Kapitel 9
Vater & Sohn
Als Teddy ein kleiner Junge war gab es viele Leute, die ihm erzählten wie Leid es ihnen tat, dass er seine Eltern nie kennengelernt hatte und wenn er ehrlich war hatte er damals nie verstanden wieso. Sicher, er hatte all die Geschichten über seine Eltern gehört während er aufwuchs, über ihre Schulzeit, ihre Zeit im Orden und wie sehr sie ihn und einander geliebt hatten, doch irgendwie hatte er damals nie verstanden wieso in alle so bemitleideten. Wenn er hungrig war oder sich wehtat, dann hatte er seine Großmutter, die ihm etwas zu Essen machte und sich um seine kleinen Wunden kümmerte. Wenn er nachts nicht schlafen konnte, weil er etwas Schlechtes geträumt hatte oder es gewitterte, dann krabbelte er schnell zu Harry und Ginny unter die Bettdecke. Wenn er gerne ein Eis oder etwas zum spielen wollte, dann musste er nur große, traurige Augen machen und Onkel Ron würde mit ihm in seinen Laden gehen, wo er sich etwas aussuchen durfte.
Remus Lupin und Nymphadora Tonks waren für ihn immer eher Sagengestallten gewesen über die man alles gelesen hatte, aber nie wirklich erreichen konnte und auch ihrem Schicksal gegenüber war Teddy immer eher neutral gewesen, als wären sie Figuren in einem Roman, dessen Ausgang man nicht ändern konnte, weil jemand anders ihn bestimmt hatte.
Erst als Teddy die Verzweiflung und Angst im Gesicht des Jungen sah, der einmal sein Vater werden würde, wurde aus Remus John Lupin ein echter Mensch. Keine fiktive Gestalt, keine Gute-Nacht-Geschichte, sondern eine Person mit Wünschen, Träumen, Ängsten und einer schrecklichen Zukunft, die unabwendbar wie eine schwarze Wolke über ihm schwebte. Und als Remus erkannte, wer Teddy wirklich war, was das für sein eigenes Leben bedeutete und wegrannte, da spürte Teddy zum ersten Mal in seinem Leben die volle Tragweite seines Verlustes. Da spürte er zum ersten Mal die schreckliche Ohnmacht und Hilflosigkeit gegenüber dem Schicksal, dass ihn dazu verdammt hatte seine eigenen Eltern nur aus Geschichten zu kennen.
Er konnte noch immer nicht glauben was dieser Tag ihm gebracht hatte, heute Morgen war noch alles in Ordnung gewesen und nun saß er in der Küche seines Paten, seine Frau auf dem Schoß und hatte sein Gesicht an ihrem Hals verborgen. Ein leises, jedoch bestimmtes Klopfen unterbrach Teddys düstere Gedanken und geistesabwesend nahm er wahr, wie Victoire aufstand und ihre Kleidung ordnete bevor sie laut „Herein" sagte.
Teddy blickte kaum auf, als die Tür sich öffnete, geistesabwesend fuhr er sich mit seinem Ärmel über die Augen um die Spuren seines Zusammenbruches verschwinden zu lassen, doch er war sich sicher, dass das völlig nutzlos war.
„Teddy?", hörte er Harrys vorsichtige Stimme und sah auf. Sein Pate stand nur wenige Schritte von ihm entfernt und blickte ihn forschend an. Harry war immer der einzige Mensch in Teddys Leben gewesen, der wirklich verstehen konnte wie er sich fühlte und Teddy war jeden Tag dankbar dafür, dass seine Eltern Harry vor ihrem Tod zu seinem Paten bestimmt hatten. Niemand sonst hätte all die unterschiedlichen Gefühle, die Teddy seinen Eltern gegenüber empfand je besser verstehen können, als jemand, der selbst ohne Eltern aufgewachsen war.
„Teddy?", fragte Harry erneut und beugte sich nun zu ihm herunter. Teddy wurde bewusst, dass er wohl einige Momente lang nur blicklos vor sich hin gestarrt haben musste.
„Mh?", stieß er fragend hervor. Zu einer besseren Antwort war er momentan nicht fähig.
„Remus würde gerne mit dir reden, wenn es geht.", antwortete Harry leise und als Teddy nun aufsah bemerkte er zum ersten Mal die leichenblasse Gestalt seines Teenager-Vaters, der unruhig in der Tür stand und Teddy aus erschreckt und doch leicht hoffnungsvollen Augen ansah. Geistesabwesend fragte Teddy sich, ob er genauso verstört und fertig aussah.
„Mh.", antwortete er nur erneut, setzte sich aufrecht hin und versuchte seiner Stimme einen festen und selbstsicheren Klang zu verleihen, als er sagte: „Es geht mir gut. Wir können uns gerne unterhalten."
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Toll gemacht, James!
FanfikceFortsetzung zu "Zeitreise für Anfänger" Endlich erfahren die Rumtreiber wer die Harrisons wirklich sind. Leider ganz anders als eigentlich geplant.
