Kapitel 1 - aller Anfang ist schwer.

3.7K 27 15
                                    

...das Haus wurde vollkommen niedergebrannt und bisher konnte nicht festgestellt werden, ob sich jemand noch im Haus befand. Zeugen sagen aus, sie hätten am Abend noch Kindergeschrei gehört, aber bisher...“ Weiter hörte Kora garnicht zu, während ich den Wagen durch die Straßen lenkte. Den Bericht hatte ich extra angemacht, um ihre Reaktion zu sehen, jedoch lies diese kleine Mistgöre sich durch einfach nichts aus der Ruhe bringen. Die reinste Psychopatin! Es war richtig sie dorthin zu bringen. Solche Menschen waren eine Bedrohung für die normalen und zivilisierten Leute. Sie pult jediglich akribisch an ihren Nägeln herum und verteilte die Farbkrümel auf den Sitzen. Dummes Biest. Konnte sie nicht einfach wieder einschlafen? So wie die vorherigen Stunden?

Mit einem seufzen pulte ich weiter an dem blutroten Nagellack herum, den Mutter mir wenige Tage zuvor noch lächelnd und lachend aufgetragen hatte. Das dies nur gespielt war, war mir nun bewusst, also sollte diese verräterische Farbe auch nicht weiter an mir kleben. Ob sie sich etwas bei der Farbwahl gedacht hatte, oder fand sie sie einfach nur schön? Hatte sie den 'glücklichen' Mädelsabend eigentlich gemacht, um ein paar letzte Stunden mit mir zu haben? Vielleicht dachte sie auch so wäre es einfacher für mich und wenn sie das dachte, dann hatte sie Recht. Wie sonst hätte ich einfacher mit meinem vergangenen Leben abhaken können.

Plötzlich wurde ich durch meine Gedanken unterbrochen, als mein Fahrer irgendetwas sagte. Überrascht sah ich auf. Bisher hatter er mich nur die ganze Zeit angestarrt und nichts gesagt. Seine geradezu freundlich Stimme war dazu auch noch absolut verstörend, obwohl ich den feindsehligen Unterton deutlich herraushörte.

„Was?“

„Wie bitte heißt das.“, knurrte er zuerst, dann sagte er:

„Ich meinte, dass du jetzt ruhig mal aufschauen kannst, da wir in wenigen Minuten da sind.“

Der Blick seiner merkwürdig schwarzen Augen brachte mir eine Gänsehaut auf die Arme und einen Moment war ich von riesiger Panik erfüllt. Schnell brach ich den Augenkontakt wieder ab. Es war als hätte ich durch den kurzen Blickkontakt in die Tiefe seiner Seele geblickt und dorte herrschte nichts als schwarz. Dieser Mann schien viel erlebt zu haben, um allein durch seine Augen solche finsteren Emotionen zu übermitteln. 

Energisch schüttelte ich meinen Kopf, um meine Gedanken freizubekommen und widmete mich dafür dem Anblick, der mir durch die Frontscheibe geboten wurde.

Alles was ich sehen konnte war eine Mauer. Eine große, und offensichtlich dicke, Mauer, die oben noch von Stacheldraht gezäunt wurde und sicher auch unter Strom stand. Nicht gerade Vertauenserweckend, aber ich denke dieser Eindurck soll so oder so nirgends entstehen. Vielleicht bei der Psychologin. Gab es hier überhaupt eine? Denke schon. Immerhin würde das nur einleuchten, da wir ja alle als Psychopathen gelten und somit eine Therapie benötigen.

Meine Gedanken stapelten sich erneut und ich nahm erst wieder meine Umgebung war, als eine Autotür zugeschlagen wurde und kurz darauf meine sich öffnete. Sobald ich wieder die frische Luft um mich spürte atmete ich tief durch, bevor ich aus dem Wagen stieg.

Mein Fahrer mit den finsteren Augen hatte mir verboten das Fenster zu öffnen und der Wagen hatte so nach Kotze und abgestandener Luft gestunken, dass es fast nicht auszuhalten war.

„Kora Meomie?“, fragte mich eine Frau, die so klein war, dass ich auf ihren schwarzen kurzen Haarschopf runterschauen musste.

„Ja die bin ich.“

„Ich bin Miss Ker. Nimm deinen Koffer und folge mir.“

Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und ging. Schnell öffnete ich den Kofferraum und holte meinen Koffer, damit ich ihr nachrennen konnte. Sie hatte einen schnellen Gang und war offensichtlich für den sportlichen Teil hier zuständig oder sowas ähnliches, da ihr kleine Körper nur noch aus Muskeln bestand. Kaum hatte ich sie aufgeholt, bog sie scharf ab und lief dann einige Treppen hoch, zum Eingang des Gebäudes. Automatisch schaute ich auf. Das Gebäude wirkte riesig, aber auch eisig. Die Fassade war aus glattem, grauen Stein und obwohl überall Fester waren, wirkte es düster. Fast als wäre es verlassen.

Irren ist menschlich.. (Arbeitstitel)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt