Handy verwirrt an. Nein, sie hätte nicht aufgelegt, trotzdem dauerte es noch einige Sekunden, bis sie sich wieder meldete:" Sorry, Madie, ich habe schnell meinem Laptop hochgefahren. Jetzt geht es weiter okay? - Die Gewinnerin kann sich am Ende zwischen Dayton Edison und 500.000 Dollar entscheiden! Also: Family or Cash?
Anmelden kann man sich ab sofort auf unserer Internetseite... Ist das nicht toll?", fragt mich meine Freundin und ich konnte hören, dass sie grinste.
"Nein, Lassie. Das ist gar nicht cool.", seufzte ich und ging die Treppen der U- Bahnstation hoch. Meine Freundin schwieg eine Weile, nur das regelmäßige Trommeln ihrer Finger auf einer Tastatur war zu hören.
Nervös, weil ich sicher zu spät zur Uni kommen würde, klemmte ich mir mein Handy zwischen Schulter und Ohr, immer darauf bedacht, dass es nicht runterfällt.
Ich stellte mich beim Kaffeestand an und hoffte, dass sich nun meine Freundin zurück meldete.
"Lassie? Bist du noch dran?", fragte ich deshalb.
"Ja ja, Madie. Ich fülle nur gerade die Anmeldung für dich aus.", murmelte sie geistesabwesend.
"Was?", rief ich entsetzt aus. Sofort drehten sich sämtliche Passanten zu mir um.
"Das kannst du nicht machen, Lassie! Hör sofort auf damit!", beschwor ich sie durch das Telefon, während ich meinen Kaffee in Empfang nahm und bezahlte.
"Aber ich habe schon fast alles ausgefüllt. Und wieso, verdammt, willst du nicht teilnehmen? Du kannst Dayton Edison treffen!"
Ja, es war klar, dass sie so etwas sagte. Lassie war schon immer total in ihn verknallt gewesen, obwohl sie das natürlich niemals zugeben würde. Immer, wenn sie in einer Zeitschrift oder in einer Promisendung auf sein Gesicht traf, war sie nicht ansprechbar, sondern starrte ihn immer nur an.
"Aber wieso muss ich denn dann teilnehmen? Nimm doch selber Teil!", murmelte ich und nahm einen großen Schluck Kaffee. Schon drei Sekunden später bereute ich das gesagte. Am anderen Ende der Leitung war es still. Ich war schon fast an der Uni angekommen als Lassie wieder zu sprechen anfing:" Ich werde nicht teilnehmen und du weißt auch wieso.", flüsterte meine Freundin und ich hörte, dass sie entweder weinte oder mit den Tränen kämpfte.
"Es tut mir leid, Lassie. Ich... Ich wollte das nicht sagen. Soll ich nach Hause kommen?", fragte ich und blieb stehen. Oh Mist! Oh Mist! Das war ja so dumm gewesen! Schelte ich mich selber in Gedanken und wartete auf eine Antwort meiner Freundin. Diesmal weinte sie ganz sicher:" Nein, geh nur zur Uni. Ich komm schon klar."
Unsicher biss ich mir auf meine Unterlippe und fummelte an der Klinke des Tores zum Unigelände herum. Klar, ich wollte meine Freundin aufheitern, aber im letzten Monat war ich gar nicht in der Uni gewesen, sonder war immer mit Lassie zuhause gewesen und hatte sie getröstet.
Natürlich hatte ich das gerne getan, denn bei der OP, die sie wegen ihrer Krebserkrankung hatte musste ihr Rückenmark durchtrennt werden, damit die Ärzte mehr von ihrem Tumor herausholen konnten. Jetzt hatte Lassie die Chance noch ein Jahr weiter zu leben.
Seit einer Woche ging ich wieder zur Uni, denn Lassie hatte darauf bestanden.
"Nein, Lassie. Ich komme, bin in zehn Minuten da, okay?", sagte ich und wandte mich vom Unigelände ab.
"Madie? Du musst wirklich nicht...", der Rest des Satzes ging in einem Schluchzer unter und mir wurde sofort bewusst, dass ich das Richtige machte. "Doch. Ich komme, bis gleich.", flüsterte ich liebevoll und legte auf.
Besorgt beschleunigte ich meine Schritte. Oft hatte ich daran gedacht, dass sich Lassie etwas antuen würde, wenn ich sie alleine lasse.
Sie war zwar stark, doch nun, durch diese neue Art, wie sie ihr Leben führen musste, hatte sie immer schwächer und verzweifelter werden lassen.
Den gleichen Weg, den ich gerade genommen hatte ging ich jetzt wieder zurück und schaffte es sogar noch die U- Bahn zu nehmen, die nach meiner kam.
Schneller als je zuvor kam ich zuhause an.
Als ich die Wohnungstür aufschloss war kein Schluchzen zu hören. Ein wenig panisch schmiss ich meine Handtasche in die nächste Ecke und rannte ins Wohnzimmer.
Lassie saß in ihrem Rollstuhl und hatte den Kopf gegen den großen Ohrensessel gelehnt.
Auf ihrem Schoß lag der noch eingeschaltete Laptop.
"Lassie? Ich bin wieder da!", flüsterte ich und sie schreckte hoch.
"Madie!", sagte sie und wischte sich die Tränen aus den Augen. Lautlos waren sie ihr über die Wangen gelaufen.
Ich ging zu ihr und legte einen Arm um sie:" Hm? Was ist los?", fragte ich und gab ihr einen Kuss auf die Haare.
"Ich... Ich...", schluchzt sie und die Tränen Rinnen immer schneller aus ihren Augen.
"Ist schon gut.", flüstere ich und streichle über ihren Rücken:" Wollen wir mal sehen, was das für ein Zeugs ist?"
Nach einigen Sekunden nickte Lassie und strich mit den Fingern über das Touchpad. Der Bildschirm wurde wieder bunt und die Internetseite mit der Anmeldung öffnete sich.
Sofort wollte Lassie weiter meine Daten eintragen, als ich sie aufhielt:" Warte, Lassie. Ich möchte mir das erst durchlesen." Sie nickte und scrollte zu dem Text hoch.
Gründlich las ich ihn mir durch, doch das einzige was hängen blieb war, dass das ganze im Fernsehen übertragen werden würde.
"Ich weiß nicht. Das ist im Fernsehen und so öffentlich.", überlegte ich laut.
"Aber du wirst ein halbes Jahr mit Dayton Edison verbringen!", sagte meine Freundin.
"Ein halbes Jahr?", rief ich entsetzt aus.
"Ja... Das ganze beginnt in drei Monaten und in einem halben Jahr kommt es ins Fernsehen. Du fliegst in Urlaub, ins Gebirge, an dem Strand...", siegessicher lächelte sie mich an.
Tatsächlich wirkte es. Lassie wusste genau, womit sie mich ködern konnte. Noch nie in meinem Leben war ich in Urlaub gefahren, deshalb stellte ich es mir immer und immer wieder vor.
"Aber was ist mit meinem Studium?", frage ich und beiße auf meine Unterlippe.
"Das kannst du doch ein Semester aufschieben! Deine Eltern hätten das verstanden, sie wollten immer das du glücklich bist."
Tja, damit hatte sie recht. Meine Eltern waren vor sechs Jahren gestorben und ihre einzige Sorge war es, dass ich unglücklich werden würde.

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