L U C I A N A
꧁ Der Kummer, der nicht spricht, nagt leise an deinem Herzen, bis es bricht.
~William Shakespeare ꧂
„Ich verstehe das nicht, ich meine, wer zum Teufel würde mir sowas zukommen lassen? Und dann noch als ‚kleine' Entschädigung", spreche ich meine Gedanken laut aus. Das kann doch nur ein Scherz sein.
„Und weißt du, was schlimmer ist?! Ich habe keine Ahnung, wer mir dieses Paket zugeschickt haben könnte. Ich meine, keiner weiß, unter welchen Bedingungen ich arbeite", quasselte ich herum.
„Unter welchen Bedingungen arbeitest du denn?"
Die bis jetzt still gewesene María beobachtet mich still und wartet, bis ihre Frage beantwortet wird. Ich hätte besser aufpassen müssen, was ich gesagt habe, denn so leicht komm ich jetzt wohl nicht raus.
„Mein Boss ist nicht gerade der Beste. Er ist ziemlich streng und erwartet Perfektionismus. Es ist halt ziemlich anstrengend", antworte ich vorsichtig, um mich nicht zu verplappern. Das, was bis jetzt gesagt habe, stimmt ja auch, ich habe nur einen kleinen Teil ausgelassen.
Die Frage, die ich mich stelle, ist, wer von diesen Arbeitsbedingungen wissen könnte. Wenn, dann nur mein Kollegium. Jedoch hat niemand die Chance, mir zehn verrammte tausend Dollar einfach so zu schenken. Aber ansonsten kenn ich auch niemanden, der die Möglichkeiten hat.
Was soll das alles?
„Du kannst es ja positiv sehen, jetzt hast du genügend Geld und hast fürs Erste ausgesorgt", versucht María, mir das Gute einzureden. Ob es klappt, ist eine andere Frage.
„Ich nehme kein Geld von anderen Menschen an, das weißt du", entgegne ich ihr. „Ich hab das schon immer verabscheut, María."
„Es ist jetzt aber so, Lu. Zurücksenden kannst du es nicht, es steht kein Absender auf dem Paket."
Leider behält sie Recht dabei. Jedoch habe ich ein schlechtes Bauchgefühl bei der ganzen Sache, und wenn ich eine Sache in meinem Leben gelernt habe, dann ist es: Höre immer auf dein Bauchgefühl. Immer.
Schweigend packe ich das Geld wieder in die Box und schmeiße die Karte auch mit rein. Ich hebe es auf und laufe schnell zu meinem Zimmer. Dieses Geld stinkt mir, und ich werde es sicherlich nicht einfach so ausgeben. María verfolgt mich ebenfalls, ohne ein Wort zu äußern, und schaut mir einfach zu, was ich tue. Ich gehe zu meinem Schrank und öffne diesen. Ganz unten ist ein eingebautes Fach, und in dieses Fach stelle ich das Paket ab.
Ich bin nicht in der Lage, dieses Geld zu verbrennen, deshalb bewahre ich es sicher auf.
„Dieses Geld ist nur für Notfälle", verspreche ich mir und schließe den Schrank.
Als ich mich schließlich umdrehe, steht María am Türrahmen, doch sie sah nicht gerade glücklich aus. Sie sieht mehr erschüttert aus, doch ich verstehe nicht warum. Klar, es ist schockierend, was gerade geschehen ist, doch so sah sie wenige Momente vorher nicht aus.
„Alles in Ordnung?", erkundige ich mich, doch bekomme keine Antwort. Langsam laufe ich zu ihr und bleibe kurz vor ihr stehen. Mit großen Augen schaut sie mir in die Augen.
Was ist denn los?
„Lu...", haucht sie, so als hätte sie keine Kraft zum Sprechen.
„Ja?", reagiere ich, doch ihrerseits kam nichts mehr.
„Was ist denn los mit dir?", hakte ich erneut nach. Ihre Augen wandern langsam meinen Körper hinunter. Sie sieht so traumatisiert aus, doch ich weiß nicht wieso.
Ihre Hände greifen nach meinem Oberteil, und da trifft es mich wie ein Blitz.
Sie hat meine Wunden gesehen.
Schnell schlage ich ihre Hand weg und ziehe mich zurück.
„¡No puede ser!", rief sie, so als könnte sie ihren Augen nicht trauen.
„Luciana, was ist das an deinem Rücken?!", schrie sie aufgebracht.
Stumm lasse ich meinen Kopf sinken, sodass ich ihr nicht in die Augen sehen muss.
„¡No me lo creo!"
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ʀᴇᴍᴇᴍʙᴇʀ ᴍᴇ
Mistério / SuspenseIch weiß nicht ob es der richtige Zeitpunkt ist dieses Thema anzusprechen. Ich meine es läuft so gut und ich will keine schlechten Erinnerungen wieder aufbringen. „Maria..?", fing ich zögernd meinen Satz an. Sie schaute interessiert zu mir nichtsahn...
