[Mike] 3. Dezember'18

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"Chris."

Ich starrte auf in zwei strahlend blaue Augen und auf das leichte Lachen, dass über seine Lippen huschte. Kurz darauf zog er Ethan und mich schon in eine feste Umarmung. 

"Du hast es geschafft, man!", pfiff Ethan beeindruckt und klopfte Chris Schulter. Dieser lachte jedoch nur, außer Atem, verschwitzt, doch überglücklich. 

"Sieht so aus", kommentierte er zurück und rieb sich übers Gesicht. "Ich habe keine Ahnung, wo die anderen sind, aber ich bin mir sicher, dass sie es auch geschafft haben", sagte er mit einem ernsten Ton in seiner Stimme und sah dann wieder mich an. "Hab dich vermisst, Mikey." Er wuschelte durch mein Haar und ich schüttelte den Kopf. "Solange wir hier draußen sind heißt das Philipp."

Chris lachte erneut und legte seine Hand auf meiner Schulter ab, ehe er sich wieder Ethan zu wand. "Hast du meine Papiere? Ich hab mir schon was zum schlafen organisiert, will euch ja nicht nerven." 

Ethan nickte nur und kramte in seiner Tasche herum, bis er Chris einen Ausweis und ein gefaltetes Stück Papier in die Hand drückte. "Wir sehen uns übermorgen wieder, ja?"

Chris nickte. Er sah mich an, lächelte. Und dann war er auch schon wieder verschwunden. 

Bis Montag zumindest. 

Genauso wie ich.

Am Sonntag hatte ich nicht viel mehr gemacht, als neben Ethan auf der Couch zu sitzen und zuzugucken, wie er allerlei Seiten am Laptop durchsuchte. Ich wusste gar nicht, wie er so schnell zu der Erkenntnis gekommen war, wie Technik heutzutage funktionierte, doch kommentierte ich seine eifrigen Finger nicht. Es war viel interessanter zu sehen, nach was er eigentlich suchte. Und was das Internet alles zu bieten hatte. 

"Die Polizei fahndet nach uns, aber sie werden uns nicht finden. Absolut niemand bringt Mikey oder mich wieder zurück in dieses Loch."

Ich blinzelte ein paar mal, schreckte von meiner Trance auf, als ich den unbeliebten Kosenamen zu Ohren bekam. 

"Ach Babybärchen, ich mache mir nur sorgen", seufzte meine Mutter, die plötzlich vor uns stand und sich mit einer Tasse Tee neben uns setzte. "Was, wenn sie euch doch finden?" Sie biss sich auf die Unterlippe. 

"Das wird nicht passieren, die Diskussion hatten wir schon", murrte Ethan und klappte kurz darauf den Laptop zu. 

Ich hatte keine Lust, mich wieder mit diesem Thema zu beschaffen. Freiheit war ein komisches Gefühl. Auch wenn es keine richtige Freiheit war. Immerhin wurden wir immer noch gesucht. 

Ich stand vorsichtig auf und tappte zurück in mein altes Zimmer, starrte auf dem Weg ins Bett wieder hoch zu meiner Gitarre - dachte plötzlich an Samuel. 

Seufzend hob ich die Hände an meine Wangen als ich merkte, wie das Blut in sie schoss. Allein der Gedanke an ihn brachte mich plötzlich in so eine Situation. Und ich war mir nicht sicher, ob ich das gut oder schlecht fand. Zumindest hatte ich den letzten Abend nicht so schlecht empfunden. 

Mit einem letzten Schritt fiel ich auch schon ins Bett und schloss die Augen, genoss die weiche Matratze unter mir und erinnerte mich zurück an die Zellenbetten. 

Ich öffnete die Augen und sah auf die Uhr. Anwesenheitskontrolle, schrie es in meinem Kopf, den ich kurz darauf energisch schüttelte. Ich atmete tief durch und schloss die Augen wieder. Das würde ich mir nie wieder abgewöhnen können. Zeit war eine mächtige Waffe, wenn es darum ging, meinen Kopf in ein reines Chaos zu werfen. 

Normalerweise war mein Tagesablauf geplant. Zu bestimmten Zeiten, gab es Orte, an denen ich sein musste, Sachen, die ich gerichtet haben musste. Nun lag ich hier und musste einmal nichts machen - und es machte mich verrückt. 

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⏰ Letzte Aktualisierung: Feb 14, 2019 ⏰

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