Roman Brodmann wagte 1972 ein öffentliches Gedankenexperiment: In seiner Erzählung schafft die Schweiz per Volksabstimmung die Armee ab. Heute ist Brodmanns Traum nicht weniger utopisch als vor vierzig Jahren.
Es ist der 3. September im Jahre X: Wenige Minuten nach 14 Uhr tickert eine Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur über die Fernschreiber der Redaktionen. Gemäss erster Hochrechnung werde die Initiative zur Abschaffung der Armee angenommen, so die Meldung. Der bekannte Journalist Roman Brodmann (1920 – 1990) beschreibt in der Folge, wie Politik und Medien mit dieser ungeheuerlichen Nachricht umgehen.
Brodmann räumt im Vorwort zu seinem Buch «Schweiz ohne Waffen» ein, sogar Leute, die seine journalistische Arbeit immer zu schätzen gewusst haben, hätten ihm den Vogel gezeigt. Sein Buch sei als Hirngespinst abgetan worden. Heute scheint Brodmann's Utopie nicht weniger illusorisch: Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) scheiterte 2013 mit der Volksinitiative zur Abschaffung der Wehrpflicht an der Urne. 73,2 Prozent der Stimmenden wollten keine freiwillige Milizarmee. Es ist kaum vorstellbar, dass die Abschaffung der Armee in naher Zukunft überhaupt zum Thema wird.
Brodmann schreibt im Vorwort zur zweiten Auflage: «Schweiz ohne Waffen war vereinzelt eine Weile Ladenhüter, meistens unter den Ladentischen. Es wäre geprahlt, zu sagen, es sei das Buch in Vergessenheit geraten; man hatte es gar nicht zur Kenntnis genommen.» Immerhin erschien das Buch in einer zweiten Auflage beim renommierten Zytglogge Verlag.
Roman Brodmann, Schweiz ohne Waffen, 24 Stunden im Jahre X, Zytglogge Verlag, 2. Aufl., Bern 1989. Die Erstausgabe erschien 1973 im Benteli Verlag Bern.
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Vergessene Bücher (Buchbesprechungen)
RandomBücher geraten in Vergessenheit - manche zu Recht, andere zu Unrecht. Hier bespreche ich "vergessene Bücher".
