Wladimir schoss los in die Dunkelheit. Noch immer konnte ich nichts identifizieren, doch vertraute ich darauf, dass er nicht kostbare Munition grundlos verschwenden würde. Tatsächlich stürmte bald darauf der verletzte Wolfmutant in mein Sichtfeld. Während Dimitri von hinten losrannte, um schießen zu können, hieb ich mit meiner Axt auf das Vieh ein. Auch Jegor und Putin schossen, ihre Schüsse jedoch waren nur wie ein sanfter Schubser. Ich traf gekonnt, doch machte das den Wolf eher sauer.
Wütend schnellten seine Tentakeln hervor, direkt auf mich zu. Ich konnte gerade noch ausweichen. Das Vieh war schnell. Meine Genossen und ich schossen und hieben weiter auf den Mutanten ein. Es war schwierig, doch schafften wir es bald, ihn zu Fall zu bringen. Er war bewusstlos.
Boris holte seine Axt hervor und schnitt mit einer gekonnten Bewegung unserem Feind die Kehle durch. Blut sickerte hervor. Wir sahen es dunkel in der Finsternis glänzen. So schön und doch so grausig. Nachdem sicher war, dass der Mutant tot war, ging ich zu den Tentakeln und schaute nach, ob man das Gift vielleicht irgendwie verwenden könnte. Tatsächlich gelang es mir, die dornenartigen Spitzen, die sich an den Tentakelenden befanden, herauszubrechen und an meinem Gürtel zu befestigen.
Als ich aufschaute, sah ich, dass Dimitri weiterhin wachsam Ausschau nach Gefahr hielt. Eine Woge des Stolzes durchfuhr mich. Er war ein so guter Mensch. So dumm er auch manchmal wirkte, er war der einzige in der Metro, von dem ich mit Gewissheit sagen konnte, dass er es verdiente, zu überleben. Natürlich wollte ich, dass die Menschheit an sich überlebte, doch während die meisten hier unten all ihre Hoffnung verloren, so wie auch ich, oder einen höheren Stör- als Nutzfaktor aufwiesen, wie Anastasia, blieb er doch er selbst. Ein wahrer Genosse, ein wahrer Militär.
Einige Meter entfernt stand Wladimir und schaute auf etwas in seinen Händen. Anastasia hatte sich hinter ihm verborgen und blickte ebenfalls auf seine Hände, was Wladimir aber nicht zu bemerken schien. Ich beschloss, mir keine weiteren Gedanken über Wladimir zu machen und ihm wenigstens ein bisschen zu vertrauen. Er hatte seine Nützlichkeit jetzt schon wieder bewiesen, also wandte ich meinen Blick von den beiden ab.
Boris, Jegor und Ivana gingen gerade ein paar Schritte von der Mutantenleiche zurück. Als ich den Grund dafür sah, tat ich es ihnen gleich, denn Putin holte gerade seine Axt hervor und hieb auf den Kopf des Wolfes ein. Genauer gesagt, auf dessen Hals. Er wollte anscheinend den Kopf vom Körper lösen. Blut spritze in alle Richtungen. Putin selbst bekam eine gehörige Ladung davon ab, was ihn aber nicht davon abbrachte, seine Tat zu vollenden. Bei dieser Menge an Blut sah man auch, dass das Blut eine bläuliche Farbe aufwies, ganz so, wie Boris' Wunde.
Als der Kopf vollends abgetrennt war, packte ihn Putin und befestigte diese „Trophäe" an seinem Rucksack. Typisch Händler. Dass er den Kopf mitsamt Rucksack auf unserem ganzen weiteren Weg mitschleppen wollte, erforderte eine gehörige Ladung an Kraft und Dummheit. Nun ja, mir solle es Recht sein.
Wir verschnauften eine Weile, beschlossen dann aber, dass wir weiter gehen sollten. In derselben Formation wie davor liefen wir weiter den Gang der Metro entlang. Mit der Zeit wurden wir alle müde, vor allem Dimitri und Ivana wirkten sehr erschöpft. Wenn uns jetzt jemand angreifen würde, standen unsere Chancen nicht allzu gut. Es war also nötig, einen Ort zu finden, an dem wir etwas Schlaf finden könnten. Vielleicht einen Wartungsraum, die es immer wieder zwischen den Stationen gab.
Bei diesem Gedanken kam mir Wladimir in den Sinn, der ja immer mehr zu wissen schien. Damit die anderen aber nichts mitbekamen, versuchte ich möglichst unauffällig und leise zu sprechen.
„Hey, weißt du vielleicht, ob es hier in der Nähe eine Möglichkeit zum Schlafen gibt? Zum Beispiel einen Wartungsraum oder so?"
Als ich mich für diese Frage zu ihm wendete, merkte ich, dass Anastasia jetzt hinter ihm lief. Sie schien geradezu an ihm zu kleben, was Wladimir aber nicht störte. In mir breitete sich ein Übelkeitsgefühl aus und ich musste mich sehr zusammenreißen, um diesem Gefühl nicht freien Lauf zu lassen. Hier unten war kein Platz für solch ein Mädchengetue. Ich schaute wieder konzentriert nach vorne, während Wladimir auf etwas schaute, was jetzt nur noch er uns Anastasia sehen konnten. Hatten die beiden etwa eine geheime Verschwörung am Laufen? Diesen Gedanken verdrängte ich sogleich wieder. Hier hat jeder seine Geheimnisse.
„Ja, in einigen Metern sollte es einen Raum geben", antwortete Wladimir, so, dass die ganze Gruppe verstand. Gut.
Mit der Hoffnung auf Schlaf liefen wir weiter vorwärts – bis wir sehr merkwürdige Geräusche hörten. Es klang fast wie erschöpftes Seufzen. Wir blieben stehen, da uns dieses Geräusch sehr nah zu sein schien. Und tatsächlich, nach ein paar Sekunden angespannten Ausschauhaltens kam eine menschliche Gestalt uns auf den Gleisen entgegen. Nein, sie kroch eher. Es war ein Mann mit zerfetzter Kleidung und wohl auch einigen Wunden. Aber abgesehen von diesem ohnehin schon merkwürdigem Aussehen beunruhigte etwas anderes mich noch viel mehr. Die blaue Farbe der Wunden.
Bereit zum Angriff standen wir dieser Gestalt gegenüber, unsicher, was wir machen sollten. Wir alle waren verunsichert, nur Jegor nicht, der sich hinter uns regte.
„Arkadi? Arkadi bist du das?"

DU LIEST GERADE
Hart aber Ungerecht
Science FictionErfolgreich ist es mir gelungen, bei der Rettung der Metro mitzuwirken. Diese Erfahrung werde ich nun zu Papier bringen. Um die Erlebnisse besser veranschaulichen zu können, berichte ich aus Olga Woslofs Sicht, auch bekannt als Olga die Große. Diese...