Sie war tot. Und lebte doch. Sie starb. Und konnte nicht aufhören zu atmen. Sie war eine Leiche. Ständig am Wandeln. Sie war am Leben. Und konnte nichts dagegen tun.
Ihr Körper war ihr größtes Leid. Ihre Seele schwarz wie die Nacht. Sterben war so leicht, würde sie nur sterben können. Würde ihre Brust aufhören sich zu heben, würde ihre Haut wie Schnee glänzen, würden ihre Lippen wie Eis funkeln, würde sie dann glücklich sein?
Aber was war Glück. Ein Gefühl. Es brauchte keine Gefühle. Sie wollte nie wieder etwas fühlen. Sie wollte emotionslos sein. Sie wollte nicht mehr leiden. Sie wollte nicht mehr weinen. Sie wollte nicht, dass ihre Seele starb, während ihr Körper lebte.
Sie wollte taub sein. Taub für Emotionen. Taub für das Leben. Bereit für den Tod. Sie war tot. Sie war am Leben. Sie hasste es.
Ihre Augen waren trüb, ihre Lider schwer. Sie war müde. Und konnte doch nicht schlafen. Sie fürchtete sich vor der Nacht. Ihre Gedanken jagten sie. Sie war ein Gefangener. Sie hasste es. Wollte ausbrechen. Doch wie, wenn die Gitterstäbe von ihr gegossen waren? Gegossen aus ihrem Glück und ihrer Freude, versiegelt mit ihren Tränen. Sie hatte Angst die Stäbe zu durchbrechen. Hatte Angst zu Lachen. Fürchtete sich davor glücklich zu sein.
Befürchtete die liebgewonnene Zone des Schmerzes zu verlassen. Sie hatte Angst davor, Angst vor dem Sprung ins Ungewisse. Hatte sie doch vergessen, wie sich Freude, Liebe, Glück anfühlte. Hatte verlernt zu Lachen. War zu schwach es zu üben. Fühlte sich lieber taub. Fühlte sich sicher. Sie kannte sich aus. Die Taubheit war ihr bekannt. Sie begrüßte sie wie einen guten Freund, hieß sie willkommen, ließ sie in ihrem Körper leben.
Weil sie sich erst dann geborgen fühlte.
Ich glaube, ich bin verliebt.
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Die unendliche Leiter
Short StoryZu persönlich, um es zu teilen. Zu wichtig, um es zu verschweigen. Was passiert, wenn das Leben nicht enden will? Tw: Depression, Suizid
