Je mehr Sekunden vergehen, desto schwerer fühlt sich mein Kopf an und ich habe keine Kraft mich aufrecht zu halten. Mit zittrigen Händen habe ich den Schlüssel in meiner Hand und öffne meine Haustür. Der stechende und qualvoller Schmerz der mich langsam zum Wahnsinn treibt, ist nun nicht nur auf meinem Oberschenkel präsent, der Schmerz hat sich im gesamten Körper verteilt. Mir ist unfassbar kalt und ich bete zu Gott, dass ich heute nicht sterben darf. Meine Augen möchten weinen, mein Herz ist am zerbrechen weil ich das vielleicht nicht schaffen könnte. Ich habe zu viel Blut verloren und jeder mit einem gesunden Verstand sieht, dass meine Lage kritisch ist.
Mein Vater hat mich darüber viel informiert. Wie ein Professor stand er vor mir und erklärte mir, was man in solchen Fällen tun muss. Ich habe ihm zugehört aber niemals hätte ich gedacht, dass ich seine Tipps eines Tages befolgen müsste. Vielleicht habe ich mich zu überschätzt, aber ich darf jetzt auf keinen Fall über meine Gefühle und Emotionen nachdenken. Ich muss diese verdammte Wunde versorgen. Das gute daran ist, dass es keine Schusswunde ist. Sonst müsste ich noch die Patrone rausziehen, und dafür hätte ich keine Nerven. Mit meinen letzten Kräften greife ich zu den Utensilien die ich brauche um mein Bein zu nähen. Ich falle mit all den Sachen zu Boden und versuche mich an der Kante von der Couch anzulehnen.
„Okay. Adeline du schaffst das.", versuche ich mich selbst zu beruhigen. Ich presse meine Lippen zusammen und greife nach der Flasche mit purem Alkohol. Ich schütte den Alkohol auf meine Hände, dann anschließend auf die offene Wunde. Ein Schrei entgeht meinen Lippen. Mein Atem beschleunigt sich und beiße mir an den Arm. Der brennende Schmerz vergeht einfach nicht und es fühlt sich an als würde man mein Bein aus meinem Körper rausreißen.
Ich nehme Nadel und Faden, extra für offene Wunden zu nähen und blicke die Nadel an. Mein Mund ist trocken und mir wird schwarz vor Augen.
„Komm schon. Du weißt was zu tun ist! Verdammt.", kraftvoll schließe ich meine Augen und versuche ein klaren Verstand zu bekommen. Mein Atem ist kontrollierter und meine Hände ruhig.
Meine Augenlider wollen zugehen, mein Kopf schwingt hin und her. Langsam steche ich in meine Haut. Tränen fließen meinen Wangen entlang, der salzige Geschmack landet auf meinen Lippen. Ich höre nichts mehr, als würde jemand meine Ohren zuhalten. Adeline, komm wieder zu dir. Du musst das hier noch beenden. Müdigkeit überschwemmt meinen ganzen Körper und ich reiße meine Augen auf um nicht einzuschlafen. Schwarze Flecken umranden meine Sicht, verschwommen und unklar sehe ich meine Umgebung. Innerlich bin ich am ausrasten aber mein Körper reagiert nicht auf meine Gedanken. Als wäre ich taub und könnte mein Körper nicht mehr kontrollieren. Alles was ich höre ist mein Herzschlag, der immer lauter und schneller wird, da die Angst so hoch ist, dass ich den Morgen nicht erleben werde. Noch zwei Männer...dann wäre meine Mission zu Ende. Noch zwei Männer und ich hätte den Menschen etwas gutes getan. Als ob ich jetzt wirklich nur wegen einer kleinen Schnittwunde, alles aufgeben müsste.
Kalte und raue Hände berühren meine und nehmen die Nadel aus meiner Hand weg. Meine Augen schweifen zu den Händen und gleiten hinauf zu der Person. Halluzination können Nebenwirkungen sein. Echt gruselig, da die Person vor mir gar nicht gerade hier ist. Mein Gehirn spielt mit mir.
„Du bist dumm, wenn du das alleine machst.", seine tiefe Stimme durchdringen meine Ohren und ich kann wieder klar hören. Seine Hand berührt meine Schulter presst mich nach hinten zu der Kante, sodass mein Oberkörper nicht nach vorne fällt. Fehlalarm. Können Halluzinationen einen berühren? Wenn ja, ist das echt nicht lustig. Aber ein Gefühl sagt mir, dass die Person vor mir aus Fleisch und Blut besteht.
„Du bist mir gefolgt? Stalker.", mein Mund ist wie eine Wüste, wo ist mein Speichel geblieben?
„Du bist immernoch stur? Typisch. Lass mich dir helfen.", seine braunen Augen glänzen wie Whiskey und Honig.
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Adeline.
Teen FictionSie hat einen Auftrag - doch dieser ist weit mehr als nur eine Mission. Nach Jahren der gnadenlosen Ausbildung durch ihren Vater steht sie nun allein in den dunklen Gassen von New York, bereit, alles zu opfern. Ihr Ziel: die Welt zu retten. Doch um...
