Ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, wie es außerhalb des halb dunklen Raumes aussah, in dem ich die letzten 2 Tage verbracht hatte. Daher traf mich der Anblick der modernen und doch gemütlichen Wohnung völlig unvorbereitet. Loki führte mich aus dem Zimmer und einen kleinen Flur entlang, bis wir in einer geschmackvoll eingerichteten Wohnküche standen. Links war eine Küchenzeile mit einer Theke, die die Küche vom Wohnzimmer trennte und in der Luft lag wieder der angenehme Geruch nach Zimt, der mir schon aufgefallen war, als ich zum ersten mal an diesem Ort aufgewacht war. In der Küche sah ich einen Herd, einen Kühlschrank und mehrere Schränke, die entweder als Arbeitsfläche dienten oder an der Wand hingen. Rechts stand von der Küche abgewandt ein grau-grünes Sofa. Ich fand, dass es sehr gemütlich aussah und hätte mich gerne darauf gesetzt, doch Loki hatte mein Handgelenk noch immer nicht losgelassen und zog mich zur Küchentheke. Dort angekommen ließ er mich endlich los und ich lehnte mich gegen die Theke. Ich spürte, dass meine gewohnte Kraft in Armen und Beinen noch nicht voll wieder hergestellt war, doch ich fühlte mich auch nicht mehr krank wie vorher. Während ich meinen Gedanken nachhing bemerkte ich, wie Loki begann Wasser aufzusetzen und aus mehreren Schränken Tassen und Teller zusammensuchte. „Hast du irgendeinen Wunsch zum Frühstück?", fragte Loki, als er ein Tablett mit jeweils zwei Tassen und tellern neben mich auf die Theke stellte. „Kaffee", murmelte ich, während ich ein Gähnen unterdrückte. Loki lachte leise und wandte sich dann wieder dem Wasserkocher zu. „Das krieg ich hin." Ich gähnte herzhaft und ging mich dann um die Theke herum. Auf der Rückseite standen zwei Barhocker, die jedoch dank lederner Polster sehr gemütlich aussahen. Ich schob mich auf einen der Stühle und stützte den Kopf um die Hände. Ich merkte erst jetzt, wie müde ich war und bemühte mich, die Augen offen zu halten. Loki hatte inzwischen zwei Tassen Kaffee gekocht und stellte eine davon vor mich auf die Theke. „Milch oder Zucker?" „Beides, wenn du hast", sagte ich, während ich den herrlichen Duft des Kaffees vor mir einatmete. Ich wollte gar nicht darüber nachdenken, wie lange ich ohne mein Lieblingsgetränk aushalten musste, darum schloss ich meine Hände fest um die Tasse und lies das Getränk meine Hände wärmen. Als ich Milch und Zucker in meinem Kaffee hatte nahm ich einen großen Schluck. Loki hatte vorzüglichen Kaffee gekocht, der mir warm den Hals runter rann. Ich schloss die Augen und genoss den vertrauten Geschmack des Kaffees. Erst als ich die Augen wieder öffnete bemerkte ich, dass Loki mich angrinste. „Was?", fragte ich leicht genervt. „Nix", sagte er, noch immer grinsend. „Ich hab nur noch nie jemanden gesehen der Kaffee so sehr genossen hat." Ich grinste schief und nahm noch einen großen Schluck. „Warum riecht es hier eigentlich so nach Zimt?", fragte ich, im Versuch das Gespräch auf etwas anderes zu lenken. Loki's Grinsen wurde noch etwas breiter als er merkte dass ich abzulenken versuchte, er ging aber nicht weiter darauf ein. „Ich habe Zimtbrötchen gebacken bevor uns die Chitauri angegriffen haben und ich bekomme den Geruch nicht weg." Ich verschluckte mich an meinem Kaffee und hustete so sehr, dass Loki mir auf den Rücken klopfen musste. Als ich wieder Luft bekam versuchte ich ein breites Grinsen zu unterdrücken als ich sagte: „du hast Zimtbrötchen gebacken?" Loki sah mich verwundert an. „Ja, warum nicht?" „Nein, alles gut, ich hab nur nicht damit gerechnet dass die dich quasi in der Küche überfallen haben", lachte ich. Loki's Mundwinkel zuckten. „Willst du eins probieren?" Ich zuckte grinsend mit den Schultern. „Warum nicht?" Er nickte, stand auf und ging zu einem der Schränke, aus dem er eine bunte Dose holte und sie geöffnet auf die Theke stellte. Aus der Dose stieg ein wunderbarer Duft nach Zimt und ich sah neugierig hinein. Die Zimtbrötchen waren etwas unförmig doch hatten eine wunderbare braun-goldene Färbung. „Nimm dir eins", sagte Loki. Ich griff lächelnd nach einem der Brötchen und biss hinein. Sie schmeckten herrlich nach Zimt und ich genoss den Geschmack auf der Zunge. „Die sind echt gut!", sagte ich zwischen zwei Bissen. Loki lächelte. „Danke." Als ich das Brötchen aufgegessen hatte widmete ich mich wieder meinem Kaffee. Er schmeckte mit dem Geschmack nach Zimt im Mund noch besser und ich genoss jeden Schluck. „Was ist denn jetzt eigentlich der Plan?", fragte ich, als ich wach genug war wieder zu denken. Loki setzte sich wieder neben mich auf den anderen Stuhl. „Du packst deine Sachen und dann werden wir einen kleinen Ausflug machen." „Und du wirst mir nicht sagen wohin, oder?", fragte ich misstrauisch. „Keine Chance", grinste er. Ich verdrehte nur die Augen. „Aber sie werden dir helfen können", fügte er wieder ernst hinzu.
Nachdem ich noch eine weitere Tasse Kaffee getrunken hatte ging ich in das Zimmer, um meine restlichen Sachen zu holen. Zurück in der Küche gab Loki mir meine Tasche, in der ich mein Handy verstaute. Meine Ringe und Armbänder hatte ich wieder angelegt. „Können wir?", fragte er mit einem Schmunzeln. Ich nickte, obwohl sich ein flaues Gefühl in meinem Magen auszubreiten begann.
Loki führte mich durch die Straßen von Manhattan. Die Sonne schien Mir kam es vor als würden wir eine Ewigkeit einfach nur nebeneinander her laufen, während neben uns auf den Straßen die Autos sich träge durch den Feierabendverkehr schleppten. Es war mittlerweile halb sechs und mir kam es vor, als würde die Straßen platzen vor der Menge an Autos, die auf ihnen ihren Weg suchten. So war es immer, wenn ich nach Manhattan kam. Ich fühlte mich erschlagen von der schier unzählbaren Menge an Fahrzeugen, die sich durch die Straßen wandten und der Geruch nach Abgasen brachte meine Nase zum kribbeln, als würde ich jeden Moment niesen müssen. Loki lief eine breite Straße entlang und bog dann nach links ab, als sich plötzlich am Ende der Straße ein riesiger Turm in den Himmel streckte. Er schimmerte Silber und reflektierte die Sonnenstrahlen, die ihm einen Hauch goldene Farbe gaben. Ich blieb stehen und schaute wie verzaubert an dem Gebäude nach oben. Es war nicht viel kleiner als die höchsten Wolkenkratzer in der Umgebung, doch hatte eine auffallende Form. Er sah aus wie ein Dreieck, das nach oben hin spitz zu lief, doch auf die Spitze schien ein futuristisches Haus mit einer riesigen Terrasse gesetzt wurden zu sein. Ich erkannte an der Seite des Turms ein blau leuchtendes „A". „Was ist das?", fragte ich, noch immer verblüfft über dieses Bauwerk, was mir vorher noch nie aufgefallen war. „Der Avengers-Tower", sagte Loki, während er mir einen Seitenblick zuwarf. Ich ignorierte ihn und gingauf das Bauwerk zu. Loki lief hinter mit her und packte mich am Arm. Loki war sichtlich verwirrt: „du kennst es nicht?" Ich runzelte meine Stirn und sah ihn an. „Was meinst du?", fragte ich zurück. Er schüttelte den Kopf, als währe ihm gerade ein anderer Gedanke gekommen. „Egal, vergiss es." Er lief los in Richtung des Tower, bevor ich nachfragen konnte. „Loki!", rief ich ihm hinterher, doch er reagierte nicht. Ich schloss zu ihm auf und nebeneinander legten wir die letzten Meter schweigend zurück. Loki schien der Tower vertraut, denn er brachte mich zu einer Tür an der Seite des Gebäudes, die aussah wie eine Fahrstuhltür. Als wir dort ankamen stoppte Loki plötzlich so abrupt, dass ich fast gegen ihn gelaufen währe. Ich machte einen Schritt zur Seite um zu sehen, weshalb er so plötzlich angehalten hatte und sah einen Mann, der anscheinen gleichzeitig mit uns, jedoch von der anderen Seite des Gebäudes auf die Tür zugesteuert hatte. Der Mann war ungefähr so groß wie Loki, ich schätzte ihn auf gute 185 cm, vielleicht etwas mehr, und durchtrainiert. Er hatte kurze, dunkelblonde Haare und trug ein schwarzes, ärmelloses Sportshirt, das leichte Spuren von Schweiß aufwies und dazu eine schwarze Jogginghose. Auch sein Gesicht wirkte etwas verschwitzt, als währe er gerade eine Runde joggen gewesen. „Loki! Schön dich zu sehen", sagte er. Er wirkte ebenso überrascht wie ich, doch er lächelte Loki freundlich an und streckte seine Hand aus. Der wiederum schenkte dem Mann nur ein abwesendes Lächeln und bemerkte deren ausgestreckte Hand nicht. Erst als ich ihm meinen Ellenbogen in die Seite rammte schien er aus seinen Gedanken zu erwachen und ergriff die ausgestreckte Hand. „Ebenfalls", sagte er und lächelte nun offener. „Wir hatten nicht gedacht, dass du uns nochmal besuchen kommst", sagte der Mann, immer noch lächelnd. „Ich bin nicht hier um euch einen Besuch abzustatten. Ich, also eigentlich wir, brauchen eure Hilfe." Der Mann, der mich vorher anscheinend noch gar nicht wahrgenommen hatte, lächelte mich nun ebenfalls freundlich an, als Loki einen Schritt zur Seite machte. „Hey, ich bin Clint. Clint Barton", sagte der Mann und streckte auch mir seine Hand hin. Ich ergriff sie, ebenfalls lächelnd. „Und welche Art von Hilfe können wir euch bitten?", fragte Clint, wieder an Loki gewandt. „Das erzähle ich dir wenn die anderen auch dabei sind", meinte Loki, während er einen Knopf neben der Tür drückte. „Du bringst sie einfach in unser Hauptquartier? Hast du das mit Tony abgesprochen?" Clint wirkte überrascht, doch auch etwas empört über Loki's Idee. „Ja, stell dir vor, er weiß davon. Ich würde doch nie etwas gegen eure Erlaubnis tun", sagte Loki und ich hörte deutlich einen genervten Unterton. Clint schien ihn auch gehört zu haben und verdrehte die Augen. „Natürlich nicht", sagte er, und seine Stimme triefte fast vor Sarkasmus. Ich war zu perplex über den schnellen Umschwung der Stimmung, um irgendwas zu sagen. Zum Glück schwang die Tür auf und gab den Blick auf eine Kabine frei, die an beiden Seiten verglast war und an der hinteren Wand einen Spiegel aufwies. Clint ging als erstes in den Aufzug und danach Loki, dem ich etwas verzögert folgte. In dem Fahrstuhl drückte Clint auf einen Knopf und der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung, nachdem sich die Türen geschlossen hatten. Wir fuhren in schnellem Tempo nach oben. Während der gesamten Fahrt sprach keiner ein Wort und die Spannung in der Luft war deutlich spürbar. Ich lehnte mich gegen die verglaste Wand und versuchte angestrengt zu verstehen, wie die Stimmung so schnell kippen konnte. Ich befürchtete gerade, dass die beiden es nicht mehr lange schaffen würde, sich gegenseitig zu ignorieren, als der Fahrstuhl endlich stehen blieb und die Türen sich wieder öffneten. „Die anderen sind im Wohnzimmer", sagte Clint und lief los. Loki und ich folgten ihm durch einen Flur in einen großen Raum, in dem es sich vor einem riesigen Fenster mit Blick auf die Stadt mehrere Personen auf gemütlich aussehenden Sofas bequem gemacht hatten. Als Clint mit Loki und mir eintrat blickte der Mann, der uns am nächsten saß, sich um. Er hatte kurze, dunkle Haare und Bart. Er blickte uns überrascht entgegen, als Clint auf ihn zu ging. „Barton, was wird das hier?", fragte er in etwas genervtem Ton, als er Loki sah. Clint wollte antworten, doch Loki kam ihm zuvor: „Stark, ich hab dir gesagt ich brauche Hilfe." Der Mann nickte einmal. „Du hast etwas in der Richtung angedeutet, ja." Ich sah, wie Clint sich entspannte. Er schien nicht geglaubt zu haben, dass Loki unseren Besuch tatsächlich angekündigt hatte und ich konnte es ihm nicht verübeln. Auch wenn ich nicht wusste, woher dieses Gefühl kam. „Und welche Hilfe können wir dir geben?", fragte der Mann Loki, mit einem gewissen Anteil Spott in der Stimme. „Ich brauche eure Hilfe nicht für mich", sagte Loki und trat einen Schritt zur Seite, wodurch der Blick der Anwesenden auf mich viel, „sondern für sie." Der Mann nickte langsam. Dann streckte er mir die Hand entgegen und lächelte freundlich. „Tony Stark." Ich lächelte etwas verhaltender zurück und ergriff seine Hand. „Jyn Campbell. Angenehm, Mr. Stark", sagte ich. „Nenn mich Tony, bitte." Ich nickte. Tony wandte sich wieder Loki zu. „Und welche Hilfe braucht sie?" Loki senkte die Stimme: „es wäre mir lieber, wenn wir das in kleinem Kreis besprechen würden." Tony nickte. „Wer?" „Du, Strange und die Maximoff." Tony runzelte kurz die Stirn, doch dann nickte er wieder und wies auf einen Tür am anderen Ende des Raumes. „Ich hole sie, wir treffen uns im Meetingraum." Loki nickte. Er legte eine Hand auf meinen Rücken und schob mich in Richtung der Tür. Doch ich sah nicht ein weshalb ich so tun sollte als wäre ich ein kleines Kind und ging einen Schritt schneller, um die Hand auf meinem Rücken loszuwerden. Als ich am anderen Ende des Raumes angekommen war, hatte Loki mich wieder eingeholt und öffnete grinsend die Tür. Ich verdrehte die Augen und ging in den Raum, der dahinter lag. In der Mitte des Raumes stand ein langer Tisch, an dessen Seiten Stühle standen. Auf dem Tisch lagen mehrere Papiere, die ich nicht zu genau lesen wollte, da ich davon ausging, dass mich ihr Inhalt nichts anging. „Was ist?", fragte Loki, noch immer grinsend, nachdem er die Tür wieder geschlossen hatte. „Ich bin kein kleines Kind mehr und außerdem wieder völlig gesund, ich brauche keine Hilfe beim laufen", bemerkte ich spitz. Loki hob beschwichtigend die Hände. „Ich wollte nur freundlich sein." „Dann musst du das wohl nochmal üben. Auch wenn du es nicht glauben magst, aber ich kann das schon selbst." Loki kam auf mich zu, bis er wenige Schritte vor mir stand. „Was ist los?" Ich kam nicht mehr dazu ihm zu antworten, denn in dem Moment flog die Tür auf und Tony kam indem Raum, gefolgt von einem Mann mittleren Alters und einer jungen Frau. Ich schätzte sie nicht viel älter als ich, höchstens 25. Sie hatte rot-braune Haare, die ihr in leichten Wellen über den Rücken fielen. Sie bemerkte meinen Blick und lächelte mich freundlich an. Ihre Augen waren grün-grau und seltsamerweise kamen sie mir sehr vertraut vor. Ihre Augen weckten eine längst vergessene Erinnerung in mir, doch bevor ich weiter darüber nachdenken konnte lenkte Tony's Stimme meine Aufmerksamkeit zum anderen Ende des Raumes. Ich spürte noch den Blick der jungen Frau auf mir, als er begann. „Ich will das hier so schnell wie möglich hinter mich bringen, also kommen wir am besten direkt zum Punkt." „Meinst du nicht wir sollten vorher wissen mit wem wir überhaupt die Ehre haben?", bemerkte der Mann, der Tony gefolgt war. Er war hochgewachsen und seine dunklen Haare waren nach hinten gekämmt und ähnlich wie Tony hatte er einen Bart, der sein Mund und sein Kinn einrahmte. Über einem blauen Gewand, dessen Herkunft ich nicht deuten konnte, trug er einen scharlachroten Umhang und eine Kette, an der ein Amulett in Form eines Auges hing. Tony wirkte kurz aus dem Konzept gebracht, fing sich aber gleich wieder. „Gut, dann eben erst die allseits beliebte Vorstellungsrunde", seufzte er genervt. „Strange, fangen sie an." Der Mann, der Tony eben unterbrochen hatte, nickte leicht. „Dr. Stephen Strange, angenehm", sagte er an mich gewandt, da alle anderen anwesenden ihn offensichtlich bereits kannten. Ich nickte nur, da trat auch schon die Frau zu mir. Sie lächelte ein warmes, offenes Lächeln, das ihre Augen zum strahlen brachte. Wo sie so vor mir stand bemerkte ich, das sie geschätzte 15 cm größer war als ich. Sie musterte mein Gesicht, als hätte sie mich schonmal gesehen, doch als läge diese Erinnerung weit zurück. Tony's Stimme riss uns schließlich beide aus unseren Gedanken. „Wanda Maximoff", erklärte er leicht genervt. Sie streckte mir ihre Hand entgegen. „Einfach Wanda", sagte sie dann. Ich ergriff ihre Hand mit einem ebenso freundlichen Lächeln. „Jyn", sagte ich, da mir einfiel, dass die beiden meinen Namen noch nicht kannte. „Jyn Campbell", sagte ich, als Wanda wieder zurück auf ihren Platz ging. Tony nickte leicht genervt und wandte sich dann an Loki. Aus seinem Ton sprach deutlich, das unser, oder eigentlich Loki's Anliegen, ihn nicht sehr begeisterte: „Wenn ihr jetzt wohl so freundlich wärt uns in eure Angelegenheiten einzuweihen." Ich ahnte, dass Loki nur mit Mühe ein Augenrollen zu unterdrückte und verkniff mir ein Lachen. Loki warf mir einen Seitenblick zu, den ich nicht ganz deuten konnte, wandte sich dann aber an die Anwesenden. „Es geht darum, dass..", er zögerte kurz, als würde er überlegen, ob es wirklich klug war die Umstände den anderen mitzuteilen, fuhr dann aber fort: „dass Jyn magische Fähigkeiten besitzt." Jetzt war es raus. Ich beobachtete die anderen, wie sie diese Information aufnahmen. Dr. Strange hob nur leichte das Kinn und Wanda wirkte so, als wäre sie davon nicht sonderlich überrascht, was wiederum mich sehr überraschte. Sie sah mich an und lächelte leicht. Und Tony wirkte sowieso, als wäre er schon längst in alles eingeweiht. „Ich kann mit ihrer Art der Magie nicht umgehen, da sie sich grundlegend von meiner Magie unterscheidet", fuhr Loki fort. „Sie erinnert mich eher an die Magie, die Wanda praktiziert." Das wiederum schien für alle Anwesenden neu zu sein. Wanda sah Loki an und ich meinte in ihrem Blick so etwas wie Hoffnung zu sehen, doch sicher war ich mir nicht. Außerdem hatte ich keine Zeit darüber nachzudenken, denn Loki war noch nicht am Ende: „Ich kann sie nicht trainieren oder ihr helfen mit ihren Kräften umzugehen, doch das ist notwendig wenn wir eine Katastrophe verhindern wollen." Ich zog verärgert die Augenbrauen zusammen. So eine große Gefahr war ich doch nun auch wieder nicht. Doch Loki schien da anderer Meinung. „Ich habe Stark gebeten euch hierher zu bringen da ich der Meinung bin, dass ihr in dieser Situation die besten seid, um ihr zu helfen." Er blickte nacheinander Stephen und Wanda an. Tony zog einen der Stühle von dem Tisch weg und setzte sich. Stephen ergriff das Wort: „Was meinst du, wenn du sagst, ihre Magie ähnelt der von Maximoff?" Wanda verdrehte die Augen, als er sie beim Nachnamen nannte. Loki schien erleichtert darüber, dass die anderen diese Information so gefasst aufnahmen. „Ich meinte damit, das ihre Magie von Emotionen gesteuert zu werden scheint. Den erste Ausbruch gab es vor ungefähr zweieinhalb Tagen." „Da war der Chitauri Angriff", warf Wanda ein. Loki nickte. „Jyn wollte...", doch ich unterbrach ihn. „Ich wollte eine junge Frau mit ihrem Kind beschützen. Sie wurde von einer diese...Kreaturen...verfolgt und ich habe mich dazwischen geworfen. Ich weiß nicht genau was dann passiert ist, nur dass mein Arm höllisch wehgetan hat und ich zusammengebrochen bin. Das nächste was ich gesehen habe war eine riesige gelb leuchtende Kugel, die mich einschloss. Sie hatte die...den Chitauri zurück geschleudert und mich und die Frau gerettet",meine Stimme brach als ich mich erinnerte, was danach mit Isi, meiner besten Freundin, passiert war. Ehemalige beste Freundin ermahnte ich mich, denn wie sollte ich mit jemandem befreundet sein, der sich nicht an mich erinnerte. Trauer und Zorn auf mich selbst kochte in mir hoch und ich spürte einen leichten Schmerz in meinem rechten Arm. Ich musste mich unter Kontrolle kriegen, musste meine Emotionen kontrollieren! Ich konnte nicht zulassen, dass mich die Magie hier überwältigte! Jetzt drohte Angst meinen Körper zu überwältigen, doch bevor ich etwas dagegen tun konnte stand Wanda vor mir. Sie hatte eine Hand an meinen linken Oberarm gelegt und hob mit der anderen mein Kinn an, sodass ich ihr ins Gesicht sehen musste. Ich hatte nicht bemerkt, dass ich verbissen auf den Boden gestarrt hatte. Wanda sagt mich einen Augenblick traurig und mitfühlend an, dann zog sie mich in ihre Arme. Ich spürte, wie sie ihren Kopf auf meine Schulter legte und ich schlang meine Arme um sie. Ich wusste nicht warum, doch ihre Nähe wirkte tröstlich und ich entspannte mich. Die Trauer und die Wut ließ nach und mein Arm hörte auf zu schmerzen. Ich schloss kurz die Augen und genoss das Gefühl von Geborgenheit, dann ließ ich sie langsam wieder los. Sie betrachtete mich einige Sekunden, als würde sie überlegen, ob es mir wirklich wieder gut ging oder ob ich es nur vortäuschte um gleich das gesamte Gebäude in die Luft zu jagen. Dann schien sie zu dem Entschluss zu kommen, dass ich wieder alleine stehen konnte und ließ mich los. Doch diesmal ging sie nicht wieder zurück zu ihrem ursprünglichen Platz, sondern blieb links von mir stehen. Loki hatte, wie alle anderen, die Szene beobachtet und beugte sich zu mir runter. „Alles klar?, flüsterte er und in seiner Stimme schwang etwas mit, das ich nicht deuten konnte. Ich nickte. „Tut mir leid", flüsterte ich zurück. Loki schüttelte nur den Kopf. In seinem Blick stand deutlich, dass ich mich für nichts entschuldigen musste. Ich lächelte. Loki wandte sich wieder an die anderen. „Das Ausmaß dieses Ereignisses werde ich euch bei einer anderen Gelegenheit erklären, jetzt geht es nur darum, ob Jyn hier bei euch im Tower bleiben und mit Wanda und Strange trainieren kann." Die Blicke aller Anwesenden wanderten zu Tony. Er seufzte ergeben und sah dann Stephen an. „Wenn die beiden das in ihren Tagesplan aufnehmen können dann habe ich da nichts gegen einzuwenden." Wanda nickte sofort. „Ich habe genug Zeit um mich darum zu kümmern." Ich sah Stephen an. Der schien das noch durchzurechnen, doch als er meinen Blick auffing lächelte er leicht. „Ich denke das werden wir hinbekommen." Ich hörte rechts neben mir, dass Loki aufatmete. Er schien daran gezweifelt zu haben, dass sein Vorhaben Erfolg haben könnte. Ich lächelte in mich hinein. „Dann ist das ja geklärt", meldete sich Tony nochmals zu Wort und damit schien die Besprechung aufgelöst zu sein. Tony durchquerte mit großen Schritten den Raum und verschwand durch die Tür. Stephen folgte ihm und nach kurzem Zögern folge auch Wanda. Ich wollte ihr nach gehen, doch Loki hielt mein Handgelenk fest und drehte mich zu sich um. Ist sah aus dem Augenwinkel, wie Wanda an der Tür stehen blieb, doch Loki schenkte ihr keine Beachtung. Dann hörte ich die Tür ins Schloss fallen. „Was?", fragte ich leicht genervt und versuchte, Loki mein Handgelenk zu entwinden doch er hielt es fest. „Bitte versprich mir, dass du hier bleibst und nichts tust, was dir schadet." In seinem Gesicht dastand deutliche Sorge. „Du bleibst nicht hier?", fragte ich, bemüht darum, mir nicht anmerkten zu lassen, wie sehr mich das traf. Er zögerte kurz. „Nein, ich werde nicht hierbleiben. Tony hat dir Aufenthalt hier gewährt, doch er und ich...wir können nicht gut miteinander." „Das habe ich gemerkt", bemerkte ich leicht lächelnd. Doch Loki blieb ernst. „Versprich mir, dass du nichts machen wirst, was dich in Gefahr bringt." Er sah mich so durchdringend an, dass es mir schwer viel, seinem Blick standzuhalten. „Bitte geh nicht", sagte ich leise. „Ich kenne hier niemanden und wäre hier ganz alleine." Er sah mich mitfühlend an. „Du bist nicht alleine. Ich weiß, das du hier noch niemanden kennst, aber das sind alles nette Menschen hier und die werden dich hier aufnehmen." „Aber warum kannst du dann nicht bleiben?" Er seufzte hörbar und blickte kurz auf den Boden, bevor er mir wieder ins Gesicht sah. „Ich kann nich. Es tut mir leid." Ich verstand ihn nicht, und wollte noch nachfragen, doch er fuhr schon fort: „du bist hier sicher und das ist alles, worauf es ankommt." Ich nickte nur. Zu mehr war ich nicht im stand, da ich angestrengt versuchte, den Grund dafür zu verstehen. Obwohl ich ihn erst seit wenigen Tagen kannte war der Gedanke, das er gehen könnte und ich ihn nicht wiedersehen würde, schwerer zu ertragen als ich es angenommen hatte. „Wir bleiben in Kontakt, das verspreche ich dir. So schnell wirst du mich nicht wieder los." Ein kleines Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. „Ich schulde dir etwas", sagte ich nach kurzer Pause. „Du hast mir das Leben gerettet",sagte ich, als ich Loki's verwirrtes Gesicht sag. „Gern geschehen, Kleines", grinste er und ich konnte nicht anders als leise zu lachen. Mit gespieltem Ernst sagte ich: „so klein bin ich gar nicht!" Das entlockte ihm ebenfalls ein kleines, raues Lachen, das mit einen Schauer über den Rücken jagte. Loki ließ mein Handgelenk los und ging einen Schritt zurück. „Wir sollten los, bevor die da draußen auf dumme Gedanken kommen." Er deutete auf die Tür. Ich runzelte die Stirn. „Wenn du meinst." Er grinste und ging in Richtung Tür. Ich folgte ihm. Draußen, in dem großen Raum, waren Tony, Stephen und Wanda wieder zu den anderen gestoßen und auf einem der Sofas entdeckte ich Clint neben einer Frau mit kurzen roten Haaren.
Als Tony uns bemerkte kam er auf uns zu. „Jyn, Wanda wird dir dein Zimmer zeigen." Er sah Loki kurz an, nickte ihm zu und wandte sich dann wieder ab. Loki wandte sich mir zu: „denke immer daran: du bist hier sicher. Dir kann hier nichts passieren. Die ersten Tage werden hart werden, aber es wird besser werden. Tony ist manchmal eigen, doch eigentlich ein guter Kerl. Alle werden auf dich aufpassen." Er wirkte so, als könnte er noch ewig so weiter machen, daher unterbrach ich ihn schnell. „Du musst mir das nicht erzählen, ich weiß das alles. Ich krieg das schon hin." Loki sah mich kurz an, dann wandte er sich ab und ging zurück zu dem Fahrstuhl, von dem wir kamen. Als die Türen sich schlossen, trafen sich noch einmal unsere Blicke, dann war er verschwunden.
Ich hörte Schritte hinter mir und wandte mich um. Wanda kam auf mich zu und blieb vor mir stehen. „Keine Sorge, den wird man nicht so schnell wieder los." Sie grinste schief. „Komm, ich zeig dir dein Zimmer." Ich lächelte und sie führte mich weg von den anderen einen Flur entlang. Wir liefen eine Treppe nach oben und kamen in einen weiteren Flur, der jedoch in geregeltem Abstand Türen zu beiden Seiten aufwies. „Das hier sind unsere Zimmer", erklärte Wanda. Sie blieb vor einer Tür auf der rechten Seite stehen. „In dem hier wohne ich. Und da", sie deutete auf die Tür daneben „ist dein Zimmer." Sie zog einen Schlüssel aus der Tasche ihrer roten Sweatshirt-Jacke und reichte ihn mir. Ich nahm ihn und schloss die Tür auf. Als ich das Zimmer betrat staunte ich. Es war größer als erwartet und erinnerte mich an ein Hotelzimmer. Alles war in weiß gehalten und hinter der Tür kam man in einen kaum zwei Meter langen Gang, von dem links eine Tür in einen anderen Raum führte, vermutlich ein Badezimmer. An der rechten Wand stand ein Bett, das so groß war, dass es eher nach einem Doppelbett aussah und daneben stand ein weißer Nachttisch. An der linken Wand stand ein großer Kleiderschrank und ein großer Spiegel hing an der Wand. „Sehen alle Zimmer so aus?", frage ich Wanda erstaunt, da mir die Einrichtung sehr teuer vorkam. „Mehr oder weniger. Die meisten Räume sind belegt und wir haben natürlich persönliche Sachen und sowas da liegen. Außerdem haben viele die Möbel verrückt um ein bisschen mehr Persönlichkeit in die Räume zu bringen, aber im großen und ganzen ähneln sie sich alle, ja." Ich drehte mich zu ihr um. Sie lehnte im Türrahmen und beobachtete mich aufmerksam. „Du solltest den Schlüssel nicht verlieren. Mr. Stark hat zwar für jedes Zimmer einen Zweitschlüssel, aber besser wäre es, wenn wir den nicht brauchen." Ich nickte. „Ich mache den einfach an meinen Haustürschlüssel." Ich holte meine Schlüssel aus der Tasche, doch dann zögerte ich. „Streng genommen dürfte ich ihn nicht mehr haben." Ich lächelte traurig. Wanda stieß sich vom Türrahmen ab und kam auf mich zu. „Was hältst du davon, wenn wir morgen zusammen zu deiner alten Wohnung gehen und deine Sachen holen? Dann könntest du den Schlüssel dort lassen." Ich sah sie dankbar an und nickte. „Gut, dann haben wir für morgen schonmal was vor und Tony kann dich nicht schon an deinem ersten Tag zum Training verdonnern", grinse sie. „Aber meinst du nicht, es ist gut, wenn wir so schnell wie möglich mit dem Training anfangen?", fragte ich, da ich mich an Loki's Worte erinnerte. Sie legte den Kopf schief und kniff leicht die Augen zusammen. „Wenn du willst, können wir heute schon mit etwas kleinem anfangen. Ich muss eh noch ein bisschen was über dich wissen, bevor wir richtig anfangen können", sagte sie dann lächelnd. Ich nickte wieder. „Und was für Sachen wären dass, wenn ich fragen darf?", fragte ich, als Wanda sich umwandte und aus der Tür lief. Ich folgte ihr. Draußen zog ich die Tür hinter mir zu und schloss ab. Den Schlüssel band ich trotz allem an meinem alten Schlüssel fest, an dem ich noch mein Autoschlüssel hing und steckte ihn zurück in meine Tasche. Wanda ging nur ein paar Schritte weit und blieb dann vor ihre eigenen Zimmer stehen. Sie zog ihren Schlüssel aus der Tasche und schloss die Tür auf. Sie ließ mir den Vortritt und schloss hinter mir die Tür wieder. Wandas Zimmer ähnelte meinem tatsächlich sehr, obwohl überall persönliche Sachen von ihr standen. Sie hatte außerdem eine lange Lichterkette über ihrem Bett aufgehängt und ich nahm mir vor, dies auch zu tun, denn es gefiel mir. Wanda grinste mich an und setzte sich auf das Bett. Sie klopfte neben sich und ich setzte mich ebenfalls, nachdem ich meine Schuhe ausgezogen hatte. „Vielleicht sollte ich damit anfangen, dir ein bisschen über mich zu erzählen", sagte sie, als wir beide eine gemütliche Position zum sitzen gefunden hatten. Ich nickte. „Ich denke, dass könnte helfen." Sie nickte ebenfalls und begann zu erzählen: „mein Zwillingsbruder, Pietro, und ich kommen eigentlich aus Sokovia. Unsere Eltern starben als wir zehn waren bei einem Bombenangriff. Nur wir und unsere kleine Schwester Ilena überlebten. Sie war damals sieben. Wir leben danach einige Jahre auf der Straße. Da wir Weisen waren und unmündig wurden wir von einer Geheimorganisation aufgenommen. Damals waren Pietro und ich 14. Sie nannten sich Hydra. Sie führten illegale Experimente an Menschen durch und fragen uns, ob wir uns für solche Experimente zur Verfügung stellen wollten. Pietro und ich waren uns einig, dass wir nichts weiter zu verlieren hatten und stimmten zu, unter der Bedingung, dass Ilena nicht in diese Experimente involviert wird und ihr nichts passier. Die Leute von Hydra versprachen es uns, doch sie brachen ihr Versprechen. Ilena, damals 11, kam in Kontakt zu einigen...Gegenständen, die für diese Experimente verwendet wurden. Doch den Leute von Hydra war es egal, denn Ilena zeigte nicht die geringste Reaktion auf diese Gegenstände. Hydras Leute offenbarten uns, das sie nie vorhatten Ilena aus diesen Experimenten raus zu halten und nachdem sie keinerlei Reaktionen zeigte war sie für Hydras Männer uninteressant." Ich sah, das Wanda mit den Tränen kämpfte und legte eine Hand auf ihre. Sie lächelte mich schwach an und fuhr dann fort: „sie nahmen sie uns und setzten sie auf der Straße aus. In Sokovia war es zu der Zeit ein harter Winter und Pietro und ich hatten keine Hoffnung, dass unsere Schwester das überleben würde. Durch den Verlust von Ilena wollten wir aus dem Projekt aussteigen, doch Hydra hielt und in ihrem Labor fest und führte weiter seine Experimente an uns durch. Dadurch bekam ich meine magischen Kräfte und Pietro seine Schnelligkeit. Er hatte in dieser Zeit jedoch regelmäßig mit Wutanfällen zu kämpfen und über mich redeten die Leute nur noch als die Verrückte. Doch es war uns egal. Wir brauchten beide Zeit, um Ilena Verlust zu verarbeiten und fügten uns letztendlich den Leuten von Hydra. Schließlich trafen wir auf die Avengers. Wir bekämpften sie anfangs, da wir es nicht wagten, uns gegen Hydra zu stellen, aus der Angst, auch uns noch zu verlieren. Das war vor drei Jahren. Wir waren da gerade 20. Dann kam Ultron und wir bekämpften die Avengers an seiner Seite. Erst als Pietro und ich erkannten, was er wirklich plante, schlossen wir uns dieser Gruppe an und besiegten ihn schließlich. Pietro wurde bei diesem Kampf lebensgefährlich verletzt, doch wir schafften es ihn zu retten. Er und ich blieben hier bei den Avengers, um zukünftige Bedrohungen abzuwenden."
Als Wanda ihre Erzählungen beendet hatte, herrschte für einige Zeit Stille. Ich war geschockt darüber, was Wanda in ihrem jungen Leben schon alles erleben und ertragen musste. Außerdem fragte ich mich, welche Kräfte Wanda durch diese Experimente gewonnen hatte. „Und welche Kräfte besitzt du?", fragte ich, nachdem ich die Geschichte wenigstens einigermaßen verdaut hatte. Wanda lächelte traurig. „Wenn ich es dir sage, wirst du schreiend aus diesem Raum rennen und mich hassen." Ich schüttelte schell den Kopf. „Ich verspreche dir, das werde ich nicht. Egal was du mir erzählst." Es war irgendwie komisch. Wanda war drei Jahre älter als ich und trotzdem fühlte ich mich wie eine große Schwester, die sie trösten musste. Sie lächelte traurig. „Eine meiner Fähigkeiten ist Gedankenlesen", sagte sie dann. Ich starrte sie an. „Du kannst schon die ganze Zeit meine Gedanken lesen?", fragte ich sie entsetzt. „Ich sagte ja du wirst mich hassen", sagte sie und über ihre Stimme lag ein trauriger Schleier. Doch ich schüttelte den Kopf. „Ich habe dir versprochen, dass ich es nicht tun werde und das halte ich auch. Und außerdem habe ich glaube ich heute noch nichts erdacht, das unbedingt geheim bleiben sollte." Ich grinste schief. Wanda schien eine schwere Last von den Schultern gefallen zu sein, denn sie lächelte mich dankbar an. „Du sagtest: eine deiner Fähigkeiten. Was sind die anderen?" „Einerseits Telekinese. Ich kann Objekte manipulieren und sie schweben lassen. Außerdem, und das ist es wohl was mich so gefährlich macht,", sie grinste schief „kann ich die Realität manipulieren und sie so formen, wie ich es will." Ich war geschockt doch auch beeindruckt und fragte mich insgeheim, ob ich mit meiner Magie ebenfalls eine so große Verantwortung trug. „Das werden wir herausfinden." Wanda zwinkerte mir zu. „Ich glaube an diese Gedankenlese-ding muss ich mich erst gewöhnen", maulte ich gespielt ernst. Das entlockte Wanda ein ehrliches lachen. „So!", sagte sie dann. „Jetzt müssen wir aber mal über dich reden und drüber, woher deine Kräfte kommen." Ich nickte. „Wie wäre es, wenn ich dir einfach meine Geschichte erzähle?" Sie nickte. Also begann ich zu erzählen: „meine leibliche Mutter starb bei der Geburt und mein Vater als ich zehn war. Zumindest wurde es mir so erzählt, denn ich wurde kurz danach von einer sehr netten Familie adoptiert. Sie kümmerten sich um mich wie meine echten Eltern und ich lebte bei ihnen, bis ich sechzehn war. Dann hatten beide einen Autounfall, als sie von einem Fest zurück kamen. Meine Adoptivvater starb noch am Unfallort und meine Mutter später im Krankenhaus. Ich war die ganze Zeit bei ihr und hielt ihre Hand als sie einschlief. Da ich damals noch nicht alleine wohnen durfte wurde ich an einen alleinstehenden Mann gegeben, dessen Frau kurz zuvor gestorben war. Er kümmerte sich zwar ebenso um mich wie meine Familie zuvor, doch er betrank sich regelmäßig an den Wochenenden und bekam dann regelmäßig Wutanfälle. Als es eines Nachts so schlimm wurde, dass er mich sogar mit einer Glasflasche bewarf, lief ich von dort weg und kam schließlich bei meiner besten Freundin Isabell unter. Ich hatte ihr und ihren Eltern schon vorher von der Situation bei mir erzählt und da mir nur noch wenige Tage bis zu meinem achtzehnten Geburtstag fehlten und stimmten zu, dass ich in dieser Zeit bei ihnen blieb. Als ich dann achtzehn war halfen Isi und ihre Eltern mir, eine eigene Wohnung zu finden, in die ich dann zog. Ich bekam einen Job und führte von da an ein relativ normales Leben. Von meinem Adoptivvater habe ich nie wieder etwas gehört."
Wanda hatte mich während der ganzen Zeit nicht aus den Augen gelassen und ich meinte Mitgefühl in ihrem Blick zu sehen. ,,Das tut mir leid", sage sie nach einer Weile. Ich zuckte mit den Schultern. „Ich habe gelernt damit zu leben." Sie sah mich traurig an. „Du weißt gar nicht wie stark du bist", sagte sie und ich musste den Blick abwenden, da ich ihrem Blick nicht standhalten konnte. „Weißt du noch irgendetwas von deinen Eltern oder deiner Kindheit?", fragte sie dann. „Nein, ich habe oft versucht mich daran zu erinnern aber ich denke das ist zu lange her um sich daran zu erinnern." Wanda nickte. „Warum fragst du?" „Wir sollten herausfinden, woher deine Kräfte kommen. Wenn du mit ihnen geboren wurdest frage ich mich, warum du davon erst jetzt etwas bemerkst. Wenn du aber durch andere Umstände an sie gelangt bist dann muss es eine Erinnerung in deinem Kopf geben, die uns das zeigen kann. Da du dich im Moment an nichts dergleichen Erinnern kannst gehe ich davon aus, dass diese Erinnerung entweder vergessen oder magisch blockiert ist." „Sowas geht?", fragte ich leicht beunruhigt über die Richtung, die dies Gespräch einschlug. „Ja, sowas gibt es. Wenn es sich nur um einen einfachen Rückhaltezauber handelt kann ich das beheben. Wenn es sich jedoch tatsächlich um einen Bann handelt, der dafür sorgt, dass du bestimmte Sachen vergisst, dann wird Stephen uns helfen müssen", sagte sie, während ich nur meine Augenbrauen hob. Mir fehlten angesichts der vielen neuen Informationen kurzzeitig die Worte. Doch mir fiel sofort wieder ein, was Loki mir gesagt hatte. Das ich nicht verflucht war. Das wollte ich Wanda gerade erzählen, doch sie nickte schon wissend. Ich verdrehte die Augen als sie sagte: „wenn Loki sich da sicher ist dann müssen wir diese Möglichkeit nicht weiter überprüfen." „Machst du das eigentlich bei allen?" Sie schüttelte den Kopf. „Wenn ich Gedanken lese braucht das viel Konzentration und am beste Ruhe. Es verbraucht Konzentration die ich für andere Dinge gebrauchen könnte. Darum tue ich das nur wenn es gerade angebracht ist, wie zum Beispiel jetzt bei dir. Es hilft mir einfach dabei wenn wir die Ursache deiner Magie herausfinden wollen. Aber wenn wir die gefunden haben hast du deine Gedanken wieder für dich." Ich grinse. „Wie beruhigend." Sie lachte. „Und wie machen wir jetzt weiter?", fragte ich dann. Sie zögerte kurz. „Am einfachsten wäre es, wenn du mich in deinen Kopf lässt, damit ich die Erinnerungen suchen kann, die wir brauchen. Falls sie denn überhaupt noch existieren." „Warte, es kann sein dass meine Erinnerungen gelöscht wurde?" Diese neue Information brachte mich völlig aus dem Konzept. Wanda lächelte entschuldigend. „Wir gehen jetzt mal nicht davon aus, aber die Möglichkeit besteht, ja." Ich seufzte. „Dann machen wir das." Wanda sah mich an, als hätte sie nicht damit gerechnet dass ich darauf wirklich eingehen würde. „Okay. Aber es könnte ein bisschen unangenehm werde. Und ich brauche Körperkontakt. Am besten so nah es geht an der Quelle deiner Gedanken." Sie sah mich eindringlich an. „Bitte, tu es einfach. Ich will endlich wissen was mit mir passiert." Sie nickte und rückte näher zu mir. Dann legte sie ihre Fingerspitzen an meine Schläfe. „Ich muss dir noch etwas sagen. Egal, welche Erinnerungen ich finden werde, sowohl du als auch ich werden sie sehen können." Ich nickte. „Und versuche nicht, Erinnerungen vor mir zu verstecken. Erstens wird das eventuell Schmerzen bei dir hervorrufen, und zweitens finde ich sie sowieso. Am besten machst du dich ganz locker. Es hilft auch wenn du die Augen schließt." Ich nickte wieder und schloss die Augen. Ich versuchte ihren Rat zu befolgen, was schwer war als gedacht. Nach allem was in den letzten Tagen passiert war viel es mir schwer, mich völlig zu entspannen. Ich hörte Wanda beruhigende Laute murmeln und schaffte es schließlich, mich einigermaßen zu entspannen. Dann war ich plötzlich nicht mehr in Wandas Zimmer, nicht mal mehr im Tower, sondern wieder zusammen mit Loki in dessen Apartment. Er gab mir gerade eine Tasse, als die Erinnerung verschwamm. Jetzt hockte ich im Schatten am Rand einer Straße. Ich wusste sofort, wo ich war. Erwartet der Tag des Überfalls. Ich sah die junge Frau um die Hausecke rennen, doch Wanda wartete nicht, was passieren würde. Sie ging weiter zurück und durchsuchte weiter meine Erinnerungen. Ich sah flüchtig ein Bild: ich und Isi bei Tony's, wie wir Kaffee bestellten. Dann Isi und ich, wie wir durch den Central Park gingen. Mich bei meiner Arbeit im Café, als ich gerade Kunden die Bestellung brachte und mich, wie ich die Schlüssel meiner Wohnung überreicht bekam. Die Bilder wechselten jetzt immer schneller und ich hatte das Gefühl, als würde mir die Luft aus den Lungen gesaugt werden. Die Bilder wechselten jetzt viel zu schnell als dass ich noch irgendwas erkennen konnte. Dann fuhr mir plötzlich ein stechender Scherz durch den Kopf, der in meinen rechten Arm schoss und ich hohle keuchend Luft. Ich war wieder in Wandas Zimmer. Zurück in der Realität. Wanda sah mich erschrocken an. „Es tut mir leid" Ich schüttelte den Kopf, während ich vorsichtig meinen Arm bewegte. „Ales gut. Aber hast du was gefunden?" Sie wiegte den Kopf leicht hin und her. „Nichts anderes als was du mir erzählt hast. Aber ich hatte recht. Einige deiner Erinnerungen werden magisch zurückgehalten. Aber es ist kein starker Zauber, ich könnte ihn also lösen. Aber ich habe nicht die leiseste Ahnung, was diese Erinnerungen zeigen. Wenn du das nicht möchtest, dann sag mir das. Wir können auch auf anderem Wege an diese Informationen gelangen." Ich schüttelte schnell den Kopf. „Nein! Egal was das für Erinnerungen sind, ich möchte sie sehen. Wenn es etwas ist, was dazu beitragen kann mir zu sagen, was mit mir passiert, will ich es wissen. Ich muss es einfach wissen." Wanda zögerte. „Bitte Wanda", sagte ich. Wanda nickte ergeben. „Dann los." Sie legte ihre Fingerspitzen wieder an meine Schläfen und ich schloss die Augen. Diesmal sah ich keine alten Erinnerungen. Ich spürte nur, wie etwas sich durch meine Erinnerungen wühlte. Es fühlte sich an wie eine Hand, die sich einen Weg durch meinen Kopf bahnte. Doch es war nicht unangenehm. Wanda tastete sich vorsichtig vor, bis zu der Stelle in meinem Kopf, an der sie das letzte mal gescheiter war. Doch diesmal zuckte kein Schmerz durch meinen Kopf. Ich spürte nur, wie etwas diese Erinnerungen kitzelte und sie versuchte, als ihrem Versteck zu locken. Doch es schien nicht zu funktionieren, denn ich spürte, wie Wanda sich von diesen Erinnerungen zurückzog. Doch ich wollte es wissen. Ich wollte wissen, was dort in meinem Kopf versteckt und verschlossen lag. Ich wollte endlich Gewissheit haben, was mit mir passiert. Ich schrie sie an, diese Erinnerung, die sich nicht zeigen wollte, schrie sie an sich endlich zu offenbaren und mir zu zeigen, was sie versteckte. Plötzlich wurde mit alle Luft aus den Lungen gezogen und ich sah verschwommen ein Bild vor mir. Das Bild wurde schärfer und ich erkannte eine Frau und einen Mann, die auf mich hinunterblickten. Das Bild wechselte schlagartig und ich lag unter einem Bett, vor mir ein schwarzer, länglicher Gegenstand, der im Teppich steckte und auf dessen Seite etwas in weiß geschrieben stand. Doch ich konnte es nicht lesen, denn es war zu verschwommen. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meinem Arm. Doch bevor ich mich der Person zuwenden konnte verschwamm das Bild und ich sah einen Raum, der nach einem Labor aussah. Plötzlich zuckte ein gelber Blitz durch meine Erinnerungen und ich sah einen gelb leuchtenden Stein, der auf schwarzem Boden aufschlug. Dann zwei Personen. Ein junger Mann mit platinblonden Haaren und eine junge Frau, fast noch ein Mädchen, der ihre langen roten Haare über die Schultern fielen. Die Augen der Frau hielten meinen Blick gefangen und ich erkannte sie.
Ich holte keuchend Luft, als Wanda die Verbindung trennte und mich abrupt wieder in die Realität zurückholte. Ich sah Wanda an in deren Augen sich Tränen gesammelt hatten und ich wusste, dass sie es ebenfalls begriffen hatte.
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Green Roses
FanfictionJyn denkt, sie ist ganz normal. Sie hat einen Job, eine eigene Wohnung und eine abgedrehte beste Freundin. Zwar verlor sie ihre Eltern und später ihren Pflegevater, doch sonst hält sie sich für eine gewöhnliche junge Frau. Bis ihre Stadt eines Tages...