Ariel folgte jetzt schon eine ganze Weile dem Tiger und war immer noch erstaunt darüber, wie dieser sich mit seinem massigen Leib derart geschmeidig vorwärts bewegen konnte. Endlich, nach einer schieren Ewigkeit, kamen sie an den Rand einer Lichtung und als sie heraus trat, verschlug es ihr glatt den Atem. Sie stand vor einem kleinen Wasserfall, der in einen wunderschönen von wilden Blumen umringten Teich mündete. Die Katze ließ sich geschmeidig davor nieder und sah abwartend zu ihr herüber. Sie ging auf das Tier zu und ließ sich neben ihm zu Boden sinken. Inzwischen hatte sie keine Angst mehr vor der Katze. Dann lehnte sie sich herüber und trank in vollen Zügen von dem Wasser. Der Tiger hatte sich hingelegt und jetzt, da keine unmittelbare Bedrohung mehr herrschte, hatte auch ihr Körper das Adrenalin verbraucht und fühlte sich müde und ausgezehrt. Also legte sie sich hin, als der Tiger nähergerutscht kam, bettete sie sogar den Kopf auf sein weiches Fell und schlief beinahe augenblicklich ein.
Ilias suchte bereits den ganzen Morgen und hatte noch nicht einmal die leiseste Ahnung einer Spur des Mädchens erhascht. Langsam fragte er sich, ob es möglich war, dass sie den Garten verlassen hatte. Aber nein, das war unmöglich. Sicher irrte sie hier irgendwo verloren umher. Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Der Prinz hatte gesagt, dass sie weder getrunken noch gegessen hatte, also musste er einfach nur an den Wasserstellen nachsehen gehen. Wie logisch. Langsam schüttelte er den Kopf, dass ihm dieser Gedanke nicht schon eher gekommen war. Er entschloss, beim Wasserfall anzufangen und dem kleinen Flusslauf dann einfach zu folgen, so würde er sie gewiss bald finden. Aber nun musste er sich sputen, denn die Wasserstellen waren auch bei den Tigern beliebte Aufenthaltsorte. Auch wenn er glaubte das die Tiere ihr nichts tun würden, wie würde sie wohl im Angesicht eines Tigers reagieren? Mit schnellen, zielstrebigen Schritten bahnte er sich einen Weg durch das Dickicht. Bis zu dem kleinen Teich mit dem Wasserfall war es nicht besonders weit. So trat er bereits nach wenigen Minuten auf die Lichtung und blieb abrupt stehen. Sie war tatsächlich dort, er hätte sich eigentlich darüber freuen müssen, doch dazu war er fiel zu überrascht und verwirrt über das Bild das sich ihm bot. Das Mädchen, das bei näherem betrachten vielmehr eine sehr junge Frau zu sein schien, lag zusammen gerollt auf dem Boden und schlief seelenruhig, während ihr Kopf in dem Fell eines großen Tigers ruhte. Als das Tier ihn bemerkte hob es den Kopf und sah ihn an. Er wollte noch einen Schritt auf das Mädchen zu machen, blieb jedoch stehen, als die Katze jetzt drohend die Lefzen hochzog und ihn anknurrte. Plötzlich lenkte eine Bewegung die beiden ab, das Mädchen regte sich leicht und öffnete die Augen. Einen Moment sah sie sich orientierungslos um, dann drehte sie sich um und blickte ihm direkt ins Gesicht.
Ein Geräusch hatte Ariel geweckt, es klang dunkel und grollend. Ihr noch immer müder Verstand brauchte eine Weile bis er begriff, was dieses Geräusch zu bedeuten hatte. Mit einem schlag war sie hellwach und setzte sich abrupt auf, der Tiger knurrte. Einen Moment suchten ihre Augen den Grund für das Knurren, schienen jedoch nichts zu finden, dann wandte sie sich um und erstarrte. Dort keine paar Schritte entfernt stand ein großer Mann er schien nur ein wenig älter als sie zu sein, hatte aber seltsamerweise ganz und gar silberne Haare. Und er starrte sie die ganze Zeit über an, bis sie den Blick senkte und ein Stück weiter hinter den noch immer knurrenden Tiger rutschte. Er wollte einen Schritt auf sie zumachen, der Tiger hielt ihn jedoch davon ab. Er hob jetzt die Hand, als wolle er ein Tier anlocken und sagte mit sanfter Stimme: „Kommt her zu mir. Ihr musst keine Angst vor mir haben, ich tue euch nichts, versprochen.“ Sie runzelte die Stirn, dachte er wirklich sie würde ihm vertrauen, nur weil er versprach ihr nichts zu tun? Sie war doch nicht dumm! Sie streichelte den Tiger hinter den Ohren, langsam hörte er auf zu knurren. Dann zog sie leicht an seinem Fell, er erhob sich und sie stand ebenfalls auf. Als der Mann begriff was sie vorhatte, erhob er sich ebenfalls. „Geht bitte nicht weg. Bleibt hier.“ Sie machte einen Schritt auf das Dickicht in ihrem Rücken zu. Der Mann folgte ihr geschmeidig. Der Tiger sah ihn warnend an, doch der Mann ignorierte ihn und machte einen weiteren Schritt auf sie zu. Jetzt spannte die Raubkatze ihre Muskeln an, bereit zum Sprung. Der Mann machte noch einen Schritt in ihre Richtung, sie konnte den Tiger kaum noch halten. Besorgnis schlich sich in ihre Gedanken. Warum blieb er nicht stehen? Der Tiger wird ihn zerfleischen, wenn er weitergeht. Noch immer machte der Mann keine Anstalten stehen zu bleiben, also schluckte sie den Klos in ihrem Hals herunter. Als sie sprach klang ihre Stimme viel sicherer als sie sich eigentlich fühlte: „Bleib stehen.“
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Des Prinzen Aquamarin {On Hold}
RomanceLyrian ist der erste Prinz seines Königreiches und sein 15ter Geburtstag bringt allerlei Probleme mit sich. Denn in seinem Reich ist es Brauch, dass ein jeder Prinz an seinem 15 das erste MItglied seines Harems geschenkt bekommt. Doch Lyrian ist gän...