Wo ist die Kamera?

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Ich stand mit meiner besten Freundin Joana am Schultor. Die Sonne brannte uns erbarmungslos auf den Kopf.
„Wie heiß ist es bitte? Ich schwitze wie ein Schwein", stöhnte sie genervt.
„Wir hatten Sport. Da ist Schwitzen normal", erwiderte ich schulterzuckend.
„Du hast gut reden. Bei dir sieht man nie einen Schweißtropfen!"

Heute war es wirklich unerträglich heiß, deshalb hatte unser Lehrer entschieden, den Sportunterricht draußen stattfinden zu lassen – Joanas absoluter Albtraum. Ich schmunzelte, setzte meine Sonnenbrille auf und sah sie über den Rand hinweg an.
„Na dann, ich muss los. Wenn ich nicht pünktlich zu Hause bin, gibt's wieder Stress."

Wir umarmten uns, ich drückte ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange und ließ mein Skateboard klackend auf den Boden knallen.
„Bis morgen!"

Seit mein Bruder mir das Skaten beigebracht hatte, war mein Board mein treuester Begleiter – perfekt für den kurzen Weg zur Schule. Ich stöpselte mir die Kopfhörer in die Ohren, ließ die Musik durch mich fluten und rollte los.

Zuhause warf ich die Tür hinter mir ins Schloss.
„Bin da!", rief ich ins Haus – wie immer.

Die Schuhe flogen in die Ecke, mein Board stellte ich vorsichtig an die Wand.
„Was gibt's zu essen?", fragte ich, während ich mich auf den Stuhl plumpsen ließ.
„Gurkensalat mit Teigwaren", antwortete meine Mutter.
Ich nickte, lehnte mich zurück und blickte aus dem Fenster. Draußen stieg mein Vater gerade aus dem Auto, wie immer mit dem Handy am Ohr.

„Na, wie geht's meiner Prinzessin?", rief er mir zu.
„Der Prinzessin geht's hervorragend", grinste ich, sprang auf und stellte mich vor meinen Bruder.
„Aber nenn mich bitte nie wieder so!"

Er schüttelte nur lachend den Kopf und half Mom beim Tischdecken. Kurz darauf kam Dad mit einem fetten Grinsen in die Küche.
„Hey, mein Schatz."
Er küsste meine Mom, wuschelte Josh durchs Haar und drückte mir einen Kuss auf die Stirn.

Ich liebte meine Familie. Wir konnten uns alles sagen. Vertrauen, Ehrlichkeit, Chaos – so sollte es sein.

Nach dem Essen stürmte ich in mein Zimmer und versuchte, Joana anzurufen. Keine Antwort.
„Warum gehst du nicht ran, Joana?", murmelte ich genervt und ließ mein Handy aufs Bett fallen.

Ein Klopfen an der Tür riss mich aus meinem Frust.
„Ja?"

Josh steckte den Kopf rein.
„Hast du was vor?"
Ich schüttelte den Kopf und setzte mich auf.
„Lust auf Skaten?"
„Na klar! Gib mir fünf Minuten."

Er grinste und verschwand. Ich kämmte mir im Bad die Haare, zog schwarze Hotpants an und checkte im Türspiegel mein Outfit.
„Fast vergessen", murmelte ich und schnappte mir mein Cap. Dann sprintete ich die Treppe runter.

„Das waren eher sieben Minuten!", grinste Josh.
„Wo wollt ihr hin?", fragte Mom.
„Skaten."
„Seid um Punkt 16 Uhr wieder hier."
„Versprochen", sagte Josh und wir rauschten los.

„Sag mal, warum müssen wir eigentlich so früh zurück?", fragte ich unterwegs.
„Keine Ahnung", antwortete Josh und zuckte mit den Schultern.

Am Skatepark warteten schon unsere Leute – Kev, Luke, Rony, Jessica und natürlich Josh. Alle wurden begrüßt, ich umarmte jeden, außer Jessica. Sie war nur hier, weil sie Rony datete – Skateboard war so gar nicht ihr Ding.

„Leo, du fährst bald besser als Kevin!", rief Luke lachend.
Ich grinste und warf einen Blick zu Josh, der neben Kev lehnte, cool wie immer.

Nach ein paar Runden und Tricks flüsterte ich Josh zu:
„Wir sollten langsam los."
Er nickte sofort.
„Bis morgen, Leute!"

Wir verabschiedeten uns und rollten heim.
„Wir sind zu Hause!", riefen wir im Chor, kaum dass die Tür ins Schloss fiel.

„Ihr könnt das auch im Duett singen", lachte Dad und schlenderte ins Wohnzimmer.
„Da seid ihr ja endlich", sagte Mom, einen Blick auf die Uhr werfend.
„Wir sind drei Minuten zu früh!", grinste ich.

„Gleich kommt Besuch. Und ich will, dass ihr euch benehmt."
„Wann haben wir uns je danebenbenommen?", fragte Josh gespielt empört.
„Letzten Donnerstag?"

Ach ja. Da war die Torte. Ich hatte ein Stück auf dem Löffel balanciert und – aus purer Langeweile – mit einem Schlag auf dem Löffelende katapultiert. Das Stück landete zielsicher im Haar der Nachbarin. Ich hatte Tränen gelacht. Sie nicht.

„Ihr müsst zugeben, die Torte war ekelhaft", meinte ich.
Mom sah mich warnend an.
„Okay, ich benehme mich. Versprochen."

Josh hatte sich längst verdrückt. Ich versuchte erneut, Joana anzurufen, doch die Türklingel kam mir zuvor.
„Mom? Dad? Es hat geklingelt!"
„Ich geh schon!", rief Mom.
„Josh, Leo, runterkommen!"

Ich stolperte die Treppe runter – und blieb wie angewurzelt stehen. Auf dem Sofa saß eine Fremde. Braune, leicht gewellte Haare mit grauem Ansatz, dunkle Augen – und dieser seltsame Ring. Eine große blaue Kugel funkelte auf ihrem Finger.

„Guten Tag. Du musst Leonie sein", sagte sie mit warmer Stimme.
Ich nickte und schüttelte vorsichtig ihre Hand.

Josh kam dazu, genauso verwirrt wie ich.
„Also ...", begann Mom, „ihr fragt euch bestimmt, warum Mrs. Quella uns besucht."
Wir nickten.

„Was eure Eltern sagen wollen", unterbrach die Fremde, „ist, dass ihr beide magische Kräfte besitzt – seit eurer Geburt."

Ich starrte sie an.
„Was?" Ich lachte ungläubig. „Ist das ein Scherz? Wo ist die Kamera?"

Ich sprang auf, suchte hysterisch hinter Pflanzen, unter dem Tisch.
„Mäuschen, es gibt keine Kamera", sagte Mom sanft.
„Setz dich", befahl Mrs. Quella ruhig.

Ich funkelte sie an.
„Was passiert hier?!"

Plötzlich hob es mich vom Boden – ich schwebte! Wie ferngesteuert landete ich auf dem Sofa.
„Geht doch", sagte Mrs. Quella zufrieden.
„Also. Wie gesagt: Du bist eine Hexe. Josh ein Zauberer. Und ab heute kommt ihr mit mir nach Witch's Corner – ein Internat für Magiebegabte."

Mir kippte fast der Kiefer runter.
„Packt eure Sachen. Ich erwarte euch in einer Stunde. Und ... das hier bleibt unser Geheimnis."

Sie sah mich dabei eindringlich an. Josh nickte und verschwand nach oben. Ich blieb wie betäubt zurück, sah zu meinen Eltern – die nur stumm nickten.

Enttäuscht verließ ich das Zimmer.
In meinem Zimmer schmiss ich wahllos Klamotten in den Koffer, packte mein Handy, den Laptop, ein paar Kleinigkeiten – und das Bild von Joana und mir.

Unten wartete Josh schon.
„Wie kannst du dabei lächeln?!", fauchte ich ihn.

Er zuckte mit den Schultern.
„Vielleicht ist's gar nicht so übel."

Mrs. Quella sah uns prüfend an.
„Bereit?"
Wir nickten.

Josh umarmte unsere Eltern. Ich blieb kurz stehen.
„Und ich dachte, wir hätten keine Geheimnisse", sagte ich leise.
„Es tut uns leid, Leo. Wir durften es nicht sagen."
Ich atmete tief ein, umarmte sie dann doch.

„Sagt Joana, dass es mir leidtut, dass ich mich nicht verabschieden konnte."

Ich drehte mich um –
„Wartet! Ich hab was vergessen."

Ich sprintete nach oben, schnappte mein Skateboard.
Dann ging's los.

Draußen stand ein weißes ... schwebendes Auto?
Ich blinzelte.

„Josh?! Siehst du das auch?"
Er nickte langsam.

„Keine Sorge", sagte Mrs. Quella. „Nur Zauberwesen können es sehen."
Ein Chauffeur lud unser Gepäck ein.

Und so begann ein Abenteuer, in das ich nie hineingewollt hatte.

Feen, Hexen? Was noch Einhörner? Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt