Kapitel 6

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Er zerknüllte den Brief in seiner Hand. Er dachte an seine Mutter und ein schmerzlicher Stoß traf sein Herz.

Er stand auf und ging im Kreis, zwei Minuten hielt er inne und sah an Fuß des Berges. Die Burg aus seinem Traum war noch da, doch die Wesen waren fort.

Er atmete die kühle Luft tief ein. Seine Schultern hoben und senkten sich, wieder, immer wieder. Wie lang er hier stand wusste er nicht, nur das die Sonne hinter ihm unterging. Ein Vogel schrie und hunderte antworteten. Fasst episch war der Anblick.

Von unten tönten Stimmen, aufgeregte Schreie. Er rannte in ihre Richtung. Er stürzte,  rollte bis zur Brücke und rappelten sich. Immer noch wusste er nicht was los war. Das machte ihn ganze verrückt. Er balancierte über den Baumstamm und rutschte herunter. Irgendetwas schien ihn abzuhalten zu seinen Freunden zu kommen. Artus landete im Fluss und spürte die Strömung an seinen Beinen zerren, er versuchte voran zu waten doch fand einfach keinen Halt. Was ging hier vor? Es schien als verschwöre sich die Welt gegen sie.

Schließlich schaffte Artus es doch aus dem Fluss zu kommen. Nur noch durch das kleine Wäldchen und dann gerade aus. Doch die Bäume schienen sich gegen ihn verschworen haben. Sie versperrten ihm den Weg, da konnte er noch so flink ausweichen. Die Schreie wurden schwächer. Auch das Vogelgezwischer verklang. 


"Lasst ihn durch!" rief eine tiefe Stimme.


Die Bäume gingen auseinander und Artus rannte zwischen ihnen hindurch. Er musste abbremsen sonst wäre er mit einem Mann zusammen gestoßen.


Erschrocken stoppte er

"Wer seit ihr? Was macht ihr hier?" fragte Artus.
"Wer seit Ihr?" konterte der Mann
"Mein Name ist Artus. Und nun Ihr, wieso hören die Bäume auf euch?"


"Artus so so." der Mann nickte.


Er schnellte nach vorn, legte Artus auf die Schulter und hielt ihn fest.


"Lasst mich los!" schrie Artus.


Der Mann schleppte ihn weg. Artus wehrte sich und schlug auf den Mann ein.


Da brachen noch mehr Männer au dem Gestrüpp. Es waren die aus der Trainingshalle, sie stießen den Mann zu Boden. Dann zogen sie mit Artus wieder ab.Sie rannten los durch Brombeersträucher, kleine Ausläufe des Flusses. Schwer atmend kamen sie am Lager an. Manche fingen an zu lachen, Artus setzte sich hin und kam erstmal zu Atem.
"che, che, che wo che her habt ihr che gewusst che wo ich bin?" keuchte er.


"Der Lehrmeister wusste es." sagte Ader der kein bisschen erschöpft wirkte.


Auch die anderen hatten sich schnell wiederholt, alle außer Artus. Er keuchte und schleppte sich zu seinem Zelt. Dort zog er sich trockene, schöne Kleider an. 
Jason wartete offenbar schon.


"Alle warten schon auf den Redenhalter. Wo warst du?" er musterte ihn durchdringend.


Artus nahm einem Soldaten der mit Bechern umher lief einen Becher mit Wein ab. 
Ein in die Jahre gekommener Mann tippt ihn an die Schulter.


"Artus?" sagte er mit tiefer, etwas bedrohlicher Stimme.


"Guten Abend, ja der bin ich. Heerführer?"


"Woher wisst ihr das?" der Heerführer war überrascht.


"Ihr haben etwas an sich, die anderen Soldaten schauen sie mit hass oder Bewunderung an. Ich kenne diesen Blick, habe ihn schon häufig gesehen, wenn mein ältester Bruder Devol ansieht."


"Ihr seit sehr weisse. Doch nicht deswegen störe ich euch, ich wollte über eure Rede sprechen. Eure Ansicht der Dinge sind einzigartig und sehr standfest..."


"Ihr wollt mich überreden mit Derent zu verhandeln. Nun ich selber kenne ihn nicht persönlich, doch was ich gehört habe lässt mich nicht glauben, dass das funktionieren würde." unterbrach Artus.

Ein Ruf hallte über den Platz. Artus fuhr herum und hob den Kopf. Wieder der Ruf, es war sein Name. Artus versuchte den Rufer ausfindig zu machen, schlängelte sich durch die Menschemenge, fand ihn schließlich unter einem Baum.

"Lehrmeister." er lächelte.

"Wie geht es euch?" fragte der Lehrmeister.

"Im Wald da war ein Mann. Wer war das?"

"Das war ein Bote Derents. Doch warum wart ihr da?"

"Ich bekam einen Brief von unserem Vater, doch ich durfte ihn niemanden außer euch zeigen."

"Ein Brief. Ja das sollte auch gehen." murmelte der Lehrmeister, "Wir kommen somit zur nächsten Stufe der Magie. Der normal sprachigen. Wie du schon lerntest kann man kleine Zauber in der alten Sprache sagen. Doch das wird ziemlich kompliziert sobald es an größere Zaubereien geht. Deshalb erfanden sie die normal sprachige Magie. Mit ihr sind die Zauber zwar nicht ganz so wirkvoll, sie erfüllen aber ihren Zweck im großen und ganzen relativ gut. Die Sprache ist zwar nicht Keptanisch wie wir sprechen, sondern eine Sprache aus dem Süden, doch sie ist um einiges leichter als die alte Sprache. So viel zur Theorie, ab an die Praxis! Wollt ihr jemanden versteinern heißt es Front, jemanden fesseln lassen heißt Guf, für entsteinern braucht ihr Zus, um den Willen jemand an euch zu reisen benötigt ihr das Wort Dirs. Das waren ein paar Beispiele, bitte übe sie aus." machte der Lehrer in seinem Vortrag eine Pause. 

Artus stellte sich vor einen Baum und schloss die Augen, langsam mit bedrohlicher Stimme sagte er, Front. Nichts war geschehen.

"Lockern, Ihr müsst euch lockern und es nicht so bedrohlich und langsam sagen eher so,", der Lehrmeister stellte sich breitbeinig hin und rief mit heller klarer Stimme, "Front!"

Sofort versteinerte der Baum.

Artus nickte stellte sich vor einen Strauch, machte die Beine etwas auseinander und sagte hell und klar:"Front!" Diesesmal klappte es, der Strauch versteinerte. Neuer Spruch neues Glück.

Er stellte sich breitbeinig vor einen liegen gelassenen Rucksack und sagte, wieder mit heller klarer Stimme: "Guf!" Wieder funktionierte es, aber nun war etwas mit ihm geschehen.

Er war in der Luft geschwebt, nicht lang nur ein paar Sekunden. Aber er war geschwebt, wie konnte das gehen, er konnte nicht fliegen. Wenn es möglich war hatte er es noch nicht gelernt. 

Mach einfach weiter, dachte er sich und tat es auch. Wieder das selbe Spiel von vorne, da schon wieder, sogar etwas länger als zuvor war er geschwebt und noch etwas war gesehen etwas mit seinen Augen, alles außer dem Busch war verschwommen und irgendwie anders gewesen. Alles war rot. Er war zu überrascht um weiter zu machen. Den Lehrmeister fragen konnte er nicht, er kam sich dumm dabei vor. Wie ein kleines Kind, dass sich fest einbildet fliegen zu können. Vielleicht bildete er es sich auch nur ein. Es entsprach vielleicht einfach seiner Vorstellung eines Zauberers. Aber seine Vorstellungskraft war sonst auch nie mit seinem Verstand durch gebrannt. Irgendetwas ging hier vor, er wusste noch nicht was aber es hatte etwas mit seiner Aufgabe zu tun, mit der und mit Elifa.

Hüter der MagieWo Geschichten leben. Entdecke jetzt