Einfach nur abhauen!

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PoV: Taddl

Ich stand gerade unter Dusche und versuchte mir diesen Mist aus meinem Gesicht zu waschen. Mal ehrlich was dachte sich Ardy manchmal? Erst trug er mich wie....wie seine Prinzessin in sein Bett, hielt fast die ganze Nacht meine Hand und am Morgen schmierte er mir diesen Mist ins Gesicht! Was sollte man bitte davon halten?!
Ein Klingeln schallte durch das Haus. Scheinbar waren gerade Dner, Izzi und Simon eingetroffen.

Dann sollte ich mich mal beeilen.
Schnell hüpfte ich aus der Dusche, zog die Klamotten, die ich mir vorhin einfach gegriffen hatte an und machte mir meine Haare.
Ich glaubte, die meisten Fangirls wussten gar nicht wie lange das dauern kann die Haare wenigstens in eine halbwegs 'normale' Form zu bringen. Heute zumindest gelang es mir nicht. Diese eine Locke stand die ganze Zeit ab und klebte noch immer. 'Diese beschissene Sahne.', murrte ich gedanklich.
Da mir das jetzt zu dumm wurde, nahm ich meine Lieblings Cap und setzte die einfach auf. Wenn die Menschen doch nur zu schätzen wüssten, dass Caps einen 'Bad-Hair-Day' so genial verstecken können. Naja so langsam machte ich mich Richtung Wohnzimmer auf.
Sie saßen alle schon auf dem Sofa und warteten, aber nun standen sie auf, gingen auf mich zu und eine morgendliche Umarmungszeremonie begann.

„Morgen euch allen.", grinste ich.
„Dir auch Morgen, Taddl.", sagte Simon und machte Platz, sodass Ardy mich auch umarmen konnte, aber ich wich aus und wandte mich Dner und Izzi zu. „Na ihr beiden? Was grinst ihr so? Ach und bevor ich so alles erzähle, müsst ihr mir mal sagen, was Simon meinte, dass ihr es mir sagen müsstet."
Izzi guckte Dner hilfesuchend in die Augen, als dieser nickte, entspannte sich sein Blick und er begann: „Ja, also Dner und ich...wir sind jetzt mehr als nur gute Freunde."
„Man, Izzilein, hör' auf das nur zu umschreiben. Wir sind jetzt zusammen!", rief er freudig aus und warf Izzi auf das Sofa. Er begann ihn am Hals zu küssen und wanderte immer weiter hoch bis zum Mund.
Sie schienen alles um sich herum zu vergessen oder wollten sie meine Reaktion einfach nicht wahrnehmen?
Ich hatte mir schon gedacht, dass diese zwei irgendwann zusammenkommen würden, aber das so zu sehen. Das war... keine Ahnung wie man das beschreiben sollte, aber ich müsste endlich mal eine Reaktion zeigen.
Mein Blick wanderte zu Ardy. Er stand immer noch an derselben Stelle, wo ich ihn den Rücken zugekehrt hatte und starrte die beiden an. 'Schon irgendwie beängstigend wie er da guckte- fast schon eifersüchtig. ', ging es mir durch den Kopf.
Jetzt hatte er bemerkt, dass ich ihn anstarrte und drehte prompt seinen Kopf weg.
'Gut, er wollte mir also nicht helfen angemessen zu reagieren. Was soll's ich kann auch alleine authentisch wirken. ', machte ich mir Mut.
„Leute lasst uns doch erst mal reden bevor wir nen Dizzy Porno drehen.", brachte Simon wieder alle zusammen.
Zwei erwartungsvolle und leicht ängstliche Blicke von Dner und Izzi hafteten auf mir. Ich holte Luft und sagte: „Aww, ihr seid ja echt knuffig. Was sollte man schon schlechtes über euch sagen? Ich steh' natürlich total auf eurer Seite und hoffe, dass ihr glücklich werdet, auch wenn ihr das bestimmt eh schon seid."
Ihre Augen wurden ganz groß und wieder fielen die zwei über mich her. Schmissen mich mit einer Umarmung auf den Boden und freuten sich einfach. Ich freute mich mit ihnen, denn ich meinte das natürlich ernst. Das T in Taddl steht doch für Toleranz. :D
Simon schien das Ergebnis des Gesprächs erwartet zu haben und grinste nur selbstzufrieden vor sich hin. Ardy hingegen sah immer noch nicht glücklich aus. Im Gegenteil. Er saß auf der Coach in der Ecke und starrte mit leeren Blick zu uns auf den Boden. Naja eher zu mir, da ich immer noch von den beiden runter gedrückt wurde. „Sag' mal wart ihr schon immer so kontaktfreudig? Lasst' mich doch mal aufstehen.", witzelte ich.
„Natürlich.", sagte Izzi. „Waren wir schon immer Herr Tjarks.", ergänzte Dner, schnappte sich seinen Izzi und zog ihn Richtung Tür. „Wir wollen noch was 'aufnehmen'", zwinkerte er.
„Hey, sag' das nicht so zweideutig. Wir wollen echt nur ein Outing-Video für die Fans drehen.", versuchte Izzi noch schnell richtig zu stellen und verschwand dann mit Dner aus der Tür.

„Okay. Dann erzähl ich den beiden halt nicht wie die Tour war... Ach, die können sich ja eh mal die Vlogs angucken."

„Das haben die schon längst. Aber ich hab so das Gefühl, dass etwas mit Ardy nicht stimmt.", macht Simon mich wieder auf Ardy aufmerksam.
„Simon nein... bitte muss das Gespräch echt jetzt stattfinden?", bettelte Ardy.
„Ja, muss es, denn ich hab mir vorgenommen, wenn du es Taddl nicht gestern sagen würdest, was du natürlich nicht geschafft hattest, dann würde ich das übernehmen. Ich schau mir das nicht länger an. Das geht einfach zu weit. In den letzen Wochen hattest du dich damit fast selbst zerstört und jetzt bist du dabei auch eure Freundschaft und mehr noch zu zerstören. Also Taddl: Ardy liebt dich, hast du gehört?

„Ardy liebt dich. Ardy liebt dich. Ardy liebt dich.", hallte es durch meine Kopf. Den Anfang des Gespräches hatte ich ausblenden können, aber dies überstieg mein Können.
Geahnt hatte ich es. Mir vorgestellt hatte ich es. Mir ausgemalt, wie es wäre mit meinem Brudi zusammen zu sein. Nein, das würde nicht gutgehen. Ich hatte nicht die Bedenken, dass das unsere Freundschaft zerstöre, sondern eher mich und ihn.
„Ich habs gehört.", fing ich langsam an. „Brudi, ich weiß nicht was ich dir jetzt antworten soll. Ich muss einfach mal raus.", mit diesen Worten ergriff ich mein Longboard. Ich drehte mich um, nahm meinen Rucksack und hoffte, dass mich einer von ihnen aufhalten würde, doch beide machten keine Anstalten irgendwas zu tun. Sie ließen mich gehen und mir liefen die ersten Tränen mein Gesicht runter. Außer heulen und wegrennen konnte ich nichts. Hatte noch nie etwas anderes gekonnt.

Mit einen letzten, von Tränen verschleierten Blick, sah ich sieh an. Ich konnte nicht erkennen, ob sie verstanden warum ich jetzt weinte oder ob sie mich einfach nur mitleidig anblicken. Wahrscheinlich beides..."Ardy es tut mir leid, dass ich so ein Spast bin.", flüsterte ich.
Hoffentlich würden sie es noch hören, aber auch wenn nicht, ich käme wieder nachdem ich mit mir selbst im Reinen wäre.

Wo sollte ich hin? Wie lange würde ich wegbleiben?
Mit meinem Longboard fuhr ich scheinbar ziellos durch Köln, bis ich am Hauptbahnhof stand. Mein Verstand hatte meine Beine gelenkt. Meine Beine hatten meine Longboard gelenkt und mein Longboard hatte mich zum Hauptbahnhof Köln gelenkt. Nun hätte ich mehrere Möglichkeiten, wo ich pennen könnte: Bei meinem früheren besten Kumpel Marti, bei Wiebke, die mit Marti soweit ich wusste schon länger zusammen war oder bei den Apfelkriegern. Wiebke und Marti wollten bestimmt nichts mehr mit mir zu tun haben, also fiel die Entscheidung somit schnell zu Gunsten der Apfelkrieger aus.

Ein Ticket war schnell aus dem Automarten gezogen. Die Kapuze hatte ich über den Kopf gestülpt, damit niemand mich so verheult erkennen würde. So saß ich in einem wenig besetzten Wagon und hörte irgendwelche Songs von meiner Playlist. Da fiel mir grad noch rechtzeitig ein, dass ich Chan wenigstens schreiben müsse, dass ich komme.

>>Hey, Chan. Kann ich eine Weile bei euch wohnen?<<

>>Ähm, klar aber was ist mit Köln? Ist was passiert?<<

>>Erzähl ich euch dann...bin afk bs<<

Ich machte mir nicht mal die Mühe viel zu schreiben und schon gar nicht irgendwelche Smileys zu tippen. Warum auch? Chan konnte man alles erzählen. Er kam mir schon immer wie ein Vater vor. Er wäre hundertprozentig auch ein besserer Vater als meiner gewesen.

Der Zug rollte auf den Schienen nur so dahin und mein Blick glitt melancholisch über die nun grüne Fläche. Wälder und Felder- ein schöner Anblick und doch waren es genau diese abgeschiedenen Dinge, die mich mit Ardy in eine gemeinsame Wohnung nach Köln führten. Wir wollten Youtuber sein und dabei zusammen unseren Traum vom leichten Leben führen. Wie hatte ich mich nur geirrt. Hätte ich gewusst, dass mir so schwierige Entscheidungen bevorstünde, wäre ich einfach in meinem Dorf geblieben. Wäre dann doch ein Graphikdesinger geworden. Hätte Ardy nur noch seltener gesehen und es wäre nie zu diesem Schlamassel gekommen.

„Hätte, hätte, hätte. Hätt' der Hund nicht geschissen, hätt' er nen Hasen gefangen."
Hieß es doch in einem Sprichwort. Genauso würde ich jetzt auch das Beste aus der Situation holen und Chan um Rat fragen.

Sehnsucht nach ihmGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt