Dione
Vier Jahre zuvor
»Ich muss in die Uni, Dad. Ich komme sonst zu spät an meinem ersten Tag.«, lasse ich ihn wissen, während ich meine Tasche schultere und bereits an der Tür stehe. »Ich bin sofort da.«
Heute. Mein erster Unitag und ihr freue mich, wie ein Kleinkind bei Süßigkeiten. Außerdem ist es Herbst. Besser kann es doch gar nicht werden. Ich liebe den Herbst, seit ich klein bin. So wie meine Mum, die uns leider vor einigen Jahren verlassen hat. Sie war schwer krank und irgendwann wurde sie erlöst.
»So, da wären wir. Schönen ersten Tag dir, Kleine.«, mein Dad drückt mir einen Kuss auf den Scheitel und ich kann es kaum erwarten aus dem Auto zu steigen und in die Uni zu gehen. Unzählige Studenten füllen den Campus und Cheerleader stehen vor den Eingängen, verteilen Flyer und begrüßen einen freundlich.
Ich krame mein Infoblatt heraus, wo steht, wo ich meinen ersten Kurs habe und achte derweil nicht, wo ich genau hinlaufe. Dennoch hoffe ich auf meine Instinkte. »Ey, pass auf!«, und ehe ich aufsehen kann, pralle ich mit einer harten Brust zusammen, meine Tasche fällt zu Boden und ich fluche innerlich.
»Mist, es tut mir so leid.«, kaum habe ich es ausgesprochen, sehe ich auf und will meine Entschuldigung direkt zurückziehen, sobald ich bemerke, wen ich hier vor mir habe. »Du.«
»Schön dich auch zu sehen, Di.«, amüsiert grinst er mich an, zwinkert mir zu und ich hätte ihn am liebsten mit einem Traktor überfahren. Sein dunkles Haar ist nicht so nach hinten gegelt, wie ich es sonst von ihm kenne, sondern wuschelig und locker.
»Was tust du hier?«
»Ich glaube das gleiche, wie du.«, langsam reißt mein Geduldsfaden. Er verfolgt mich. Das kann doch nicht sein, dass bei so vielen Universitäten, wir wieder ausgerechnet auf die Gleiche gehen. Seit der verdammten neunten Klasse muss ich mit ihm klarkommen. Oder nein. Schon früher, seit unsere Familien befreundet sind. Und ich muss sagen: Ich wünschte, dass es nicht so wäre.
»Na toll.«, ich rolle mit den Augen und will mich von ihm abwenden, da hält er mich auf. »Hast du nicht etwas vergessen?«, er wedelt mit meinen Blättern herum und hält diese in die Höhe. »Gib sie mir!«
»Hol sie dir.«, lacht er mich aus und geht einige Schritte auf mich zu, sodass sein herber Duft in meine Atemwege gelangt.
»Du bist ein Arschloch, Sullivan.«
»Das ist nichts Neues für mich, Baby.«, wie er mich wütend macht! Wie kann man nur so nervig sein?
»Ich muss in den Kurs.«, hauche ich und hoffe, dass er etwas nachsichtig ist, aber geirrt habe ich mich. »Zufällig muss ich da auch hin. Komm.«
»Ich vertraue dir nicht.«, entgegne ich. Aber er lacht wieder, als würde ich einen Witz nach dem anderen reißen.
Im Hörsaal ist es voll. Dennoch finde ich glücklicherweise einen Platz in der dritten Reihe von vorne, wo ich platz nehme und mein Notizheft aufschlage.
»Hey, hast du vielleicht ein Blatt für mich über?«, kommt es von der Seite und ich drehe mich in die Richtung. Ein hübscher junger Mann mit dunklen Augen lächelt mich an. Er wirkt nicht viel älter als ich, dennoch würde ich meinem Alter noch zwei Jahre draufgeben. »Ähm, sicher.«, entgegne ich etwas schüchterner, als ich mir im Kopf ausgemalt habe und reiche ihm das Blatt. Er sucht erneut Augenkontakt und streift meine Finger, während er mir das Blatt Papier abnimmt.
»Ich bin Blake. Und wer bist du?«
»Dione.«, entgegne ich etwas schüchtern, weil ich mich nicht daran erinnern kann, als ich das letzte Mal so von einem Typen angeschaut wurde.
»Willkommen liebe Ersties. Ich bin Prof. Ramirez und werde euch in den Grundfächern begleiten, so wie hier meine liebsten Buddies. Kommt rein.«, ruft die Professorin und ich erstarre, als mir ein Buddy besonders ins Auge sticht. Caelestis. Na toll. »Die Buddies werden euch im ersten Semester begleiten, für euch zur Verfügung stehen, wenn ihr irgendwelche Fragen habt. Dieses Semester werde ich jedoch nicht losen, sondern die Buddies suchen euch selbst aus. Wir beginnen mit Maria Mendes, wen möchtest du wählen?«, die benannte Maria sieht sich im Saal um und bleibt mit den Augen neben mir hängen. Bei Blake. Sie deutet auf ihn und zwinkert ihm gleichzeitig zu. Verübeln kann ich es ihr dennoch auch nicht, denn Blake ist wirklich nicht von schlechten Eltern.
Einige der Buddies wählen die Ersties. Die Frauen hauptsächlich die jungen Männer, bis Caelestis an der Reihe ist. Ich lehne mich dennoch zurück und notiere mir Einiges, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass er jeden wählen wird, außer mich.
»Dione Chadwick.«, erklingt mein Name rau und locker aus seinem Mund und ich erstarre. Das ist nicht sein Ernst...Von allen Studenten wählt er ausgerechnet mich. »Ich?«
»Oder kennst du noch eine andere Dione Chadwick?«, kontert er und die Tuschelei beginnt. Wunderbar.
Nachdem alle Buddies gewählt haben, sollen wir uns mit den zusammen setzen und uns von ihnen über den Campus führen lassen. Ich zögere jedoch, weil ich echt kein Interesse daran habe mit Caelestis mehr Zeit zu verbringen als nötig.
»Kommst du jetzt?«, sein herber Duft steigt mir in die Nase und ich will nicht zu ihm aufsehen. Ich starre auf meinen Notizblock vor meiner Nase und spüre, wie meine Wangen zu glühen beginnen. Absolut unpassend.
»Sehe ich so aus, als würde ich kommen?«, erst jetzt realisiere ich, dass meine Aussage auch ganz anders von dem Braunhaarigen vor mir total falsch aufgenommen wurde, denn sobald ich meinen Kopf anhebe, sehe ich seine verschmitztes Lächeln, das mich noch mehr in Verlegenheit bringt. »Nein, aber ich würde es gerne sehen wollen.«
»Gott, Sullivan. Vernunft ist dir fremd, oder?«, er sagt nichts darauf, sondern umklammert meine Hand und zieht mich auf meine Beine. Mein Rock rutscht leicht hoch und entblößt meine vollen Beine zu sehr. Caelestis Blick verharrt genau in dem Moment auch darauf und ich zupfe diesen sofort zurecht.
Meinen Mantel um mich gewickelt und meine Tasche geschultert, verlasse ich tatsächlich mit ihm den Saal und begebe mich nach draußen. »Das hier ist das Gebäude wo die meisten Events stattfinden. Und dort hinten ist die Bibliothek. Hier vorne unser Campus Cafe.«, und da hat er mich. Ich bleibe automatisch stehen und nehme den Duft von süßen Gewürzen wahr. Vor allem Zimt. Während ich den kühlen Herbstwind mich umarmen lassen, denke ich an meine Mutter, die den Herbst liebte. Jedes Jahr zur gleichen Zeit trank sie einen Kaffee mit vielen Gewürzen. Vor allem ihren liebsten Pumpkin Spice Latte. Seit ich selbst Kaffee trinke, bestelle ich ihn mir jeden Herbst und innerlich schmerzt es zu wissen, dass ich die Übergangstage zum Winter nie mehr mit ihr erleben werde.
»Warte hier.«, und schon ist er verschwunden. Kurz darauf kommt er jedoch aus dem Campus Cafe heraus und hält zwei Becher in der Hand, von denen er mir einen reicht. Ein Pumpkin Spice Latte, wie ich es auf dem Pappbecher lesen kann. Und in dem selben Moment frage ich mich: Wieso hat er mir den geholt?
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Kisses Don't Lie
Lãng mạnDione ist eine der sieben Schwestern der Chadwick Familie. Reich, verspielt und erfolgreich zeigen sich alle in die Öffentlichkeit. Vor allem Dione, die zielstrebigste, die unbedingt die Nachfolgerin ihres Vaters sein möchte. Ein großes Unternehmen...