Stille

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Kapitel 12

Stille

Harry James Potter hasste die Stille. So war es schon immer gewesen. In seiner Kindheit hatte Stille bedeutet, dass er alleine und auch oft genug hungrig im Schrank unter der Treppe saß und davon träumte, dass jemand kommen würde um ihn zu retten.

Während seiner Zeit in Hogwarts war Stille eine absolute Ausnahme gewesen. Es war immer überall laut und chaotisch und Harry hatte es geliebt, es erinnerte ihn daran, dass er nicht mehr alleine war, kein ungeliebter Junge in einem Schrank sondern, dass er Freunde hatte, dass es Menschen gab, die ihn liebten.

Und dann kam der Krieg und hatte für Harry alles verändert. Von da an ertrug er die Stille nicht mehr. Was auch immer er tat oder wo er war, er brauchte Geräusche um ihn herum. Stille, sie hatte eine ganz neue Bedeutung bekommen. Immer wenn es zu ruhig wurde, dann durchlebte er wieder diese schrecklichen Momente, als er neben einem seiner gestorbenen Freunde gekniet oder an ihren Gräbern gestanden und um sie getrauert hatte. Stille bedeutete, dass jemand nie wieder sprechen, lachen oder weinen würde. Stille bedeutete, dass Colin nie wieder ein Foto machen würde. Stille bedeutete, dass Tonks nie wieder den hässlichen Trollfuß umstoßen würde. Stille bedeutete, dass Fred nie wieder Georges Sätze vollenden würde. Stille bedeutete, dass Remus nie wieder ein offenes Ohr für seine Sorgen haben würde. Stille bedeutet Tod, ein endgültiges Ende.

Nach Ende des Krieges hatte Harry darüber nachgedacht in das Haus am Grimmauldplatz zu ziehen, hatte sich aber stattdessen lieber eine Wohnung in der Nähe des Ministeriums genommen. Von da an hatte er sich in die Arbeit gestürzt, hatte trainiert und gelernt um die allgegenwärtige Stille zu übertünchen. Und wenn er dann abends nach Hause kam und allein war hatte er in jedem Raum ein eigenes Radio angeschaltete, damit es niemals still wurde. Und am Wochenende oder wenn er frei hatte, dann verbrachte er jede freie Minute mit Teddy.

Viele Leute erzählten ihm damals, er solle sich mehr Zeit für sich selbst nehmen, einfach leben. Und Harry wunderte sich oft darüber, warum sie nicht verstanden hatten, dass er lebte, dass seine Zeit mit Teddy war, was ihn leben ließ. Teddy war Harrys konstante Erinnerung daran, warum er gekämpft hatte, wofür so viele Menschen hatten sterben müssen: Damit die nächste Generation leben konnte. Und indem Harry jede freie Minute mit Teddy verbrachte, erinnerte er sich selbst daran, dass trotz all dem Leid und Kummer während des Krieges auch etwas Großartiges daraus entstanden war.

Als Harry und Ginny dann geheiratet hatten und ihre drei Kinder geboren wurden, war es nie wieder still im Haushalt Potter. Es war laut und wild also stellte Harry alle Radios in Kisten auf den Dachboden. Trotzdem gab es Nächte in denen er nachts panisch hochschreckte und in die Zimmer seiner Kinder ging um einen Moment lang neben ihnen zu stehen und sie atmen zu hören und schon damals fürchtete er sich vor dem Moment an dem Lily nach Hogwarts gehen und das letzte seiner Kinder das Haus verlassen würde, denn dann würde es wieder still werden.

An dem Tag, an dem Lily und Hugo dann tatsächlich nach Hogwarts fuhren, waren Ginny, Hermine, Ron und Harry danach zusammen etwas essen gegangen. Dann hatten sie ein Glas zusammen getrunken... dann noch eins... und noch eins... irgendwann hatten sie aufgehört zu zählen und waren direkt ins Bett gegangen, keine Zeit über die Stille traurig zu sein.

Als Harry am nächsten Abend von der Arbeit kam wurde er von Teddy und Victoire überrascht, die Ginny in der Küche halfen. Die beiden waren gerade erst aus den Flitterwochen zurück und behaupteten ihnen nur ein paar Bilder zeigen zu wollen. Trotzdem blieben sie bis nach Mitternacht.

Am nächsten Abend kam Luna vorbei und erzählte Rolf habe überraschend eine Einladung für einen Kongress in Italien bekommen und fragte, ob Harry und Ginny vielleicht übers Wochenende auf die Zwillinge aufpassen konnten. Natürlich sagten sie zu und Luna blieb noch ein wenig. Bis nach Mitternacht.

Toll gemacht, James!Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt