Kapitel 6

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L U C I A N A
Mit dem Wissen wächst der Zweifel.
~Johann Wolfgang von Goethe

Ich öffne meine Augen und sehe somit direkt in das geschockte Gesicht meiner besten Freundin. Was war das gerade?
Ich streiche mir meine Tränen aus dem Gesicht und schaue verwirrt um mich herum. War das ein Traum?
Es fühlt sich so real an, so hautnah.
Ein Traum kann es nicht sein, es muss eine Erinnerung sein. Doch wer war er?
Ich kann alles sehen, bloß sein Gesicht nicht.

Mein Herzschlag reguliert sich wieder, und meine Atmung bekomme ich unter Kontrolle.
Eine unangenehme Stille zieht sich über den ganzen Raum, und stumm sitzen wir beide auf dem Boden.

„Du hast die letzten paar Minuten geschrien, dass es aufhören solle. Du warst nicht bei dir", haucht María neben mir mit rauer Stimme. „Du hast unkontrolliert geweint, und ab einem bestimmten Zeitpunkt konntest du nicht mal mehr richtig atmen. Ich—"
Ihre Stimme bricht. Sie räuspert sich und setzt sich gerade hin. „Ich habe versucht, dich zu beruhigen, doch du hast mich weggeschlagen. Du warst weg. Ich wusste nicht, was ich tun sollte."

„Es tut mir so unendlich leid, ich weiß ehrlich nicht, was passiert ist. Ich bin überfordert", gestehe ich.
„Wir sollten uns ausruhen, immerhin ist es schon spät, und ich vermute, das wäre das Beste in diesem Moment."
Nickend stehen wir langsam vom harten und sehr ungemütlichen Boden auf. Ich zeige ihr das Gästezimmer. Das Gästezimmer ist immer vorbereitet, mit frischem Bettzeug, auch wenn ich nie wirklich Besuch bekomme, einfach um sicherzugehen.
Sie bedankt sich und leiht sich noch einen Pyjama von mir aus. Wir machen uns stumm nebeneinander bettfertig, und als es dann so weit ist, verabschieden wir uns und wünschen uns eine gute Nacht.

Viel schlimmer kann die Nacht ja nicht mehr werden.

Ich gehe in mein Zimmer und mache das große Licht aus. Neben meinem Bett steht eine kleine Tischlampe, die ich dann anmache.
Ich dimme das kleine Licht und lege mich dann schließlich in mein Bett. Es braucht keine Minute, und da fallen meine Augen schon von alleine zu.

Ich bin so erschöpft. So verdammt müde...

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„Guten Morgen", murmel ich noch im Halbschlaf, während ich meine Augen reibe. „Guten Morgen, Süße", erwidert María.
Wir befinden uns gerade in der Küche, und während sie sitzt, bereite ich uns etwas zu trinken vor.
„Kaffee, Kakao oder Tee?"
„100 Prozent Kaffee", antwortet sie schnell und entschlossen.

Mir mache ich einen warmen Kräutertee und für sie einen Kaffee. Als beides fertig war, setze ich mich hin und stelle ihr den Kaffee gegenüber. Sofort nimmt sie einen Schluck und gibt einen zufriedenen Ton von sich. „Der ist perfekt. Danke."
Stumm nicke ich und schlürfe an meinem viel zu heißen Tee.
Diese Stille erdrückt mich. Keiner von uns weiß so richtig, über was wir reden sollen. Das gestern war nicht gerade schön, aber so tun, als wäre nie was gewesen, können wir leider nicht. Leider.
„Lu, wir kommen nicht drum herum. Ich habe unbeantwortete Fragen, und ich muss sie beantwortet kriegen."
Ich hebe meinen Kopf und schaue ihr direkt in die Augen. „Ich habe auch unbeantwortete Fragen, María", erwidere ich scharf. Schärfer, als ich es eigentlich wollte, doch meine Emotionen überfluten mich so langsam.
„Das ist nicht dasselbe."
Das ist nicht ihr Ernst?
Entsetzt schaue ich sie an, sprachlos von dem, was sie gerade ehrlich meint.
„Wir hatten das Thema doch schon!", ruft sie verzweifelt. „Es dient zu deinem Schutz. Nur zu deinem. Meine Fragen, die ich beantwortet haben muss, sind ebenfalls für deinen Schutz."

„Ich verstehe dich", erkläre ich ihr ruhig. „Jedoch habe ich das Recht darauf zu erfahren, was in meiner Vergangenheit passiert ist. Na gut, dann tut es halt weh, mein Gott, aber das macht mich doch nur stärker und lehrt mich Besseres!"

ʀᴇᴍᴇᴍʙᴇʀ ᴍᴇGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt