- Zion -
Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich einmal schwer verletzt in einer Höhle liegen würde. Dabei müsste ich mir darüber wohl keine Sorgen machen. Auch, wenn meine Verletzungen nicht gerade berauschend sind. Meinen rechten Arm kann ich nicht mehr bewegen und die klaffende Wunde an meiner Brust blutet nicht nur wie verrückt, sondern schmerzt mindestens genauso sehr.
»Yasha.. Die... Sonne.«, keuche ich und versuche mich aufzusetzen, aber Yasha hält mich davon ab.
Mit einer flüssigen Handbewegung von ihm sehe ich, wie wenig später ein kleines Gebüsch am Höhleneingang wächst, sodass nicht ein Sonnenstrahl hindurch dringt.
»Bleib liegen.«, herrscht er mich streng an.
Mir fehlt die Kraft, mich dagegen zu wehren und tue wie mir geheißen. Mein Kopf bettet auf einem großen Stein, bedeckt mit Yashas Gehrock, während ebendieser einen Stein zum Leuchten bringt. Ich kneife die Augen ein wenig zusammen und zische laut.
»Zu hell?«, fragt er und das Leuchten ist wenig später nicht mehr allzu stechend in meinen Augen.
Ich höre Yasha den Stein beiseite legen, bevor ich seine Hände auf meiner Brust spüre.
»Ich kann nur dafür sorgen, dass du kein Blut mehr verlierst. Alles andere musst du selber schaffen.«
Ich schaffe es noch zu nicken, bevor ich diese angenehme und sehr ungewohnte Wärme in meiner Brust spüre. Natürlich weiß ich, dass ich es selber schaffe, die Wunde zu verschließen. Von meinen Regenerationsfähigkeiten können andere nur träumen. Dennoch dämmere ich weg, als mich diese Wärme einschließt und seufze einige Male.
Gestern noch sind Yasha und ich von unserem Ausritt zurück gekehrt. Es war wieder ein Auftrag des Königs, auch wenn er nun nicht mehr ist. Wir waren fünf Tage unterwegs und das nicht zum ersten Mal. Unser erster Ausritt vor drei Jahren entpuppte sich als reinste Katastrophe. Dabei hätten wir nur mit jemandem reden müssen. Aber der werte König hatte uns verschwiegen, dass es sich bei diesem jemand um einen Vampir-Baron handelte. Womöglich hätte das einige Unannehmlichkeiten verhindert, wie beispielsweise von eben diesem Vampir gebissen zu werden. Mir fehlen noch immer sämtliche Erinnerungen an diesen Tag. Lediglich, als ich wieder aufwachte, in den Gemächern des Schlosses, mit Yasha und seinem Großvater an meiner Seite. Es war kein Geheimnis, dass der alte Mann ein großer Hexer war, dass Yasha dieselben Fähigkeiten hatte, war allerdings erstaunlich neu. Und noch erstaunlicher war, dass ich ein Vampir geworden war.
Meine Reaktion war sicherlich nachvollziehbar, obwohl ich bis heute bereue, dass ich Yasha in der Luft zerfleischen wollte. Wer wusste was passiert wäre, hätte mich dieser alte Kauz nicht davon abgehalten? Abgesehen von der Tatsache, dass ich meinen besten Freund bis auf den letzten Tropfen Blut ausgesaugt hätte. Ich hätte Yasha getötet. Sicherlich hätte ich damit nicht weiterleben können und es nagt noch immer an mir, dass ich ihn überhaupt angegriffen hatte. Ohne Yasha und seinen Großvater hätte ich es wohl nicht geschafft, meinen Blutdurst unter Kontrolle zu bringen, doch es gab noch immer ein anderes Problem: Juniper.
Unser kleiner Prinz durfte von diesem Vorfall nichts erfahren, genauso wenig wie der König und sonst irgendjemand in seinen Diensten. Doch zumindest hatten wir es irgendwie geschafft, dass die letzten drei Jahre keiner etwas bemerkt hatte. Dennoch war es hin und wieder schwierig, allen voran Juniper gegenüber. Ich bin mir sicher, dass er irgendetwas geahnt hatte, aber er hatte sich immer damit zufrieden gegeben nicht weiter nachzuhaken. Schließlich kannte keiner Yasha und mich besser als es Juniper tat.
Als Yasha die Hände von seiner Brust nimmt, erwache ich aus meinem Dämmerschlaf . Was in den letzten Stunden passiert ist, kommt mir wie ein Alptraum vor. Ich setze mich keuchend auf und greife mir reflexartig an die Brust als ich dort ein ziehen spüre, bevor ich mich in der Höhle umsehe. Wenn ich mich recht entsinne, muss es Mittag sein und ich bekomme Kopfschmerzen, als ich anfange, mir über seltsame Dinge den Kopf zu zerbrechen.
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forgotten kings
Fantasy»Wir sind nicht tot. Sie haben uns nur... vergessen.« Eines unbekümmerten Tages findet Devin bei einem Spaziergang einen verletzten Wolf. Mit seinem weißen, Blut verklebten Fell wirkt er noch mehr Fehl am Platz. Devin kann sich nicht gegen den Dran...
