Kapitel 3

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L U C I A N A

꧁Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean.~Isaac Newton꧂

Vor mir steht eine völlig fremde Person. Dieses Spiegelbild, das ich gerade anschaue, kann nicht das von mir sein. Immer noch schwer atmend schaue ich mir meinen Bauch und meine Arme an. Das werden große blaue Flecken ergeben. Das darf doch nicht wahr sein; ich ertrage das nicht mehr.

Es geht nicht mehr, das geht zu weit. Viel zu weit.

Voller Ekel betrachte ich mich selbst. Diese Narben auf meinem Körper, die schon immer ein Teil von mir und meinem Leben waren, waren schon immer da. So viele Narben und so viel Schmerz.
Alte Narben mit alten, verschwommenen Erinnerungen.

Es spielt keine Rolle, wie alt die Narben sind oder wie alt die Erinnerung ist. Auch wenn ich mich nicht an alles erinnere von früher, der Schmerz ist trotzdem der gleiche. Ein unschuldiger Körper voller Narben. Ich habe das nicht verdient; ich war noch ein Kind.

Ein Kind.
Ein verdammtes, unschuldiges Kind.

Die Zeit heilt die Narben auf dem Körper, doch niemals die Narben im Herzen und auf der Seele.

Die Person, die meinte, dass Zeit Wunden heilen würde, hat gelogen. Er ist ein Lügner. Ein elender Lügner.

Es sind elf Jahre vergangen.
4215 Tage, um genau zu sein.
Wo bleibt meine Heilung?
Ich warte seit 4215 Tagen selig darauf, geheilt zu werden, doch nichts ist geschehen. Genau das Gegenteil ist passiert. Das Einzige, was passiert ist, ist, dass ich tiefer in das dunkle Loch falle. Die Dunkelheit zerfrisst mich Tag für Tag, und es gibt kein Entkommen.

Das wird es nie geben. Diese Vergangenheit wird mich für immer verfolgen, und sie wird für immer ein Teil von mir bleiben. Dagegen kann ich nichts tun. Rein gar nichts, und das ist das, was mich so wütend macht. Ich kann nichts dagegen unternehmen. Ich bin schwach. Nutzlos. Nichts zu gebrauchen.

Genauso wie er es früher zu mir meinte.

Kopf schüttelnd wasche ich mein Gesicht mit kaltem Wasser. Ich brauche diese Abkühlung, und mein Körper auch. Jedoch, anstatt mich und meine Verletzungen zu kühlen, brennt es.
Es brennt bestialisch.
Verdammt, wieso muss er nur so einen festen Schlag haben?
Nachdem ein Zischen meinen Mund verlässt, presse ich meine Lippen zusammen, um keinen weiteren Ton zu machen. Ich muss eine Salbe draufmachen, sobald ich zu Hause ankomme.
Ich ziehe mir mein langärmeliges Oberteil wieder an und betrachte mich im Spiegel. Man könnte meinen, es wäre nie etwas gewesen.

Ich erinnere mich an die Zeit, in der ich mich kaum im Spiegel anschauen konnte, da ich mich so für mein Erscheinungsbild geschämt habe. Also habe ich es Tag für Tag vermieden. Die Spiegel waren immer abgedeckt, und ich habe Kameras und Fotos vermieden. An den Tagen, an denen ich den Spiegel nicht vermeiden konnte, wurde ich an die bittere Wahrheit erinnert, wer ich wirklich bin.

Und diese Tage sind die schlimmsten.

Ich verlasse das Badezimmer und mache mich wieder an die Arbeit. Eine angenehme Atmosphäre herrscht im Lokal, da es nicht allzu voll ist. Es ist sogar relativ leer, wenn man es genau sieht.

Ich gucke zur Spüle und muss seufzen. Die Arbeit, die ich am meisten hasse zu erledigen, ist das Geschirr.

Aber ehrlich, wer mag das schon?

Ich kremple mir meine Ärmel ein wenig hoch und fange an, das Geschirr zu säubern.

Das Klingeln signalisiert, dass ein neuer Kunde das Lokal betreten hat, und ich wasche mir meine Hände gründlich und desinfiziere sie, um den Kunden bedienen zu können. Jedoch, bevor ich mich umdrehen konnte, um den Kunden zu bedienen, ertönt schon eine Stimme, die ich so lange nicht mehr gehört habe. „Lang nicht mehr gesehen, Kleines."
Blitzschnell drehe ich mich und renne in ihre Richtung. Ich springe förmlich auf sie zu und umarme sie so fest, wie ich noch nie jemanden umarmt habe. Ich habe sie so vermisst.

ʀᴇᴍᴇᴍʙᴇʀ ᴍᴇGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt