Zauberlektion und unheimlicher Lehrer

2.4K 105 12
                                        

Hier stand ich also – vor Tür 202. Mein Herz klopfte wie verrückt, als ich anklopfte. Es dauerte keine zehn Sekunden, bis die Tür aufschwang und ein Mädchen mit langen, hellblauen Haaren vor mir stand.

„Hey! Du musst Leonie sein, meine neue Mitbewohnerin!", begrüßte sie mich mit einem breiten Lächeln.
Ich nickte nur, trat ein – und ließ meinen Blick durch das Zimmer wandern. Mein Koffer lag bereits auf dem Bett neben dem Fenster. Ohne lange zu zögern, steuerte ich darauf zu – und das erste, wonach ich suchte, war mein Skateboard.

Panik stieg in mir auf. Ich wühlte hektisch im Koffer, unter dem Bett – nichts. Erst als ich die Tasche hob, blitzte das vertraute Deck darunter hervor. Mir fiel ein Stein vom Herzen.

„Ich bin übrigens Loreen", sagte das blauhaarige Mädchen neben mir.
„Freut mich, dich kennenzulernen", murmelte ich und streckte ihr die Hand hin. Sie ergriff sie sofort.
„Ist es okay, wenn du das Bett am Fenster nimmst?"
„Klar", sagte ich, ließ mich auf mein neues Bett fallen und musterte Loreen.

Sie sah cool aus – ihre hellblauen Haare waren ein echter Hingucker, genauso wie ihre riesigen, leicht geschminkten Kulleraugen. Ihr schwarzes, zerrissenes Top und die Hotpants passten perfekt zu meinem Stil. Endlich mal jemand mit Geschmack!

„Wie lange bist du schon hier am Internat?" fragte ich.
Sie hüpfte grinsend auf mein Bett. „Heute angekommen – genau wie du, oder?"
Ich nickte und seufzte. Plötzlich zuckte ich zusammen.

„Oh Mist! Ich hab meinen Begleiter vergessen!" rief ich und sprang auf. Die Tür riss ich auf – und da saß er. Mein Fuchs. Schwanzwedelnd, mit hochgestellten Ohren und einem leicht beleidigten Blick.
„Es tut mir so leid", flüsterte ich und hob ihn vorsichtig hoch.

„Wow! Ist das dein Begleiter?" fragte Loreen mit leuchtenden Augen.
„Äh ... ja."
„Wie heißt er?"
„Noch gar nicht ...", gab ich verlegen zu.
„Was?! Dann wird's aber Zeit!"
Ich dachte nach. Aber mir fiel einfach nichts ein.

„Wie wär's mit Kasper?"
Ich verzog das Gesicht.
„Skroy", sagte ich plötzlich.
„Skroy? Was soll das sein?"
„Keine Ahnung, kam mir einfach so in den Kopf."

Sie grinste. „Skroy – willkommen im Club. Willst du Maximus kennenlernen?"
Der Fuchs jaulte zustimmend. Loreen öffnete die Balkontür und rief in die Dunkelheit:
„Maxii!"

Ich bemerkte erst jetzt, wie schwarz die Nacht war. Doch dann hüpfte etwas Kleines aus dem Schatten – ein Eichhörnchen. Es sprang auf das Balkongeländer, dann auf Loreens Schulter.
„Darf ich vorstellen: Maximus."

„Awww, wie süß", piepste ich, streckte die Hand aus – doch Maximus wich zurück.
Etwas enttäuscht ließ ich mich wieder aufs Bett fallen.

Wir quatschten noch eine Weile über dies und das, dann wurde das Licht gelöscht. Morgen würde unser erster Unterricht in der Welt der Zauberei beginnen.

Genervt öffnete ich die Augen. Wo war dieser verdammte Wecker?!
„Loreen? Bist du wach?"
„Nein ... aber bitte mach dieses nervige Piepen aus", murmelte sie.
Im nächsten Moment: Stille.

„Danke."
„Ich war das nicht?"
Loreen riss plötzlich die Augen auf und rannte ins Bad.
„Wie spät ist es?!" rief sie durch die Tür.
„Sieben Uhr."
„AHHH! Ich hab nur noch eine Stunde!"

Ich drehte mich zurück ins Bett. Aber kaum hatte ich mich wieder eingekuschelt:
Piiip. Piiip. Piiip.

„Was soll der Scheiß?!"
Ich setzte mich auf, schaute mich um – und entdeckte in der Zimmerecke einen schwarzen Punkt an der Wand. Ich stellte mich auf das Tischchen und streckte die Hand aus – da ging die Tür auf.

„Was machst du da?" Loreen schaute mich verwirrt an.
„Ich umarme den Boden, weil ich ihn so liebe", knurrte ich sarkastisch.
„Badezimmer ist frei." Sie lächelte und verschwand.

Mit schmerzendem Handgelenk stolperte ich ins Bad. Schlimmer konnte der Tag echt nicht anfangen.

Duschen. Föhnen. Anziehen. Fertig.

„Leonie? In zehn Minuten beginnt der Unterricht!"
„Geh schon mal vor! Ich komme nach!"
Die Tür fiel zu. Ich seufzte, trat aus dem Bad – und suchte meinen Stundenplan.

„Wo ist dieses verdammte Ding?!"

Da sah ich ihn: Skroy. Auf meinem Skateboard. Mit dem Stundenplan im Maul.

„Braver Junge! Und jetzt ... führ mich zum Unterricht!"

Er sprang vom Board, nickte und rannte los. Ich schnappte mir mein Board und fuhr ihm hinterher.

„Nicht so schnell, Skroy! Ich kann nicht so gut abbiegen!"

Zu spät. Skroy stoppte – ich nicht.
„AUS DEM WEG!"
Ich landete kopfüber in einem riesigen Blumentopf.

„Alles okay?" Ein braunhaariger Junge reichte mir die Hand. Ich ergriff sie.
„Ja ... denke schon."
Er zog mich mühelos hoch.
„Danke."

„Leonie!", rief Loreen und rannte auf mich zu.
„Alles gut", sagte ich und grinste. „Nur ein kleiner Sturz."
„Du warst kopfüber in einem Blumentopf."
„Ist halt mein Ding."

„Ich bin übrigens Riley", stellte sich der Junge vor.
„Loreen. Und der Vogel hier ist Leonie."
„Hey! Ich bin kein Vogel!" Ich boxte sie leicht gegen den Arm.

„Oh, der Lehrer kommt!" Loreen zog mich an einen Tisch ganz hinten.
„Ich bin so aufgeregt!"
Ich lächelte sie an und ließ meinen Blick schweifen.

Wenige Schüler. Wenig Lärm. Und dann – kam er.

„So, meine Lieben! Ich bin Mr. Hibblings – euer Lehrer für Zauberei. Da ich euch bereits kenne, spart euch das Vorstellen!"

Er brüllte fast. Ich verzog das Gesicht. Musste der so laut sein?

Sein Blick wanderte durch den Raum – und blieb an mir hängen.

„Wenn er mich noch länger so anstarrt, wink ich gleich", flüsterte ich Loreen zu.
Sie kicherte.
Und Mr. Hibblings? Der lächelte. Gruselig.

„Fangen wir mit einem einfachen Zauber an. Du – nach vorn", sagte er und zeigte auf Riley.

Feen, Hexen? Was noch Einhörner? Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt