Epilog

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Melias Sicht

Wo bin ich? Was ist hier los? Ich kann mich nicht bewegen. Warum kann ich mich nicht bewegen?

"Melia, Melia, wach bitte auf. Seit Tagen liegst du hier."

Wer ist das? Ich höre Stimmen, aber alles fühlt sich so weit weg an. Die Worte, die sie sagen, sind wie Echo in meinem Kopf. "Wach auf." Doch mein Körper gehorcht nicht.

"Herr Doktor, können Sie schon etwas feststellen? Was hat sie?"

Schon wieder diese Stimme. Ein Mann? Der Herr Doktor? Bin ich im Krankenhaus? Ich spüre eine Hand, die meine ergreift. Ich will sie wegziehen, will mich befreien, aber es geht nicht. Mein Körper hört nicht auf meine Befehle.

"Nein, leider nicht. Ich hätte da so eine Vermutung, aber wie gesagt, es wäre nur eine Vermutung. Ich könnte Ihnen dann erst etwas sagen, wenn die Testergebnisse da sind."

Ich kann nichts tun. Nichts.

"Glauben Sie, sie kann uns hören?"

Die Worte breiten sich in mir aus, sie dringen tief in mein Bewusstsein ein, aber ich kann mich nicht rühren. Alles, was ich will, ist mich zu bewegen, etwas zu tun. Einen Finger zu bewegen, irgendetwas. Ich muss es schaffen!

"Nun ja, möglich ist es, aber wissen tue ich es auch nicht genau."

Ich will schreien. Ich will, dass sie wissen, dass ich höre, dass ich verstehe! Doch nichts passiert. Ich will endlich beweisen, dass ich noch da bin. Dass ich noch lebe.

Ich versuche es. Komm schon, ein Finger. Nur ein Finger.

"Herr Doktor, ich glaube, sie hat sich bewegt!"

Hoffnung blitzt auf! Vielleicht ist es möglich! Vielleicht kann ich es doch noch schaffen, mich zu befreien.

"Da muss ich Sie leider enttäuschen. So wie es jetzt aussieht, wird sie..."

Wird sie was? Was wird mit mir passieren?

"Wird sie was, Herr Doktor?"

"Nicht mehr aufwachen."

Nicht mehr aufwachen?

Ich kann es nicht fassen. Das darf nicht wahr sein! Ich werde aufwachen! Ich werde kämpfen!

Doch plötzlich höre ich eine Stimme in meinem Kopf. Eine Stimme, die ich kenne, die mich immer verfolgt hat.

„Ich habe doch gesagt, ihr sollt das Ritual nicht abbrechen!"

Diese Worte schneiden durch meine Gedanken wie scharfe Klingen. Die vertraute, höhnische Stimme meiner Mutter. Und in ihr schwingt eine grausame Freude mit. Ich will mich aufbäumen, doch ich kann nichts tun. Nur ihre Worte bleiben in meinem Kopf.

„Nun sieh dir an, was aus dir und deiner kleinen dummen Freundin passiert ist."

Die Dunkelheit um mich herum wird dichter. Immer wieder diese Worte, die mir das Blut in den Adern gefrieren lassen.

„Es gibt keinen Weg, vor mir, Mama, wegzulaufen. Ich finde euch immer und überall. Immer und überall. IMMER UND ÜBERALL!"

Ihre Stimme wird lauter, immer schriller. Es ist wie ein lärmender Schrei, der nicht enden will. Ich will entkommen, will diese Qualen beenden. Aber sie ist überall. Ihre Präsenz ist allgegenwärtig.

Das einzige, was bleibt, ist das schrille, teuflische Lachen meiner Mutter. Es hallt durch den Raum, wie eine ewige Pein, die nicht enden will.

Immer und überall.

Immer und überall.

Das RitualWo Geschichten leben. Entdecke jetzt