Heute war sein Geburtstag. Normalerweise sollte man meinen, dass sich jeder über seinen 15 Geburtstag freut, nun er nicht. Denn es war eine Tradition der Königsfamilie, dass jedes männliche Familienmitglied an eben diesem Tag seine erste Haremsfrau geschenkt bekommen sollte. Lyrian fand diesen Gedanken unerträglich. Denn obwohl er um die mehr als 86 Frauen im Harem seines Vaters wusste, wollte er selbst keine Frauen besitzen. Trotz allem führte kein Weg daran vorbei, das wusste er nur zu gut. Deshalb ging er in Richtung Thronsaal, wo er seine Geschenke in empfangen nehmen würde. Einmal atmete er noch tief durch, dann stieß er die schweren Flügeltüren des Saals auf und sah sich Augenblicklich ganzen Bergen von Geschenken gegenüber.
„Ah, da bist du ja, mein Sohn! Ich warte schon gespannt auf deine Meinung, also packe endlich die Geschenke aus.“ Sein Vater erwartete offenbar, dass er sofort zu den Geschenken überging und die üblichen Flosken getrost übersprang, also fing er mit einem beliebigen Stapel Geschenke an,. Es war ohnehin egal. Er wusste, die einzigen Geschenke, die für ihn interessant waren, waren die seiner Eltern. Also setzte er eine höfliche Miene auf und begann das Erste von tausenden von nutzlosen Päckchen auszupacken.
Als er endlich bei den Geschenken seiner Eltern angelangt war, war es fast Abend. Sein Vater führte ihn zu einem Päckchen, das fast so groß war wie er selbst und ganz und gar mit blau schimmernden Papier umwickelt war. Er ging darum herum, dann löste er Schleife und Papier. Vor ihm stand eine große Holzkiste. Geschickt löste er eine der vier Seiten und reichte sie einem der unzähligen Diener. Er hatte zwar damit gerechnet, aber als vor ihm ein Mädchen lag, stockte ihm dennoch der Atem. Trotz seines unmutes, kam er nich umhin, zu bemerken, dass es das hübscheste Mädchen war, das er je gesehen hatte. Sie hatte langes, rotes Haar, ein gradezu perfektes Gesicht mit weichen Gesichtszügen und unglaublich lange Wimpern. Unwillkürlich fragte er sich, welche Farbe solche Augen wohl hatten. Dann viel ihm plötzlich etwas auf: Sie regte sich nicht. Sie war bewusstlos. Besorgt drehte er sich zu seinem Vater um: „Was hat sie? Warum ist sie bewusstlos?“
Dieser lächelte nur, „Keine Sorge, ihr fehlt nichts. Aber sie scheint so wild zu sein, dass meine Männer sie unter Drogen setzten mussten. Das heißt, dass du sie womöglich ziemlich hart behandeln musst, bis sie sich eingelebt hat. Ich wünsche dir viel vergnügen dabei.“
Lyrian nickte knapp und zwang sich zu einem Lächeln, dann drehte er sich um, hob das Mädchen hoch und ging zurück auf sein Zimmer.
Bleierne Schwärze hing über Ariel. Sie wollte die Augen öffnen, versuchte verzweifelt sich an das zu erinnern, was geschehen war. Da war ein seltsam schabendes Geräusch, dann drang schwaches Licht durch ihre geschlossenen Lieder. Sie hörte eine Stimme, konnte die Worte jedoch nicht verstehen. Dann spürte sie plötzlich, wie sie hochgenommen wurde. Ihr müder Verstand brauchte lange, bis er begriff, dass sie getragen wurde. Und plötzlich war alles wieder da. Die Männer mit ihren Waffen, die sie dazu gezwungen hatten irgendein Zeug herunterzuschlucken, und der Mann der mit einem amüsierten Lächeln dagestanden und sie beobachtet hatte. Sie war entführt worden! Panik überkam sie, sie riss erschrocken die Augen auf und sah in das überraschte Gesicht eines Jungen, er konnte nicht viel älter sein als sie, hatte braune Haare, ein markantes Gesicht und verblüffend grüne Augen. Die erste Überraschung überwunden, versuchte sie heftig sich zu wehren. Der Junge war zu verdutzt um sie daran zu hindern, also wand sie sich aus seinem Griff. Doch kaum hatten ihre Füße den Boden berührt, wurde ihr wieder schwarz vor Augen und sie strauchelte. Der Junge schien seinen Schock überwunden zu haben, denn er griff schnell zu und verhinderte, das sie zu Boden viel.
„Vorsicht,“ Sie zuckte zurück als seine Stimme direkt an ihrem Ohr erklang und sah ihn an. Sein Gesichtsausdruck war trotz allem besorgt; „Sie haben dir irgendwelche Drogen eingeflößt, es würde mich nicht wundern, wenn du dich in nächster Zeit nicht bewegen kannst. Also sei ganz ruhig, hörst du? Du musst keine Angst haben.“
Sie wich so weit von ihm zurück, wie es sein Griff erlaubte. Plötzlich durchzuckte ein jäher Schmerz ihre Hand und sie bemerkte, dass sie an Hand- und Fußgelenken gefesselt war. Der Junge folgte ihrem Blick und setzte sie nach kurzem Zögern vorsichtig auf dem Boden ab, sofort rutschte sie so weit weg von ihm wie es in dem schmalen Flur möglich war.
Lyrian sah sie mit gerunzelter Stirn an, dann kam er vorsichtig wieder näher. „Keine Angst, ich tue dir nichts, ich will nur die Fesseln lösen.“
Er streckte die Hand nach ihr aus, sah ihr jedoch weiterhin aufmerksam in die Augen. Ob sie ihn verstehen konnte? Er hoffte es. Als er vorsichtig ihre Hände nahm und den Strick löste entfuhr ihr ein leises Wimmern, so wie ihre Handgelenke aussahen, musste der Strick ihr ziemliche Schmerzen verursacht haben. Prüfend sah er sie an, ob sie versuchen würde wegzulaufen, wenn er die Fesseln an ihren Füßen löste? Es half nichts, dran lassen konnte er sie auf keinen Fall, wenn ihre Füße so aussahen wie ihre Hände. Also begann er vorsichtig die Fußfesseln zu lösen, darauf bedacht ihr möglichst nicht wehzutun. Als er sie gelöst hatte, sah er sie an. Ihre Füße sahen fast noch schlimmer aus, doch diesmal war sie weder zurück gezuckt, noch hatte sie einen Laut von sich gegeben. Am liebsten hätte er sie wieder hochgenommen, aber sie würde das sicher nicht wollen.
„Kannst du aufstehen, oder soll ich dich wieder tragen?“ Er streckte ihr die Hand entgegen, um ihr aufzuhelfen. Sie sah erst ihn an, dann seine ausgestreckte Hand, als würde sie überlegen, ob er das tatsächlich ernst meinte. Dann stützte sie sich mit beiden Händen an der Wand ab und zog sich hoch. Zu seiner Verwunderung verzog sie nicht einmal das Gesicht, obwohl es höllisch wehtun musste. Als sie aufrecht stand, wollte sie einen Schritt machen, knickte jedoch sofort um. Besorgt fing er sie auf, bevor sie zu Boden fallen konnte. Es erschreckte ihn wie schwach sie diesmal war, als sie ihn von sich stoßen wollte. Entschlossen hob er sie hoch, lies sich die kläglichen Schläge gefallen und ging vorwärts. Erst nach einer ganzen Weile hörte sie auf sich zu wehren. Schließlich wurde sie ruhiger und ihr Kopf viel immer öfter gegen seine Brust, bis sie schließlich ganz einzuschlafen schien und sich an seiner Brust entspannte. Er hörte ihren leisen Atem und sah sie an. Wenn sie so friedlich schlief, konnte man kaum glauben, dass sie gerade noch versucht hatte ihn zu schlagen. Endlich war er an seinem Zimmer angelangt. Er hatte einen Umweg machen müssen, um niemandem zu begegnen. Mit dem Fuß schloss er vorsichtig die Tür hinter sich, um sie nicht zu wecken. Dann ging er zum Bett, legte sie sanft hin und breitete die Bettdecke über ihr aus. Einen Moment dachte er nach, dann legte er sich auf das Sofa. Es würde ihr sicherlich nicht gefallen, wenn sie am Morgen erwachte und ihn neben sich vorfand... Er lauschte noch lange ihren tiefen, regelmäßigen Atemzügen. Eins musste er seinem Vater lassen, schoss es ihm durch den Kopf, ein so schönes Mädchen hatte er noch nie gesehen. Und diese aquamarinfarbenen Augen! Leicht schüttelte er den Kopf. Er hätte nie für möglich gehalten, dass es einen Menschen mit einer solchen Augenfarbe geben könnte. Doch schließlich erlag er der Erschöpfung und schlief ein.

DU LIEST GERADE
Des Prinzen Aquamarin {On Hold}
RomanceLyrian ist der erste Prinz seines Königreiches und sein 15ter Geburtstag bringt allerlei Probleme mit sich. Denn in seinem Reich ist es Brauch, dass ein jeder Prinz an seinem 15 das erste MItglied seines Harems geschenkt bekommt. Doch Lyrian ist gän...