Coming Home | Diddy

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Es ist nicht viel los, alle schlafen.
Nur vereinzelt sehe ich noch die roten Rücklichter vor mir und nur manchmal blendet mich die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Wagens.

Ich blicke auf mein Nawi, das als einziges die Dunkelheit im Wagen zu bekämpfen scheint.

Aber ich fühle mich gut.
Gerne würde ich es laut schreien, so daß die ganze Welt es hören könnte.

Ich komme nach hause Leute,  ich komme nach hause.

Nie habe ich mich gleichzeitig so stark und so schwach gefühlt.

Stark, weil ich weiß, dass jeder mich vermisst hat und sich freuen wird, mich wieder zu sehen.

Schwach, weil ich ihm sagen muss, dass alles umsonst war.
Das ich vor genau einem Jahr weggegangen bin, das ich ihn verließ.
Umsonst.

Werde ich es schaffen?
Werde ich pünktlich vor Mitternacht wieder da sein und mein Versprechen einlösen?

Ich habe noch eine halbe Stunde, stelle ich mit einem Blick auf die Uhr fest.
Ich setzte den Blinker, fahre dann auf die linke Spur und trete das Gaspedal durch.

Ich muss pünktlich sein.

Im Radio läuft Hometown. Was eine Ironie des Schicksals.

Noch drei Abfahrten, dann muss ich raus.
Vielleicht schaffe ich es noch.

[Sichtwechsel]

Er wird nicht mehr kommen, das weiß ich.

Er hat es versprochen, ja , aber ein Versprechen von jemandem, der einfach für ein Jahr abhaut, ist vermutlich nicht so viel wert.

Meine Freunde hatten mich gefragt, ob ich heute mit ihnen Ausgehen will, aber ich hatte abgelehnt.

Statt dessen saß ich vor dem Computer und spielte Minecraft, wie früher.
Bloß allein.

Mein Handy klingelte und ich griff danach. Mary.

Nachdem ich ihre Fragen zum Thema 'Wilst du nicht doch mit uns auf die Party gehen' abgewimmelt hatte, legte ich wieder auf.

Oh man.
Ich sollte ihn eigentlich vergessen, er hatte mich einfach alleine gelassen.
Und wiederkommen?
Daran dachte er vermutlich nicht einmal.

Wieder ein Klingeln.
Diesmal nicht mein Handy also schlurfte ich Richtung Tür.

"Mary, ich hab dir..." begann ich, als ich die Tür öffnete stockte jedoch abrupt.

Er sah mich an, lächelte vorsichtig.
"Ich habs geschafft, Flo"

So leicht würde ich ihm nicht verzeihen.
"Das sehe ich" antwortete ich deswegen kalt.

Er bemerkte es.
"Lass mich das erklären...Bitte!"

Ich antwortete nicht, sag ihn abwartend an.

"Ich hatte mich in dich verliebt und weil ich nicht dachte, dass du auch was für mich fühlst. Also bin ich weggegangen.
Aber... Es hat nichts gebracht. Ich liebe dich Immernoch."

Das musste ein komisches Bild abgeben.
Zwei Jungen die sich im dunklen Hausflur gegenüber standen.
Einer der auf den Boden starrte und ein anderer, der ihn erst schweigend anstarrte und dann küsste.

Araflo-OneshotsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt