„Wie ist die Prognose?"
Die beiden jungen Ärzte standen vor einem Bett auf der Intensivstation des Uniklinikums Köln.
„Ich weiß es nicht, Alex", erwiderte der braune Lockenkopf ernst. „Sie mussten fast 4 Stunden intermittierende CPR ausführen. Rekurrierende maligne Arrhythmien. Wie das neurologische Outcome ist kann ich dir bei weitem noch nicht sagen. Wir hoffen er überlebt die Nacht."Er schloss die Augen und atmete tief durch, bevor er mit zittriger Stimme leise ein „Ich kenne ihn." hervorbrachte.
„Bei dem Einsatz, bei dem ich ihn zum letzten Mal traf,
saß er auf dem Dach des Rheinsternhauses. Ich weiß nicht, ob er vorhatte zu springen. Er ging sofort von der Kante weg, sobald er uns sah. Verdammt Alex, du kannst dir nicht vorstellen wie kaputt er aussah. Komplett erschöpft und gebrochen.Wir haben ihn mit in den RTW genommen und ich habe versucht mit ihm zu reden, seine Beweggründe zu erfahren, um zu wissen, ob wir ihn zur Klinik bringen müssen. Er hat kein Wort gesprochen, aber mir signalisiert, dass er nur in Ruhe nachdenken wollte. Ich hätte ihn mitnehmen sollen..im Anbetracht dessen was ich schon wusste."
Der Arzt schluckte und blickte niedergeschlagen den blassen Jungen, der von Monitoren und Schläuchen umgeben war, an.„Hey Phil. Schau mich an.", seufzte sein Kollege und bester Freund. Er nahm ihn in den Arm und drückte ihn fest an sich. „Im Nachhinein denkt man immer, man könnte alles besser machen. Wir sollten uns auf die Gegenwart konzentrieren.", flüsterte er und ließ ihn los.
Er öffnete seine Handfläche und etwa 7 unscheinbare getrocknete grüne Nadeln kamen zum Vorschein.
„Wir haben sie in seiner Jackentasche gefunden. Er hat sie vermutlich als Tee getrunken, um eine höhere Menge Taxin aufzunehmen. Deine Vermutung war richtig, Phil." Er lächelte ihn aufmunternd an.Phil nickte erleichtert. „Taxus Baccata. Also doch die giftigen Nadeln der Eibe. Okay. Wir können leider nur symptomatisch behandeln, kein Antidot, aber das weißt du ja selbst.
Die nächsten 24 Stunden sind entscheidend, der Kleine muss jetzt kämpfen. Wenn da noch irgendwo ein Lebenswille ist, muss er ihn zeigen", sagte er entschlossen.Alex ging die zwei Schritte zum Bett und berührte leicht die warme Hand des Jungen.
„Wir geben dich nicht auf, Noah."
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UND MORGEN FRÜH BIN ICH TOT.
FanfictionDein Gehirn erinnert sich generell nur an zwei Dinge über ein Erlebnis: der emotionalste Moment und das Ende. •[Der Inhalt und einige Beschreibungen können in dieser Story vermutlich einige Leser triggern. Lesen auf eigener Verantwortung.]•