Tief in meinem Innern wusste ich, dass ich nicht hier sein sollte, doch es schien als wäre ich nicht mehr Herr über meinen Körper. Es schien als würde ich in Flammen stehen. Ich beobachtete, wie der Mann mir gegenüber sich bereit machte.
„Es tut mir Leid, es scheint, als hätte ich gewonnen."
Auf einen Wink fingen die acht Raben an, um mich herum zu sausen. Je länger sie um mich herumrotierten, schienen sich wie schwarzen Fäden um mich herum zu spinnen. Das Gebilde verdichtete sich und ich wurde abgeschnitten von der Umwelt. Die leuchtenden Glyphen schienen von überall her zu leuchten. Anscheinend hatte er neue normale Karten losgeschickt, denn Karten legten sich auf meine Haut und hoben mich in die Luft. Nun war ich vollkommen in die schwarze Hülle eingesperrt, welche durch die Glyphen gespenstisch erleuchtet wurde. Ein leises Kribbeln setzte an der Oberfläche meiner Haut ein und ein Ziehen an meinem Geist, welches aber so schwach war, dass es leicht zu übersehen war. Der Mann mochte zwar einer der Stärksten Magier sein, doch hatte er wortwörtlich seine Karten verspielt, denn ihre Fähigkeit konnte seiner problemlos das Wasser reichen. Jeglicher Übergriff auf ihren Körper war nutzlos, ebenso sie auch nur mit etwas Magie verletzen zu wollen. Sie war gegen dies resistent. Ein Kribbeln waren die Anzeichen bei ihr, während andere an ihrer Stelle Höllenqualen zu durchleiden hatten oder ihre Seele die Glyphe der Knechtschaft eingeritzt wurde, wie auch den Personen, welche jetzt als Raben um sie herumschwirrten. Die Karten an meinem Körper lösten sich wieder langsam von mir und verschwanden nach draussen, während ich wieder auf den Boden sank. Mit einem Zischen löste sich die Kugel um mich herum auf, während die Raben wieder ihre Grundstellung einnahmen und ich in das leichenblasse Gesicht des Mannes schaute. Auch wenn ich gerne meinen Zorn an ihm ausgelassen hätte, wusste ich, dass ich verschwinden musste. Nicht nur, dass die anderen Wesen auf mich aufmerksam werden würden, sondern weil ich schon lange meine Grenze überschritten hatte und gegen seine Regeln verstossen hatte. Nun musste ich zurück zu diesem Ort. Ich drehte mich um und ging davon. Kurz bevor ich durch eines der grossen Fenster nach draussen sprang, drehte ich mich noch einmal um.
„Unterschätze niemals deinen Feind, oder diese Einschätzung selbst wird dein Feind. Ich hoffe, wir sehen uns nie wieder."
Grelles Licht schien mich am Morgen zu verhöhnen. Ebenso das Pochen der Beule hinten auf meinem Rücken, welches ich als Bestrafung davon getragen hatte. Doch dies war nicht das Schlimmste. Er hatte Massnahmen getroffen, da er Angst hatte, wenn ich weiter mit solchen weiten Kleidern in der Schule herumlaufen würde, mich der Magier von gestern wieder erkennen könne. Da er wie verrückt in der Gegend nach einem Jungen suchen würde, wäre es am Sinnvollsten sie in ein normal aussehendes Mädchen zu verwandeln. Ich konnte es dem Mann von gestern nicht übel nehmen, dass er mich nicht als Mädchen erkannt hatte. In unserer Art hatten Mädchen keine Gaben, so hatten wir nur männliche Mitglieder, während die weiblichen meist in Bordellen zu arbeiten hatten. Ich bereute es, mich gestern so von meiner Wut lenken gelassen zu haben, denn wenn ich gestern wie nach Befehl nach Hause gegangen wäre, könnte ich mich immer noch in meinen Klamotten tummeln. Wie Nadeln spürte ich die Blicke der Schüler und Schülerinnen. Ich fühlte mich schutzlos in meinem Trägertop mit der dünnen Kapuzenjacke und meinen Shorts. Ganz zu schweigen von meinen Sandalen, welche unangenehm wenig Halt boten mit ihrem Absatz. Eine Haarsträhne schob sich immer wieder vor mein Auge und das ewige hin- und herschaukeln der Ohrringe verbesserte mein Stresslevel auch nicht gerade. Wäre ich gestern doch bloss einmal gehorsam gewesen. Doch der Rest hatte mir der Lipgloss gegeben. ich fühlte mich wie in dem Buch Andorra von Max Frisch, in der die Stadt weiss und lieblich geweisselt wird, doch wenn der Regen kommt, zeigt sich das wahre Gesicht dahinter. Je näher ich der Schule kam, umso lauter wurden Stimmen in meinem Innern, welche mich zum Umkehren verführen wollten. ich zog den Reisverschluss meiner Jacke soweit es ging hoch, doch die Kapuze zog ich nicht über meinen Kopf, ein explizierter Wunsch von der Bulldogge. Ich stellte mir vor, dass dies alles bloss ein Auftrag war und ich mitspielen musste, da ich von dem Feind umkreist war. Ich spürte jeden einzelnen Blick, den man mir zuwarf, hörte jedes Geflüster, welcher Gesprächsstoff ich war. Zum Glück hatte er nicht vorgeschrieben, wie ich mich zu verhalten hatte. So hielt ich mich die Leute von der Kehle durch unterkühlte Blicke. In der Mittagspause hielt ich die Blicke nicht mehr aus. Ich flüchtete nach draussen, doch auch dort fühlte ich mich beobachtet. Ich beruhigte mich und betrat meine Welt, doch wurde jäh wieder rausgerissen. Jemand stand vor mir und legte somit meinen Platz in Schatten. Als ich hochsah, wurde mir schlecht. Das mit dem Kuss war ja erst gestern passiert und er schrieb sich und seinen Künsten wahrscheinlich mein umstylen zu. Umso mehr überraschte mich, was er dann zu mir sagte.
„Hey, ich bin Bradian, aus der Dritten. Ich hab dich vorher noch nie hier gesehen, neu hier was?"
Mit viel Beherrschung entstand ein freundliches Lächeln auf meinem Gesicht und unterdrückte meinen Reiz lauthals loszulachen. Dass er hier allein aufgetaucht war, konnte nur bedeuten, dass er mich für interessant genug empfand, seine Gruppe sitzen zu lassen. Vergnügt nahm ich dieses Spiel an.
„Hey, nett dich kennen zu lernen. Danke vielmals, du bist einer der ersten Personen, welche mich anspricht. Ich wirke vielleicht etwas komisch." Ich fügte extra einen Klang Unsicherheit hinzu.
Er setzte sich neben mich und beteuerte zugleich das Gegenteil. Sein Vorhaben schien nur zu klar zu sein: Das neue Mädchen sich einzuverleiben wie schon unzählige vorherige, soweit die Gerüchte stimmten. So spielte ich das leichtgläubige Mädchen mit. Als es läutete, standen wir auf, doch kurz bevor wir das Gebäude wieder erreicht hatten, hielt er mich an und versuchte mich zu küssen. Ich jedoch wich geschickt aus und zog ihn an seinem Nacken näher zu mir, sodass mein Mund direkt neben seinem Ohr war.
„Das war die Rache für gestern. Du wirst mir nie meinen ersten Kuss stehlen können, Arschloch."
Befreit drehte ich mich um und liess den Jungen hinter mir stehen. Einen Teil meiner Wut von gestern hatte ich nun freigeben können. Ich hatte wahrscheinlich mir gerade eine der mächtigsten Highschoolgruppen zu meinem Feind gemacht, doch schlimmer als in solchen Klamotten rumzurennen, konnte es ja nicht mehr werden.
In den nächsten Tagen wurde es erträglicher zur Schule zu gehen. Ich kam immer besser mit der Vorstellung klar, in meine Rolle als typisches Mädchen zu schlüpfen, auch wenn ich weiterhin mit unterkühlten Augen alle von mir fernhielt. Ich lächelte viel und tat so, als würde ich in der Stunde zuhören, während ich in Wirklichkeit in meiner eigenen Welt etwas freies Leben zurückholte, welches mir genommen worden war. Die Gruppe von Bradian hielt sich im Hintergrund, doch ich traute ihnen nicht über den Weg. Er behielt mich seit dem Abend zuhause und sagte, ich würde erst wieder Aufträge bekommen, wenn sich alles etwas gesetzt hätte. Umso schlimmer wurden meine Nächte, in denen ich jeden einzelnen Moment noch einmal durchleben musste, wenn ich wieder einmal in einem dieser Lager aufgeräumt hatte. Gesichter, welche mich vorwurfsvoll anstarrten, wie sie im letzten Atemzug mich verwünschten und wie ihr Blut meine Kleider tränkt. Wie ich nach jedem Auftrag mein Zeichen hinterliess, welches wie ein Brandzeichen ewig auf den Moment des Schmerzes weist.
Ich wusste, dass der Tag der Abrechnung kommen würde. Auch wenn ich Bradian nicht kannte, wusste ich, dass ich seinen Stolz stark verletzt hatte und er das nicht auf sich sitzen lassen würde. Sie fingen mich in der Mittagspause ab, als ich mir draussen ein Platz für mich selber finden wollte. Ich wehrte mich nicht, als sie mich mitzerrten. Schlimmer als meine Alpträume in der Nacht und dieser hier in der Schule konnte es nicht werden und sonst hatte ich immer noch meine Welt. Auf der Rückseite des Gebäudes blieben sie dann endlich stehen. Bradian stand schon dort, von den Mädchen schien er nicht mitgenommen zu haben. Er kam auf mich zu und hob mein Kinn. Gleichgültig schaute ich ihm in die Augen. Schliesslich brach er den Augenkontakt ab und liess mich los.
„Also, was willst du von mir? Willst du dich an mir rächen, weil ich deinen Stolz gekränkt habe?"
Erwischt. Sein Gesichtsausdruck wechselte für einen ganz kleinen Moment den Ausdruck, als hätte er in eine saure Limone gebissen. Ich lachte laut auf. Ich wusste nicht, weshalb ich es jedes Mal darauf anlegte, ihn herauszufordern. Wut zeichnete sich auf Bradians Zügen ab und er kam drohend auf mich zu, doch plötzlich blieb er stehen. In der Stille hörte man, wie jemand in unsere Richtung angerannt kam und anscheinend würde es Ärger für ihn geben, wenn uns dieser Jemand sehen würde.
„Los, verschwinde von hier und halte ja deine Zunge in Zaum."
„Gut dann wären wir somit quitt, es steht keine Rechnung mehr offen. „
„Ja und nun verschwinde endlich!" Grinsend huschte ich zurück zur Schule in den Unterricht und danach an diesen Ort, der nach langer Zeit wieder einen Auftrag für mich hatte.
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Blinded: Rache von Feuer und Wind
FantasyDie Welt ist nicht so, wie sie scheint. Hinter der Scheinfassade herrscht ein Kampf zwischen den Magiern und der Sekte der Köter. Während die Magier verzweifelt versuchen zu überleben, gewinnen die Köter immer mehr an Macht. In den Wirren dieses Bür...
