2. Der Plan

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Als ich aufwachte dauerte es einige Zeit bis ich wusste wo ich war. Ich schreckte hoch und stieß mir den Kopf am Briefkasten der über mir im Hauseingang lag in dem ich schlief. Meine Hände waren ganz blau und meine Füße spürte ich nicht mehr, außerdem zitterte ich am ganzen Körper. Wie lang ich wohl dort gelegen hatte? Mühsam rappelte ich mich auf und klopfte mir den Staub von den Kleidern, dann sah ich mich vorsichtig um. Ich wusste nicht wie viel Uhr es war und konnte daher nicht einschätzen wie viel Zeit vergangen war. Es dämmerte und die Autos fuhren bereits mit Licht.

Langsam lief ich zu meiner Wohnung, was sehr lange dauerte da meine bereits vom Winter steifen Glieder nun auch noch eingefroren waren. Endlich in meiner Wohnung angekommen, zog ich die klammen Sachen aus und schlüpfte in eine weite Jogginghose und einen dicken Strickpulli. Während ich Wasser für Tee und eine Wärmflasche kochte, räumte ich einige Sachen beiseite, als mir auffiel ,dass das Telefon leuchtet. Es war der Anrufbeantworter, also drückte ich auf den Knopf um die Nachricht abzuhören. Es war meine Mum:

"Hallo Ann mein Schatz! Ich habe lange nichts mehr von dir gehört. Alles gut bei dir? Möchtest du mich nicht mal wieder besuchen kommen ? Deinen Freund John kannst du gerne mitbringen. Melde dich doch bald mal wieder. Hab dich lieb. Mum"

Ich hörte gespannt zu dann nahm ich den Hörer in die Hand und wählte die Nummer meiner Eltern. Nach dem dritten klingeln hob mein Vater ab:

"Hallo Ann, schön das du dich meldest!"

"Hi Dad! Wie geht es euch?"

"Gut, Süße. Und was ist bei dir so los?"

"Naja, das Wetter und die Kälte nehmen mich ganz schön mit, aber in der Uni läuft es gut."

"Das ist schön Ann. Deine Mutter möchte dich noch einmal sprechen, ich würde mich freuen wenn du mal wieder zuhause vorbei schaust."

Dann reichte er das Telefon weiter und für kurze Zeit hört man nur ein leises rauschen und Hintergrundgemurmel bis sich meine Mutter meldet.

"Hi Süße! Ich freu mich das du gleich zurückrufst. Alles gut bei dir, Schatz?"

"Ja alles beim Alten Mum keine Sorge nur der Winter macht mir wie immer etwas zu schaffen. Aber ich komm schon damit zurecht."

"Okay. Aber sag sofort Bescheid wenn wir etwas für dich tun können! Wie geht es John?"

Ich machte eine kurze Pause, da ich nicht so recht wusste was ich auf diese Frage antworten soll, nachdem ich und John uns sehr selten sehen.

"Ich weiß nicht genau. John und ich hatten in den letzten Wochen sehr wenig Kontakt und wir sehen uns kaum noch."

"Ohje, das tut mir leid, Ann. Aber das wird schon wieder. Ich muss jetzt leider aufhören. Genieße die Zeit an der Uni und komm uns sehr bald besuchen. Bis demnächst. Küsschen"

Ehe ich mich versah hörte man das Piepsen der Leitung weil Mum schon aufgelegt hatte. Ich stellte das Telefon an seinen Platz und ging wieder in die Küche um den Tee aufzugießen. Mit der dampfenden Tasse in der Hand kuschelte ich mich unter eine Decke auf mein altes Sofa und schaltete den Fernseher ein um mal etwas zu entspannen. Aber das ging nicht, obwohl in meinem Kopf nur schwarz war konnte ich mich nicht auf den Film konzentrieren. Genervt stand ich auf und bewegte mich im unentschlossen in meiner Wohnung auf und ab, fand aber kein Ruhe.

Der nächste Versuch mich abzulenken, endete damit das ich meine Mitschriften in die Ecke warf und mein Mäppchen vom Schreibtisch fegte. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Wie kann denn der Winter mein ganzes Leben in so kurzer Zeit zerstören? Ich lies mich auf den Boden sinken und legte den Kopf auf die Knie. Einerseits war ich wahnsinnig erschöpft und niedergeschlagen, andererseits konnte ich mich immer noch nicht richtig entspannen. So kann das nicht bleiben. Mir war klar, dass ich etwas unternehmen musste gegen diesen grauenhaften Zustand und mich selbst aus diesem Loch ziehen. Allerdings kam ich da schon nicht mehr weiter, denn es gab keine Möglichkeiten diesem Schicksal zu entgehen. Zumindest hatte ich noch nie davon gehört.

Den ganzen Abend verbrachte ich damit zu recherchieren und mir Gedanken zu machen wie ich meine Situation verbessern kann. Dabei musste ich immer wieder Pausen einlegen, da ich ja kaum zum arbeiten in der Lage war und außerdem hatte ich nicht wirklich Hoffnung. Irgendwann legte ich mich ins Bett, es hatte ja doch keinen Sinn und die ganze Sachen hatte mich noch mehr erschöpft. Als ich mich gerade in meine schöne warme Decke gewickelt hatte, piepste mein Handy. Ich griff danach und sah eine Nachricht von John:

"Hey Ann! Alles gut bei dir ? Du warst ganz schön durcheinander heute in der Bibliothek und ich hab mir ziemlich Sorgen um dich gemacht. Wollen wir uns nicht mal wieder treffen? Ich vermiss dich ganz schön. Es gefällt mir gar nicht, dass wir uns so selten sehen. Bis Bald! Dein John"

Ich war sofort wieder hellwach. John bedeutete mir sehr viel, aber so hatte das ganze keine Zukunft, denn ohne Kommunikation und in dieser Stimmung würde er es niemals mit mir aushalten. Nun war ich mir ganz sicher: Ich muss eine Lösung finden, diesen Wahnsinn zu besiegen für mich, aber vor allem für meine Familie und meinen John.

Mit diesem Gedanken im Kopf schlief ich ein. Der Plan sich gegen das Leid des Sommermenschens aufzulehnen stand nun, aber dessen Umsetzung dagegen war noch sehr ungewiss.


The Day After SummerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt