Die Tage des Frühlings vergingen.
Die Begegnung in Saids Gemächern hatte dieser beinahe schon vergessen.
Er war beschäftigt damit, Kontakte zu anderen Kalifen zu knüpfen, jagen zu gehen und den Besuch der Tochter des Sultans immer weiter aufzuschieben.
Sein Vater ließ ihm keine ruhige Minute.
Dann kam der gefürchtete Abend, an dem die Feier zu Ehren der Sultanstochter stattfinden sollte. Der ganze Palast war in heller Aufruhr, alles wurde geputzt und ins rechte Licht gerückt um einen unvergesslichen Eindruck bei dem Staatsoberhaupt zu machen, der seine Tochter begleiten würde.
Said stand am Rande des großen Saales und beobachtete das Treiben mit griesgrämiger Miene.
Er würde sich wirklich zusammenreißen müssen um charmant zu dem hässlichen Mädchen sein zu können.
Er seufzte und ging in Gedanken noch einmal seine Rede durch, als er im Gedränge der Bediensteten plötzlich ein ihm bekanntes zartes Gesicht erblickte.
Ein leichtes Kribbeln lief durch seine Lenden, als er an die feurige Begegnung in seinen Gemächern mit eben diesem Mädchen denken musste. Ihre Augen trafen sich kurz, dann wandte sie die Blick schnell ab und machte sich daran einen Wandteppich an der Wand aufzuhängen, der dreimal so groß war wie sie.
Said bahnte sich einen Weg durch die Menge, bis er hinter ihr stand.
"Ich kenne deinen Namen noch immer nicht", riss er sie aus ihrer Tätigkeit. Mit Schwung drehte das Mädchen sich um und knickste tief, als sie erkannte wer vor ihr stand.
"Sie erinnern sich an mich?", fragte sie ungläubig und sah sich suchend um, als würde sie erwarten, dass er mit jemand anderem redete.
"Wie könnte ich das vergessen?", entgegnete Said und strich ihr flüchtig mit seinem Handrücken über die gerötete Wange.
Ihre Haut fühlte sich an wie Seide und durch die Berührung stellten sich ihre feinen Härchen auf den Armen auf.
Sie wurde noch röter und ihre Finger zupften nervös an ihrem Kleid herum.
"Entschuldigen Sie, ich muss mit meiner Arbeit fortfahren", brachte sie zwischen ihren vollen, roten Lippen heraus und wendete sich von ihm ab.
Belustigt beobachtete Said sie, während sie verzweifelt versuchte die Verankerung des Teppichs mit ihren Fingern zu erreichen.
Schnell erkannte sie die Sinnlosigkeit ihres Vorhabens und zog eine Holztruhe unter den Teppich, um die Befestigung so erreichen zu können.
Sie streckte sich nach oben und Said konnte unter dem groben Leinenkleid schlanke wohlgeformte Beine erkennen.
Noch immer war sie zu klein.
Die Hausmutter rief ihr von der anderen Seite des Saals etwas zu, das Mädchen drehte sich um, verhängte sich mit ihrem Absatz im kostbaren Wandteppich und stolperte auf der Truhe stehend nach hinten.
Said erkannte die drohende Gefahr, tat einen Schritt nach vorne, gerade rechtzeitig, als sie das Gleichgewicht verlor und rückwärts fiel.
Sie landete direkt in Saids Armen, der ihren Sturz abfederte und sie fest an seinen Körper presste.
Sie hatte die Arme um seinen Hals geschlungen und sah ihm direkt und offen, mit ihren großen Augen ins Gesicht.
Es fühlten sich an wie Stunden, bis Said bemerkte, dass der ganze Saal sie anstarrte.
Er unterbrach den Blickkontakt und stellte sie vorsichtig auf ihre Beine.
Schnell wandte er sich ab und verließ im Laufschritt den Palast.
Er hatte schon immer bekommen was er wollte und sie wollte er mehr als alles andere, das hatte er eben beschlossen!
DU LIEST GERADE
Perlen der Leidenschaft
AdventureOrient 1750 Die 18-jährige Arya lebt im Palast des Kalifen und arbeitet hier als Zofe bis der gutaussehende Sohn des Kalifen aufmerksam wird auf sie und die beiden damit in größte Gefahr bringt... Eine Geschichte über Liebe, Verzweiflung und Sekunde...
