Chapter 5

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Sonntag 10:29 Uhr. Ich wachte auf, weil sich etwas nasses durch mein Gesicht bewegte. Als ich hektisch die Augen aufschlug, sah ich Princes Zunge vor meinen Gesicht schweben. Ich schrie auf und schubste ihn von mir runter. Er jaulte, doch mein Entschluss stand fest: Dieser Hund würde nie wieder in mein Bett dürfen.

Als ich gerade die Treppe hinuntergestapft kam, sah ich durch die Küchentür wie Mom von ihrer gestrigen Bekanntschaft übermütig geküsst wurde und in mir breitete sich ein Würgereiz aus. Leider hatte ich so großen Hunger, dass ich trotzdem in die Küche ging und von beiden verdutzt angeschaut wurde. Ich ging zum Kühlschrank und holte mir die Milch raus, nahm mir die Cornflakespackung und eine Schüssel und ging nach oben. Dabei wurde ich von den beiden so angeschaut als wäre ich ein Krimineller, weil ich es gewagt hatte sie bei ihrem Geküsse zu stören. Wieder oben schaltete ich den TV an und schaltete durch alle Kanäle. Als ich den Fernseher gerade ausschalten wollte, kam eine Werbung von einer englischen Universität. Sie sah extrem teuer aus. Wir könnten uns einen Platz in dieser Uni niemals leisten. Nach der Werbung schaltete ich den Fernseher dann aber doch aus und hörte dabei wie die Haustür zufiel. Moms Bekanntschaft war jetzt also wieder gegangen. Kurz darauf hörte ich wie Mom die Treppe hochkam. Na toll jetzt kam sie wieder an, am heulen und total deprimiert, weil es mal wieder nicht der richtige war. Sie öffnete die Tür und ich machte mich schon auf eine Überschwemmung meines Zimmers gefasst, aber nichts derartiges passierte. Sie grinste mich an und setzte sich neben mich. Ich guckte sie verdutzt an. Was passierte hier? Warum war ich noch nicht in verheulten Taschentüchern versunken.
"Elena! Er ist der Richtige!"
Er heißt Thomas und ist Britte. Hat einen Sohn und eine Tochter aus erster Ehe und lebt eigentlich in London. Dort arbeitet er als Reporter bei einer Topzeitung.
"Wow, Mom! Das ist... Ja super! Aber wie lange geht das denn schon?
Sie umarmte mich und flüsterte mir ins Ohr:"Schön, dass du dich für mich freust!"
"Wenn er dich glücklich macht, macht das auch mich glücklich!"
Als sie sich von mir löste, beantwortete sie mir endlich meine Frage:"Also ich kenne ihn jetzt schon seit einem Monat und wir sind seit drei Wochen ein Paar."
Da ich gerade den Rest Milch aus der Müslischale trank, spukte ich einen Teil der Milch wieder in die Schale.
"Wie bitte? Ihr seid seit drei Wochen zusammen und ich erfahre erst jetzt davon!"
"Ja, du warst doch die ganzen Ferien bei Tante Ella in San Francisco. Anfangs habe ich ja gedacht, es würde wieder einmal nur was kurzes sein, aber es hat sich dann ja was draus entwickelt und ich wollte es dir persönlich sagen."
"Okay. Ich freue mich ja auch, aber warum ist er hier, wenn er doch eigentlich in London lebt?"
"Das ist der Haken an der Geschichte. Er ist hier auf Geschäftsreise und nur noch eine Woche in Deutschland.
"Okay. Aber jetzt mal abgesehen davon, dass er in England wohnt, ging das alles nicht sehr schnell? Ihr kennt euch eine Woche und werdet schon ein Paar."
"Nein Spatz. Ich liebe ihn so sehr wie ich noch nie jemanden geliebt habe und er war von Anfang an besessen von mir. Deswegen hat er mich heute morgen auch gefragt, ob wir beide zu ihm nach London ziehen wollen."
In dem Moment wo sie nach London ziehen sagte, verschwand das Lächeln aus meinem Gesicht.
"Spatz, überleg mal! London, davon hast du früher doch immer geträumt und jetzt soll dein Traum war werden! Und selbst bei der Schule hättest du keine Probleme, weil du ja fließend Englisch sprichst und schreibst!"
Sie hatte Recht! Nachdem Dad vor fünf Jahren starb träumte ich immer davon in London zu leben. Ich wollte weg aus meinem altem Leben, wo mich alles an Dad erinnerte. Und weil Dad aus London kam, wollte ich dort leben. Früher konnten wir und das allerdings nicht leisten, aber so wie es aussah war Thomas nicht arm, sonst könnte er sich dort kein Haus leisten.
Schon komisch das Mom sich immer in Engländer verliebt.
Im nächsten Moment fiel mir ein, dass wenn wir wegziehen würden, ich Spenc vielleicht nie wieder sehen würde. Und dann brach ich in Tränen aus. Wegen den Erinnerungen an Dad, wegen dem Gedanken Spenc für immer zu verlieren und weil irgendetwas in mir drin sagte, dass es das beste für mich wäre nach London zu ziehen, und ich das nicht akzeptieren wollte.

Whatever happens, I'll always love youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt