Mein Herz schlägt so schnell, als würde es jeder in diesem Raum hören können. Mein Griff um mein Handy wird stärker und ich lese die Nachricht so oft durch, in der Hoffnung ich würde mich verlesen. Aber ich sehe richtig. Ich sehe diesen Namen. Lucky Ross. Seth's Vater höchstpersönlich. Ein komisches Gefühl kommt in mir hoch. Es ist keine Angst, die ich fühle, aber etwas merkwürdiges. Schuldgefühle? Aber wofür? Seth ist genauso ein grausamer Mann wie Lucky Ross. Eins steht jedoch fest. Wenn ich seinen Vater umbringe, bin ich für ewig verflucht. Seth wird sich mein Tod wünschen und mich für immer jagen. Es gibt aber kein Ausweg für mich. Egal welcher Name als Nächstes kommt, derjenige muss eliminiert werden. Sonst passiert etwas schreckliches.
Dieser komischer Mann neben Seth verschwindet so schnell wie er auch gekommen ist und nun tragen zwei Männer den toten Typen hinaus. Einpaar Meter weiter wird eine Party gefeiert. Laute Musik und tanzende Menschen befinden sich gleichzeitig auf dieser Yacht...und nebenan wird jemand aufgeschlitzt. Ich bin nicht geschockt darüber wie krankhaft die Unterwelt sein kann, gewiss passieren noch schrecklichere Dinge als das hier. Jedoch hier persönlich zu stehen und dabei zuzusehen, kam mir unangenehm vor. Beim Berühren der Tasten habe ich auf mein Herz gehört und die Melodie durch meine Adern fließen lassen. Meine ganze Aufmerksamkeit...meine ganze Sicht war auf Seth gerichtet. Es war diesmal ganz anders als zuvor. Ich habe mich erhört gefühlt. Gesehen gefühlt. Seth's Präsenz und seine volle Aufmerksamkeit am mich haben mich anders fühlen lassen. Wie er mich angesehen hat...als würde er mich besitzen. Als würde er jede Faser meines Körpers in und auswendig kennen und fühlen können. Er hat mich angesehen und mich an jeder Stelle meines Körpers berührt. Etwas intimes war in seinen braunen Augen zu sehen. Lustvoll. Begierde. Hass.
„Wundervoll gespielt.", eine Stimme einer älteren Dame unterbricht den Blickkontakt zwischen Seth und mir. Meine Augen wandern zu der Frau und ich schenke mir ein leichtes Lächeln. Jeder benimmt sich normal, als wäre das gerade eben nie geschehen. Weil es Seth war, der ihn umbrachte? Weil er so ein einflussreicher Mann ist für die Unterwelt? Natürlich. Er ist der Sohn des gefürchteten Mafiosos. Den ich übrigens töten muss. Seit wann werde ich so nervös wenn es darum geht jemanden zu erledigen? Ich habe keine Angst. Vor nichts. Lucky Ross kenne ich nur von Erzählungen. Die meisten waren grauenvoll. Sie erzählen wie krankhaft dieser Mann ist. Schlimme Dinge tut...er besitzt kein Herz. Er ist ein ekelhafter kranker Mann, der die Unterwelt regiert und die Stadt manipuliert. Immer wieder erinnere ich mich daran, dass so leider die Welt funktioniert. Es gibt überall Mafias, in allen Ecken und Kanten. Die Stadt arbeitet mit ihnen. Im Gegenzug bekommen sie die Freiheit. Früher habe ich Dad immer gefragt wieso die Welt nichts gegen diese Mafias tut. Er sagte, so funktionierte die Welt. Die Bösen herrschen immer die Welt. Es sind die Bösen, die uns kontrollieren.
Mit einer zarten Berührung werde ich an meinem Handgelenk berührt und hinaus gezogen. Die ältere Dame lächelt mich verführerisch an und zwinkert mir zu. Ich sehe sie verwirrt an und merke, dass Seth es ist, der mich hinausgezogen hat und mich irgendwohin führt. Eigentlich sollte ich stehenbleiben und einfach zu Sara gehen. Und diese verdammte Yacht auf der Stelle verlassen. Aber ich lasse zu wie dieser Mann mich die Treppen hinunter führt. Plötzlich ist hier alles so still. Kian's privater Bereich. Ich sehe ein großes Wohnzimmer...Oder wie man sowas eben nennt. Fernseher, große schöne Couchen in der Mitte des Raumes. In einer Ecke eine Minibar, sogar mit einem Barkeeper! Er lächelt uns an und mixt gerade irgendwelche Flüssigkeiten. Der Boden besteht aus roten Teppich. Unsere Schritte sind so leise, dass sie fast nicht hörbar sind. „Wohin führst du mich?", wage ich endlich zu fragen nachdem er schweigend mich in irgendwelchen Gängen führt.
Wieso lasse ich das ganze überhaupt zu? Was wenn er mich einsperrt und mich tötet? Schon darüber nachgedacht Adeline? Statt einer Antwort bekomme ich nur einen genervten Blick. Ich bin jetzt die Schuldige?
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Adeline.
Teen FictionSie hat einen Auftrag - doch dieser ist weit mehr als nur eine Mission. Nach Jahren der gnadenlosen Ausbildung durch ihren Vater steht sie nun allein in den dunklen Gassen von New York, bereit, alles zu opfern. Ihr Ziel: die Welt zu retten. Doch um...
