Unter endlosen Schichten Staub blitzte eine goldene Kette hervor. An ihr hing ein opulenter Anhänger. Sie sah näher hin und versuchte einige Schichten Staub weg zu pusten. Als Taika sah, was sich unter dem Staub verbarg, spürte sie wie ihr Herz kurzzeitig aufhörte zu schlagen. Sie konnte sich kaum von dem goldenen geflügelten Drachen der sich um einen blauen Edelstein schlängelt lösen. Völlig autark umschloss sie ihn mit ihrer Faust. Sie hätte schwören können dass das Schmuckstück im Inneren ihrer Faust zu glühen und pulsieren begann. Allerdings in keinster Weise schmerzhaft, sondern eher ein warmes kribbeln welches immer intensiver wurde. Ihr war so, als würde sie nach einer langen Reise wieder zum ersten mal ihr Zuhause betreten. Taika legte sich die Kette an und redete sich ein, dass sie nur mal gucken wollte, ob es ihr wohl stehen würde. Was völlig überflüssig war, denn in diesem Raum gab es keinen einzigen Spiegel, ihre Handtasche mit dem praktischen Handspiegel lag noch in Nates Appartement und ihr Smartphone verweigerte den Dienst. Es lies sich gar nicht erst aus dem Standby holen. "Na toll" murmelte sie. Taika ging verschiedene Möglichkeiten durch warum ausgerechnet jetzt ihr Smartphone versagte als sie plötzlich bemerkte, dass der Ring sich nicht mehr drehte. Sie ließ den Anhänger unter ihr Oberteil wandern und ging näher heran. Immer noch konnte sie die merkwürdigen Schwingungen zwischen Nathaniel und Alexandra spüren.
"Siehst du es?" fragte Alexandra ein bisschen angenervt und funkelte ihn an. Der Ring hatte auf den Buchseiten eine Art Karte eingebrannt. Feine, leicht verkohlte Linien stellten Straßen und Wege dar und an einer Stelle markierte ein großes X wohl Tanes Standort. Nathaniel beugte sich etwas näher zum Tisch als würde er nicht richtig sehen können. "Das scheint am Südstrand zu sein" entfuhr es Taika. Nathaniels Kopf schreckte hoch und blickte Taika finster an. "Scheint so." entgegnete Alexandra. Ein Lächeln umspielte ihre zarte Mundpartie und Taika wusste, dass dies die Art des Lächelns war, was man zeigte, wenn man sich den jeweils anderen überlegen fühlte. Gute Miene zum bösen Spiel oder so ähnlich. Taika wollte sich unauffällig hinter Nathaniel stellen aber der hatte schon unsanft ihre Hand gegriffen und stapfte Richtung Haustür. "Danke für deine Hilfe, Alex!" rief er noch aus Höflichkeit. "Natürlich." entgegnete sie ihm so freundlich wie möglich, immer noch mit diesem unheimlichen Lächeln auf den Lippen. Sie waren kaum aus der Tür raus als Nathaniel schnell nach Links und Recht schaute. Das "Halt dich fest!" kam zu spät.
Bei Taika drehte sich alles und als ihr Körper sich wieder materialisierte, konnte sie weder richtig auf den Beinen stehen noch etwas sehen. Sie hielt sich an Nathaniel fest und war froh, dass sein Griff so fest gewesen war. "Alles gut?" fragte er viel sanfter als sie es erwartete. "Meine Beine sind ziemlich wackelig und sehen kann ich auch nicht richtig. Es dreht sich alles." entgegnete Taika und versuchte nun auch mit der anderen Hand was zum festhalten zu finden, griff aber ins Leere. Völlig unerwartet nahm Nathaniel sie in den Arm und gab ihr den Halt, den sie jetzt gerade brauchte. Zusammen sackten sie auf den Boden und blieben umschlungen sitzen. Taika spürte, wie ihr Körper sich beruhigte und ihre Sehkraft langsam zurück kehrte. Trotzdem wollte sie sich Nathaniel nicht entziehen. Einerseits hatte sie Angst, den halt zu verlieren, andererseits fühlte sich sein Körper, besonders weil er so nah an ihrem war, sehr gut an. Um die Stille zu brechen, entschied Taika sich, einfach selbstbewusst aufzutreten. "Was war da bei Alexandra los? Ich habe mich die ganze Zeit unwohl und fehl am Platz gefühlt." fragte sie gerade heraus und hoffte, dass die Antwort nicht zu sehr an ihrem geheuchelten Selbstbewusstsein kratzen würde. "Dann ging es dir wie mir."
"Wie meinst du das? Du wirktest auf mich ziemlich abgeklärt und hast mich überhaupt nicht mit einbezogen. Das war ziemlich fies. Besonders deshalb, weil ich von all den Dingen da keine Ahnung habe." Nathaniel lehnte seine Stirn erschöpft gegen Taikas Schläfe. Dieses bisschen Intimität sorgte bei Taika erneut für weiche Knie. Wie gut, dass sie bereits am Boden saßen, spätestens jetzt wäre sie zusammen gesackt. Nathaniel atmete tief durch. "Jeder Vampir hat besondere Fähigkeiten. Manche sind weit verbreitet und andere wiederum einzigartig. Und je nach dem, wie geübt ein Vampir ist, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich. Meine Fähigkeit besteht darin, dass ich mein Bewusstsein erweitern kann. Davon gibt es viele verschiedene Levels. Und ich bin so gut darin, dass ich unter anderem die Auren von Lebewesen wahrnehmen kann. Die Aura von Hexen ist ziemlich komplex und sie knistern im Kopf - wie ein donnerndes Gewitter. Normalerweise kann ich meine Fähigkeit abschalten damit sie mir selbst keinen Schaden zufügt, aber bei Alexandra funktioniert das nicht immer. Ich weiß nicht warum. Und sie weiß das nur zu gut und macht sich gerne einen Spaß daraus." Nate atmete durch. "Außerdem waren wir vor langer Zeit mal zusammen. Ich glaube, wenn man nicht im guten Auseinander gegangen ist, ist so ein aufeinandertreffen immer komisch. Und dann konntest du auch noch die Karte lesen. Das können nur besonders mächtige, magische Wesen. Hexen absorbieren gerne mal die Kräfte von mächtigen Wesen um selbst stärker zu werden. Und weil Alexandra eben Alexandra ist, habe ich Angst um dich bekommen. Es tut mir Leid, wenn ich mich dir gegenüber doof verhalten habe. Das war nicht meine Absicht."
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afterlife
Vampire***Achtung: explizite Darstellung sexueller und gewalttätiger Szenen*** Taika Roth ist eine junge Studentin mit einem normalen ruhigen Leben in der Kleinstadt Williamshaven. Sie liebt Ordnung, gutes Essen und ist für jegliche Art von Abenteuer zu ha...
