Ein Lachen, welches ich unter Millionen erkennen würde. Ich rannte los und kam auf den Schulhof, wo gerade eine Szene zu starten anfing, mitten drin das Mädchen, mit dem Bradian die ganze Zeit zusammen war. Ich wollte zwar helfen, hatte aber keine Zeit, da hier irgendwo dieser Junge war.
„Unterschätze niemals deinen Feind, oder diese Einschätzung selbst wird dein Feind."
Wie ein Fausthieb in den Magen drehte ich mich zu diesem Mädchen um. Die Worte, welche schon mir gesagt worden waren, waren ganz eindeutig über ihre Lippen gekommen. Als ich sie genauer ansah, sah ich ihn in ihr. Die ganze Haltung und Körperform versetzte mich zurück zu den Kämpfen. Als würde mich jemand anderer steuern, ging ich auf sie zu. Sie bemerkte mcih erst, als Bradian zu uns stiess. Seine Stimme, liess sie herumfahren. Ihr Gesichtsausdruck wechselte von erkennen, Schmerz, Schock und Panik ab. Schliesslich wandte sie sich ab und rannte weg. Als ich ihr hinterherhetzen wollte, riss mich Bradian herum.
„Was ist mit dir los, Kirian? Lass gefälligst Yuki in Ruhe!"
Ich schüttelte den Kopf, ich hatte keine Zeit sanft zu sein.
„Du begreifst nicht, sie ist die Marionette. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, nun lass mich los."
Mein Bruder sah so aus, als hätte er einen Schlag ins Gesicht gekriegt. Er wusste, dass ich über solche Sachen nicht scherzte. Mit leerem Blick ging er zu unserem Wagen und setzte sich auf den Beifahrersitz. Es schien, als wäre mein Bruder nicht wirklich hier und als hätte ihn dies wirklich verwundet. Ich startete den Wagen und liess mich durch die eine Karte, welche ich an sie drangehaftet hatte führen. Ein Blick auf die Seite liess mich nichts gutes ahnen. Ich brummte. Ausgerechnet ein Köter muss sein allererster ernst gemeinter Kontakt sein, welcher so schmerzhaft zu Bruch geht, echt ätzend.
Ich wunderte mich nicht, sie an einem solchen Ort zu finden. Fernab des normalen verkehrs war dieser Friedhof friedlich aber auch einsam. Nach wenigen Augenblicken entdeckte ich sie unter der Trauerweide und sah die spitze kurze Zeit später. Blitzschnell zückte ich eine Karte und warf sie in ihre Richtung. Kurz bevor sie sich die Pulsader aufschneiden konnte, erreichte mein Rabe sie und entriss ihr die Nadel. Ihr verzweifelter Schrei ging mir durch Mark und Bein und sie sah aus, als wären all ihre Lebensenergie verloren gegangen. Doch plötzlich veränderte sich Yuki und mit ihr der Ort selbst. Plötzlich war da keine Traurigkeit mehr, kein Schmerz. Voller inneren Frieden richtete sie sich auf und kam langsam auf mich zu. Sie streckte mir ihre Handgelenke hin und wartete, völlig im Gleichklang mit sich und der Welt. Sie zuckte nicht einmal zusammen, als sich meine Karten über ihrer Haut zu einer Fessel bildeten. Wortlos zog ich sie zum Van, jeden Moment Gegenwehr erwartend, doch nichts geschah. Auch als sie im Wagen war, machte sie keine Anstalten sich zu befreien. Wusste sie nicht, was mit ihr geschehen würde? Ich beantwortete mir selbst die Frage. Sie hatte mit sich und dem Leben abgeschlossen und ging nun würdevoll in den Tod. Auch wenn es dumm von mir war, stieg meine Achtung vor diesem Mädchen wieder ein bisschen an.
Sobald wir das Quartier erreicht hatten, sprang mein Bruder aus dem Van, ohne sich noch einmal umzusehen. Ich schaute ihm mitfühlend nach, doch ich hatte andere Prioritäten. Mein Rabe mit der Nachricht war vor einigen Augenblicken angekommen und die Oberhäupter erwarteten uns bereits, so hatte es mir Sezal übertragen. Als wir das Zelt erreichten, überraschte mcih Yuki ein weiteres Mal. Sie sprach die drei Oberhäupter beim Namen als Begrüssung an. Als die Blicke von ihnen mich streifte, zuckte ich mit den Achseln, von mir hatte sie die namen nicht. Schliesslich begann die Befragung. Ich flehte für sie persönlich, dass sie antworten möge. Doch der Schock, als sie einfach ruhig wieder aus einer Ilusion auftauchte war gross. Und dann fing sie an sachlich an zu erzählen. An einem Punkt stutzte ich. Ihr Codename war Jeanne, doch mein Bruder nannte sie Yuki, wie nur die Nahestehenden unter den Kötern sie so nannten. Konnte es sein, dass sie die Freundschaft mit Bradian ernst gemeint hatte? Ich verfiel in Schweigen. Als alle Fragen gestellt wurden, stand sie eifnach auf und sah mich an mit dem Befehl zu gehen. Ich schaute noch einmal zu den drei Führer. Alle drei nickten. Ich schluckte schwer, denn dies war ein grausamer Tod. Ich führte sie schweigend ans Ende der Zeltansammlung. Heimlich beobachtete ich sie und fragte mich, was in ihrem Kopf vor sich gehen mag. ich sah in ihr keinen Köter, sondern ein armes Mädchen, welches nie wirkich gelebt hatte und viel zu früh in den Tod gehen muss. Gefasst ging sie auf den Pfahl zu und beschloss schliesslich selbst ihr Schicksal durch die Handschellen zu besiegeln. Um nicht auf falsche Gedanken zu kommen, drehte ich mich leise um und ging traurig weg.
„Du warst ein interessanter Gegner und obwohl ich dihc besiegt habe, bin ich es nun, die am Pfahle hängt, ironisch oder?"
Ihr Lacheln wirkte gespenstisch in dieser ruhigen Gegend und doch musste ich über diese Denkweise lächeln.
„Kannst du mir aber noch einen Gefallen tun? Sag deinem Bruder, dass er mir zwar nicht meinen ersten Kuss stehlen konnte, doch meine erste Freundschaft und für dies meinen Dank. Ach und das er sich verdammt noch mal diese Masche mit dem besorgt sein einprägen soll, denn die wickelt echt gut ein. Und er soll seine Groupies in den Griff kriegen." Ihre Stimme war sanft und sie klang viel glücklicher, wie noch bei unserem letztem Kampf.
Sie hatte meinem Bruder nichts vorgespielt, sonst wären dies nicht ihr letzten Worte. Meine Achtung vor ihr stieg noch höher an. Auch wenn es meinen Bruder verletzten wird, werde ich es ihm sagen, sie hat es verdient, dass ihre letzten glücklichen Worte übertragt werden. Als ich zurückblickte waren ihre Augen geschlossen. Ich prägte mir sie ein, sie, die uns alle so genarrt hatte und sich selber belogen hat.
Ich wusste, wo ich Bradian auffinden würde. Auf dem kleinem Kampfplatz zerlegte er Puppe nach Puppe, doch seine Bewegungen waren stockend und verbissen. Er kämpfte weiter, als hätte er mcih nicht bemerkt und ich blieb schweigend stehen.
„Was willst du?"
„Einen Gefallen einlösen."
Ich überbrachte ihm die Nachricht. Seine grünen Augen blickten durch mich hindurch.
„Ist es schon durch?" Seine Stimme traf mich wie einen Fausschlag.
Anscheinend hatten die Worte für ihn einen tieferen Sinn gehabt.
„Es fängt wahrscheinlich jeden Moment an."
Wir beide waren in Gedanken und ich spürte den leisen, geheimen Zweiklang unserer Herzen, die wegen einem Krieg etwas gehen lassen mussten, was sie so gerne behalten hätten.
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Blinded: Rache von Feuer und Wind
FantasiDie Welt ist nicht so, wie sie scheint. Hinter der Scheinfassade herrscht ein Kampf zwischen den Magiern und der Sekte der Köter. Während die Magier verzweifelt versuchen zu überleben, gewinnen die Köter immer mehr an Macht. In den Wirren dieses Bür...
