Ein unvergessliches Erlebnis

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Hermine:    
Nach Verwandlung war Hermine noch schnell aufs Klo gegangen. Harry war schon mal in die große Halle gegangen und Ron war, ohne ein Wort an Harry oder Hermine zu verlieren, schnell aus dem Klassenzimmer gelaufen. Das machte Hermine traurig. Wenn Ron doch nur verstehen würde, dann könnten sie alle gemeinsam einen Plan schmieden, wie Harry es anstellen könnte, dass er mit Draco zusammenkommen könnte. Und außerdem, worauf Hermine sich noch mehr freute, war, dass sie wieder in Rons Nähe sein konnte. Das löste ein Kribbeln in ihrem Bauch aus.
Sie machte sich auf den Weg in die große Halle, doch sie wurde von einer Gestalt abgelenkt, die vor ihr auf dem Gang auf- und ab ging. Als sie sich näherte, schrak die Gestalt auf und drehte sich zu ihr um. Es war Draco.
„Hallo", sagte Hermine und sah ihn verwirrt an.
„Ähm, hallo Hermine", sagte Draco und sah sie aus seinen grauen Augen an.
„Ich weiß, wir haben uns bisher gehasst, aber meinst du nicht, dass wir das beenden sollten?", fragte er.
Hermines Herz ging schneller. Das war doch bestimmt gut für Harry.
„Ja, warum nicht", meinte sie.
„Da wäre noch eine Sache", begann Draco und sah über die Schulter, um sich zu versichern, dass niemand sie belauschte. „Würdest du mir vielleicht einen Gefallen tun?"
„Ja, worum geht es?", fragte Hermine, das waren doch wirklich gute Neuigkeiten.
Draco trat näher zu ihr. „Ich weiß, unter normalen Umständen würdest du das nie einwilligen, aber kann ich dich kurz küssen?" Er sah sie geradeheraus an.
Hermine erschrak. Was war das denn? Das ging auf keinen Fall.
„Also wenn das ein Gefallen sein soll, dann kann ich ihn dir nicht tun", meinte sie bestimmt.
„Du verstehst nicht", sagte Draco und tat noch einen Schritt nach vorne.
Er war einen Kopf größer als sie und sie musste hochsehen, um ihm in die Augen zu blicken.
„Nein, ich verstehe wirklich nicht, was mit dir los ist", stimmte Hermine zu.
Draco biss sich auf die Lippe. Dann geschah alles so schnell, dass Hermine nichts dagegen tun konnte. Draco hatte sich nach vorne gebeugt und sie kurz und fest auf die Lippen geküsst. Sie riss sich los und sah ihn fassungslos an. Ein aufgebrachter Ausdruck erschien auf Dracos Gesicht und er spannte seinen Kiefer an, als wolle er etwas sagen. In einer anderen Situation hätte Hermine ihn vielleicht als gutaussehend bezeichnet, aber jetzt war sie einfach nur enttäuscht von ihm.
Hinter sich hörte sie Schritte.
„Hermine, wo bleibst du denn...."
Es war Harry und er stockte, als er Draco und Hermine sah.
„Ich komme ja schon", sagte Hermine schnell und es gelang ihr nicht ganz, ihren Ärger und ihre Enttäuschung aus ihrer Stimme zu verbannen. Sie lief los und warf Draco über die Schulter einen tödlichen Blick zu.
Sie wollte Harry noch nicht davon erzählen, sie brachte es nicht übers Herz.

Draco:
Jetzt wusste Draco, warum es ihm so davor gebangt hatte, Hermine zu küssen, abgesehen von der Tatsache, dass er sie dazu hatte zwingen müssen. Es war, weil er jemand anderen liebte. Und dieser Jemand war Harry Potter. Der Auserwählte. Als Harry in den Gang gekommen war, nachdem Draco Hermine geküsst hatte, hatte Draco sich jäh zu ihm hingezogen gefühlt. Harry hatte einfach nur dagestanden, doch Draco fand das mehr als attraktiv. Harrys strahlend grüne Augen hatten im Lichtstrahl, der durch ein schmales Fenster gefallen war, hell geleuchtet und ihn schier geblendet. Außerdem waren unter dem Hogwartsumhang des Kleineren breite Muskeln zu erkennen gewesen. Aus einer Beziehung würde selbstverständlich nichts werden, weil er, Draco, erneut einen riesigen Fehler gemacht hatte. Klar, er hatte die Wette gewinnen müssen, doch er wusste trotzdem nicht, was in ihn gefahren war. Wenn er jetzt so darüber nachdachte, würde ihm das nie in den Sinn kommen, Hermine gegen ihren Willen zu küssen. Das war doch ekelhaft von ihm. Natürlich war er aber wieder zu feige gewesen, das Verlieren der Wette zu akzeptieren. Dann hätte die ganze Schule eben erfahren, dass er schwul war und auf Harry Potter stand, doch das stand gar nicht in Relation mit der Tatsache, dass er soeben Hermine, die beste Freundin des Jungens, in den er sich verliebt hatte, dazu gezwungen hatte, ihn zu küssen.
Eigentlich wollte er Blaise gar nicht davon erzählen. Es tat ihm so weh im Herzen, dass er sich fragte, womit er es überhaupt verdient hatte, zu leben. Kein anderer Mensch machte doch so viele Sachen falsch!
Er fuhr sich durch die weiß-blonden Haare und beschloss, eine Runde rauszugehen.
Am liebsten wäre er auf der Stelle zu Harry gegangen und hätte ihn geküsst, doch er konnte ihm vor schlechtem Gewissen noch nicht einmal in die Augen sehen.

Die Wette, die alles zerstörte? Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt