5. Larry

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Ich nahm die Supermarkt-Blumen vom Fensterbrett. Schüttete die einen Tag alte Teetasse aus. Packte das Fotoalbum, das mein Onkel gemacht hatte, weg. Nahm die "Gute Besserung"-Karten und Kuscheltiere. Schüttete altes Ingwerbier in das Spülbecken.

Erinnerungen an ein Leben, das geliebt wurde.

Papa hatte mir immer gesagt, weine nicht, wenn es dir schlecht geht. Aber Mama, da ist eine Träne. Jedes Mal wenn ich blinzle.

Oh, ich war zerbrochen, es zerriss mich, aber ich wusste - Ein Herz das gebrochen ist, ist ein Herz, das geliebt worden ist.

Also werde ich "Hallelujah" singen, du warst ein Engel in der Form meiner Mama. Wenn ich gafallen bin, warst du da, um mich zu halten. Breite deine Flügel aus, wenn du gehst. Und wenn Gott dich zurücknimmt, werden wir singen "Hallelujah, du bist zuhause".

Ich schüttelte die Kissen, machte die Betten, stapelte die Stühle. Faltete deine Nachthemden ordentlich in eine Kiste.

Dad sagte, er würde fahren. Dann legte er seine Hand auf meine Wange und wischte eine Tränen von der Seite meines Gesichts.

Ich hoffe, dass ich die Welt so sehe, wie du es getan hast, weil ich weiß - Ein Leben mit Liebe ist ein Leben, das gelebt wurde.

Gerade noch stand Louis mit Steve, welcher mittlerweile zu einem sehr guten Freund geworden war, auf der Bühne von X-Factor. Er durfte seinen neuen Song "Just Hold On" performen. Er hatte sich so sehr auf diesen Auftritt gefreut, doch dann, vor ein paar Tagen starb seine Mutter. Sie hatte den Kampf verloren. Die Leukämie brachte sie um. Er war Tage, Wochen an ihrer Seite am Krankenhausbett. Wollte gar nicht mehr heim. Hatte nicht mit sich reden lassen. Keiner konnte zu ihm durchdringen. Nicht einmal seine Freunde. Er verzichtete auf regelmäßige Mahlzeiten. Wollte sie nicht einen Augenblick alleine lassen. Er wünschte sich so sehr, die Zeit zurückdrehen zu können. Doch das war unmöglich. Er wollte noch einmal mit ihr reden, sie umarmen, ihr sagen, dass er sie liebe. Sie war seine Mutter. War immer für ihn da. Half ihm bei seinen Problemen und unterstützte ihn immer, egal um was es ging. Sie war stolz auf ihn. Ist es noch immer.

Seinen Auftritt heute, hatte er ihr gewidmet. Er hatte heute nur für sie gesungen. Zuerst wollte er absagen, doch er hatte sich unentschieden. Er wollte seine Mum nicht enttäuschen. Sie sollte stolz auf ihn sein. Sie sah bestimmt auf ihn hinab und hatte ihm Kraft gegeben, um diesen Auftritt durchführen zu können. Als der Song beendet war, die letzten Akkorde gespielt worden waren, erklang der Applaus des Publikums und der Jury-Mitglieder.

Louis sah mit Tränen in den Augen nach oben. Konnte sie nicht zurückhalten. Er schloss kurz die Augen, um seine Atmung wieder unter Kontrolle zu bekommen. Öffnete sie nach wenigen Augenblicken wieder und blinzelte seine Tränen weg. Er sah zu Simon und danach zu Steve. Versuchte zu lächeln, scheiterte aber kläglich. Er musste sich ein Schluchzen unterdrücken. Steve zog ihn in eine feste Umarmung und Louis entwich nun doch ein kleiner Schluchzer. Das ganze hier war einfach zu viel für ihn. Die letzten Wochen und vor allem die letzten Tage nagten an ihm.

Er löste sich von Steve und sah ihn kurz dankend an, bevor er wieder nach vorne sah. Zu Simon und den anderen Jury-Mitgliedern. Er sah, dass Simon etwas sagte, doch was genau es war, drang nicht zu ihm durch. Er konnte sich nicht mehr konzentrieren. Seine Kraft war am Ende. Sein Körper konnte nicht mehr. Er wollte nur noch weg. Runter von der Bühne. Irgendwo hin, wo er alleine war. Wo keiner ihn finden konnte. Doch er musste sich noch ein paar Minuten gedulden. Ein paar Minuten, bis er endlich erlöst war. Sich wieder verkriechen konnte.

Dann wurde er erlöst. Steve legte einen Arm um ihn und brachte ihn nach hinten in den Backstage-Bereich. Er wurde sofort von Liam in eine Umarmung gezogen, welcher versuchte mit beruhigenden Worten auf ihn einzureden. Louis verlor nun jegliche Selbstbeherrschung und begann hemmungslos an Liams Brust zu schluchzen. "Es ist alles gut. Alles ist gut. Lass es raus. Wir sind für dich da. Immer." Sanft strich er mit seiner Hand über den Rücken seines besten Freundes. Es brach ihm das Herz Louis so gebrochen zu sehen. Auch die anderen konnten nicht mit ansehen, wie sehr et litt. Sie konnten nur erahnen, was er gerade durchmachen musste. "Harry... Wo ist... Wo ist er?" Seine Worte waren so leise, dass man sie kaum verstand. Seine Stimme klang gebrochen, war nur ein Hauch. "Er ist gleich da. Er ist nur schnell auf der Toilette." Er nickte nur leicht und krallte sich noch mehr in sein Shirt.

Keine zwei Minuten später löste sich Liam langsam von Louis, welcher noch immer schluchzte, und der Platz wurde von Harry übernommen. "Ich bin da Lou. Ich bin da." "Lass... lass... m... mich ... nicht allein." "Werd' ich nicht. Niemals." Er küsste ihn auf die Stirn und drückte ihn noch näher an sich. "Ich... ich... möchte... bei ihr sein.", nuschelte Louis. "Ich weiß, mein Schatz. Ich weiß." Harry brachte nur ein Flüstern zustande. Er traute seiner Stimme nicht mehr. Es tat ihm weh, seine große Liebe so leidend zu sehen. Er war selbst den Tränen nahe, bei seinem Anblick. Konnte sich gerade noch beherrschen. "Es... Es tut... so weh."

Sie standen bestimmt noch eine halben Stunde so da. Louis in Harrys Armen. In einer schützenden Umarmung. Das Schluchzen von Louis klang noch verzweifelter und sein Körper war komplett erschöpft. Harry und auch die anderen bemerkten, dass Louis nicht mehr lange durchhalten wird.

"Komm, lass uns nach Hause fahren.",sprach Harry leise zu seinem Freund. Er führte Louis langsam aus dem Gebäude hinaus und brachte ihm zu ihrem Auto. Bevor die beiden einstiegen, verabschiedete sich Harry noch von den anderen und half Louis anschließend beim Einsteigen.

Er sagte dem Fahrer bescheid und dieser fuhr los. Unterwegs war Louis vor Erschöpfung eingeschlafen und als sie zu Hause angekommen waren, trug Harry seinen Freund nach oben in ihr gemeinsames Schlafzimmer. Dort zog er ihn und sich selbst bis auf die Boxershorts aus und legte sich neben ihn. Er zog die Decke über sie und legte einen Arm um ihn. Flüsterte noch ein kurzes "Ich liebe dich." und schlief danach selbst ein.

One Direction (One Shots, boy x boy)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt