7. A night like this

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In der Woche darauf meldet er sich nicht. Ich beginne, hysterisch  zu werden. Mehrere Male krame ich den Zettel mit seiner Handynummer aus  der Tasche, doch stecke ihn wieder weg. Vielleicht bin ich zu stolz, ihn  anzurufen.
Ich kauere mich in meinen Sessel und warte, dass er sich  meldet. Doch auch vier Tage später - nichts. Mein Handy lasse ich nicht  aus den Augen, sogar beim Schlafen liegt es neben meinem Kopfkissen. 
Nach zwei weiteren Wochen reicht es mir. Die Hälfte der Zeit ist  abgelaufen, ich habe nun noch einen Monat Zeit, um das Manuskript zu  schreiben. Ich krame erneut seine Nummer hervor und tippe sie hastig in  mein Handy. Ich komme mir völlig blöd vor, es ist nicht meine Art,  Männern hinterher zu laufen. Doch ich überwinde meinen Stolz und lausche  dem Tuten, das in gleichmäßigen Abständen ertönt. Nervös kaue ich an  meinen Fingernägeln. Das Tuten macht mich wahnsinnig. Bin ich verrückt  geworden? Ich muss zugeben, die Einsamkeit in den letzten Woche hat mir  zu schaffen gemacht. Ich bin kaum draußen gewesen, nur um einzukaufen  und die wichtigsten Sachen zu erledigen. Mir wird klar, dass ich mich  wie eine Verrückte verhalten habe.
Ist das Buch wirklich so wichtig?  Was, wenn ich mir einfach einen anderen Job suche? Ich schüttele den Kopf. Ich habe nichts Vernünftiges gelernt. Schreiben ist das Einzige,  was ich richtig gut kann. Naja, im Moment noch nicht einmal das...

Ich erschrecke, als ich plötzlich eine Stimme höre.

„Hallo?" Er ist dran gegangen!

„Patrick? Hier ist Amy."

„Oh, hallo Amy. Wie gehts dir?"

Innerlich lache ich hysterisch. Es geht mir verdammt noch mal scheiße!  Und zwar wegen dir, Patrick!, hätte ich am liebsten in den Hörer  gebrüllt, doch ich reiße mich zusammen.

„Gut", sage ich nur und spüre einen Kloß im Hals.

„Schön", höre ich Patrick sagen. Ich warte eine Weile, dass er  weiterredet, doch er tut es nicht. Dann wird mir bewusst, dass ich  diejenige bin, die angerufen hat.

„Bist du noch in London?", bringe ich mit krächzender Stimme heraus.  Meine Hände sind so schwitzig, dass ich kaum das Telefon halten kann.

„Ja."

Ja?? Im ersten Moment macht mein Herz Luftsprünge, doch dann wird  mir klar, dass er sich die ganze Zeit hätte melden können. Warum hat er  es nicht getan? Weil er nicht an dir interessiert ist, spottet mein  Unterbewusstsein.

„Du hast dich nicht gemeldet." Ich bemühe mich, beleidigt zu klingen, doch das Zittern in meiner Stimme ist kaum überhörbar.

„Ja, ich weiß", sagt er jetzt. Ich ziehe die Augenbrauen hoch. Er weiß! Also bin ich ihm wirklich scheißegal.

„Gut. Vielen Dank für das Gespräch." Jetzt bin ich wirklich beleidigt,  und verletzt noch dazu. Hatte er mir nicht versprochen, mich anzurufen?

„Amy? Was meinst du?", fragt er jetzt, und ich höre leichte Angst in seiner Stimme.

„Du hast versprochen, dass du dich meldest! Ich habe vier Wochen gewartet, vier verdammte Wochen!"

Im nächsten Moment bereue ich, das gesagt zu haben. Jetzt weiß er, dass ich auf ihn gewartet habe.

„Tut mir leid, Amy", sagt er leise, „ich habe das total vergessen."

Vergessen? Jetzt lache ich laut in das Telefon hinein und komme mir  total blöd vor. Warum legst du nicht einfach auf? Er hat dich vergessen,  da kannst du mal sehen, wie unwichtig du ihm bist.

„Genau, du warst ja die ganze Zeit mit deiner Tussi beschäftigt", sage ich eingeschnappt.
Ich höre, wie Patrick am anderen Ende tief Luft holt.
„Amy, wovon redest du?"

AmelieWo Geschichten leben. Entdecke jetzt