Kapitel 4

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L U C I A N A

꧁ Frag dich nicht, was richtig ist, sondern frag dich das was du fühlst. Hör auf zu fragen, ob du kannst, sondern frage dich ob du willst.
~ Julia Engelmann ꧂

María hat uns zu einem großen Einkaufszentrum in einer Nachbarstadt gefahren. Es ist wirklich riesig, und hier gibt's alles. Also wirklich.
Man findet hier alles, was man möchte. Ich bin einfach fasziniert.

Ursprünglich wollte ich eigentlich gar nicht viel kaufen, und ich habe auch nicht damit gerechnet, dass ich überhaupt etwas kaufen würde. Doch mit María hat man einfach keine Wahl, was sowas angeht.
Jeder von uns hat jeweils zwei Tüten voll mit den verschiedensten Sachen. Eigentlich fühle ich mich schlecht, dass ich Geld ausgebe, aber bis jetzt habe ich ja nicht mal viel bezahlt.

María kauft die ganze Zeit ohne mein Einverständnis Sachen, die ich eigentlich zurückgelegt habe. Es ist frustrierend, da ich sowas eigentlich gar nicht mag, aber mit ihr kann man einfach nicht diskutieren. Dickschädel halt.
„Lass uns eine kleine Pause machen. Ich kenne ein süßes, kleines Café hier um die Ecke", erzählt sie mir. Ich bin tatsächlich etwas müde vom ganzen Laufen, also kommt mir eine Pause gerade recht. „Erzähl mal, was hast du in den letzten Jahren gemacht?", erkundigt sich die Blondine neben mir, während wir zum Café laufen.

Ich überlege, was ich ihr erzählen kann. Ich habe nichts Spannendes gemacht. Ich habe nicht viel erlebt. Naja, eigentlich gar nichts. „Es gibt nicht viel zu erzählen", antworte ich ihr also wahrheitsgemäß. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich ihr erzählen könnte. Alles beim Alten halt.

Wir kommen beim Café an und suchen uns einen Sitzplatz aus. Auf den ersten Blick sieht das hier sehr gemütlich aus. Beim genaueren Hinschauen konnte ich Bücherregale erkennen, die voller Bücher gefüllt sind. Anscheinend kann man sich hier Bücher ausleihen, während man genüsslich sein warmes Getränk trinkt.

Interessante Idee. Gefällt mir.

Unsere ganzen Tüten legen wir unter den Tisch. Sind zusammen echt eine Menge Tüten. Ich glaube, ich habe noch nie so viel geshoppt.

„Guck mal, hier sind voll viele Bücher. Du mochtest doch früher voll gerne lesen, oder?"
„Ja, früher habe ich es geliebt zu lesen. Mit der Zeit habe ich aber aufgehört, weiß selbst nicht wieso."
Ich glaube, irgendwann fand ich einfach keine Zeit und Ruhe dafür. Außerdem habe ich früher immer dieselben drei Bücher gelesen, da ich nach dem Tod von mamá keine neuen Bücher bekommen habe. Er hat meine sonstigen Bücher alle zerstört und verbrannt, bis auf drei, die ich verstecken konnte.

„Ja, ich kann mich erinnern. Ich habe die letzten Jahre fast nichts mehr von dir gehört. Erzähl mal, was du die Jahre gemacht hast."
Diese Frage ist wirklich anstrengend. Ich meine, ich habe wirklich nichts Besonderes gemacht, nur den Alltagsmist. Obwohl... dieser 100-Dollar-Typ lässt meinen Kopf irgendwie keine Ruhe. Ich meine, ich treffe den ja überall, vor allem, nachdem er mich Estrellita genannt hat.
„Weißt du, ich habe jemanden kennengelernt", fange ich an zu erzählen. Ihr Blick verändert sich zu überrascht, doch irgendwie zu einem mehr negativen, traurigen überrascht.
„Nun ja, kennenlernen kann man das nicht sagen. Wir haben ab und zu mal geredet, und er hat mir gutes Trinkgeld gegeben", korrigiere ich meine Aussage schnell.
„Wie schön", antwortet sie mit einem Lächeln, welches ihre Augen aber nicht berührt.

Was ist denn los?

Hätte ich das lieber nicht erwähnen sollen?

„Willkommen bei leaf&latte, was darfs sein?", kommt eine Bedienung, um unsere Bestellung aufzunehmen. María hat mir ein paar Sachen empfohlen, deshalb bestelle ich genau die. Natürlich. Wenn ich ehrlich bin, sieht hier alles ziemlich köstlich aus, da kann man nicht widerstehen.

ʀᴇᴍᴇᴍʙᴇʀ ᴍᴇGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt