Die letzte Nacht

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Das Lachen war verflogen, die Stimmung war umgeschlagen. Etwas Tiefes und Vertrautes hatte sich wie ein schweres Tuch über sie gelegt. Sherlock wollte glauben, dass es bloß der Alkohol war. Doch es gab Menschen, deren Anwesenheit in einem Raum nachklang, obwohl sie schon längst gegangen waren. Und er wusste, John war so ein Mensch.

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Die letzte Nacht


Das Glas gab ein klirrendes Geräusch von sich als es etwas unsanft auf die Tischplatte gestellt wurde. Die goldbraune Flüssigkeit schwappte bedenklich als würde sie ihren Unmut darüber kundtun wollen. Längst war das Feuer im Kamin erloschen, draußen über den Straßen Londons war die Abenddämmerung bereits vor Stunden hereingebrochen und so spendete nur die alte Lampe auf dem Beistelltisch ihr spärliches Licht im Wohnzimmer der 221B Baker Street.

„Ich muss dringend in mein Bett", gähnte John herzhaft.

Sherlock betrachtete seinen Gefährten skeptisch und entschied daraufhin: „Ich rufe dir ein Taxi. Das fährt dich dann nachhause."
Obwohl sie die gleiche Menge Alkohol konsumiert hatten, war John weitaus angetrunkener als er. Vielleicht weil dieser kleiner war, vielleicht weil sich Sherlocks Körper bereits an Rauschzustände gewöhnt hatte.

John sah etwas verwirrt aus, dann lachte er: „Wir sind doch schon zuhause, Sherlock."

Der Detective schluckte: „Was ist der letzte Fall, an den du dich erinnerst?"

„Wieso is'n das wichtig?"

„John, bitte." Es klang nicht wie eine Bitte.

Dieser schnaufte unwillig: „Irgendwas mit so'nem verschwundenen Bild, Gemälde von... von..."

„Dem Reichenbachfall?"

„Mhm."

„Du solltest jetzt wirklich schlafen, John. Du hast zu viel getrunken."

Der Blonde gab einen undefinierbaren Laut von sich und fuhr sich mit den Händen über das Gesicht. Dann stand er schwerfällig auf und wankte in Richtung der Treppe, die zu dem oberen Schlafzimmer führte, das früher einmal seins gewesen war.

„Warte, ich helfe dir." Sherlock war ebenfalls aufgestanden und zu John geeilt. Etwas überrumpelt von seinem eigenen Impuls legte er zögernd einen Arm um den Torkelnden. Körperkontakt war ungewohnt, aber nicht unangenehm, nicht bei John.

„Danke..." John wirkte überrascht, als er sich an den Größeren lehnte.

Gemeinsam bugsierten sie sich durch die Tür, ihre Hände fest in die Kleidung des jeweils anderen greifend, während sie ihr Bestes taten einen Fuß vor den anderen zu setzen. Sherlock hatte sich in seiner Standfestigkeit offenbar überschätzt, denn als sie nun einander stützend versuchten die Treppe zu erklimmen, gerieten sie beide ins Straucheln. John konnte ihn nicht auffangen als er fiel, und da er ihn nicht hatte halten können, folgte er ihm nach unten, buchstäblich. Beide landeten der Länge nach auf der Treppe.
Nachdem der erste Schreck überwunden war und er festgestellt hatte, dass weder John noch er selbst sich Verletzungen zugezogen hatten, probierte Sherlock sich am Geländer wieder auf die Füße zu ziehen, doch das wollte ihm nicht so recht gelingen. John begann zu lachen und bald darauf konnte auch Sherlock sich sein Amüsement nicht mehr verkneifen.

Melodien für John (Johnlock)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt