Seth- POV
Die Uhr tickt. Die Lichter sind gedämmt. Der Plattenspieler spielt eine Musik, die ich gerade noch so hören kann. Der Mann vor mir zündet seine fette Zigarre an. Er hat noch kein Blickkontakt mit mir gehabt. Seinem Gesichtsausdruck nach zu beurteilen, habe ich ihm wahrscheinlich so dermaßen genervt, da er an der Zigarre so stark daran zieht, als wäre sein Leben davon abhängig. Seine Kiefer zucken ab und zu. Er nimmt all seine Wut und schießt ihn gegen mich. Ich spüre es. Ich sitze vor ihm, meine Finger tippen ungeduldig die rechte Lehne des Stuhls auf dem ich sitze. Seine Augen wandern zu mir. Die Augen, voller Leere und Hass sehen mich an als hätte ich gerade den schlimmsten Fehler meines Lebens getan. Vielleicht war es tatsächlich so. Ich habe jemanden sterben lassen, obwohl es meine Aufgabe war ihn zu beschützen. Verflucht mit dir Ryan Hudson. Niemand hat dein Arsch gekannt.
„Adeline Jones.", sagt er plötzlich als wäre es eine Tatsache. Es war auch einer. „Wieso lebt sie noch?"
„Ich hab da meine Gründe. Vater.", sage ich mit gelassener Stimme. Er zieht seine Augenbrauen hoch. „Ryan war ein wichtiger Mann. Auch wenn du die Gründe dafür nicht kanntest, war es mir wichtig, dass er am Leben ist. Du hast meine Anforderungen nicht ernst genommen!", seine Stimme wurde wütender. „Es bestand keine Möglichkeit ihn zu retten." „Es gibt immer eine Möglichkeit.", er steht auf und geht herum. Ungeduldig warte ich darauf wie dieses Gespräch enden wird. Wird Blut fließen? Bringt mich mein Vater um? Können wir uns doch irgendwie einigen? Mein Vater war ein grausamer Mensch. Grausamer als ich. Seit langem, habe ich ihn wieder enttäuscht. Das letzte Mal schenkte er mir schöne Narben am Rücken als Andenken. Ich hätte mit Kian eine Wette eingehen sollen mit was ich letztendlich sein Büro verlasse. Narben? Blaue Flecken? Gebrochene Knochen?
„Wann möchtest du mir erzählen was gerade hier abgeht? Ich kann mir im besten willen nicht vorstellen, dass du etwas vor mir verheimlichst um mich zu beschützen. Ich bin kein Kind mehr. Entweder werde ich darin involviert oder ich mache hier gar nichts.", meine Augen bohren sich in die meines Vaters. Er sieht mich wütend an. Er ist gestresst.
„Wer weiß, vielleicht verkaufe ich diese Goldmünze hier.", in meiner Hand eine Münze aus Gold. Die gleiche Goldmünze, den Vater so sehr haben möchte. Es war ihm nie wichtig ob Ryan leben soll oder nicht. Er wollte seine Münze. Jetzt habe ich ihn. Als Adeline Ryan umgebracht und da liegen gelassen hat, habe ich ihn durchsucht. Ich fand die allbekannte Goldmünze.
Vater sah mich erstaunt an. „Gib ihn mir." Er flehte mich förmlich an. Was ist so wertvoll daran? Ich drehe die Münze um und sehe ihn mir an. Es stand nicht viel drauf, außer das Jahr 2025 und ein Motiv. Alles an dieser Münze war komisch. Ich bat Enzo Information über die Münze zu verschaffen. Nicht mal er konnte etwas darüber finden. Nichts. Nicht mal eine kleine Information. Aber irgendwie weiß Vater mehr darüber. Aber wieso? Was hat er vor? In was ist er verwickelt?
Ich gebe die Münze auf meine Handfläche und bilde eine Faust. Mein Schweigen ist Antwort genug. Ich gebe ihm nicht die Münze. Außer er erzählt endlich was hier abläuft. Als ich sehe, dass nichts aus seinem Mund kommt, stehe ich auf und verlasse sein Büro. Meine Augen sehen die Augen meiner Mutter noch ein letztes Mal an. Das große Gemälde in seinem Büro...ihre Anwesenheit...die hat er nicht verdient.
„Ich werde es dir bald erzählen. Nur jetzt nicht. Ich kann nicht. Ich darf nicht. Tu mir ein Gefallen und erzähle niemandem von der goldenen Münze. Versteck sie gut." Er reißt die Tür auf. Ich drehe mich um. „Es geht um etwas viel größerem als du dir jemals vorstellen kannst." Sein Blick einfordernd. Er schließt wieder die Tür. Ich befinde mich mitten im Eingangsbereich. Das Haus von Vater ist riesig. Riesig und einsam. Ich wohne hier schon lange nicht mehr, aber mein Büro und mein Zimmer hat er noch so stehen lassen wie sie waren. Ich hab mich nicht im Haus umgesehen. Das hier...erinnert mich zu viel an der Vergangenheit. Eine Vergangenheit die ich vergessen möchte. Es herrscht Stille. Einige Arbeiter gehen vorbei und begrüßen mich mit einem Nicken. Andere trauen sich nicht in meine Augen zu sehen. Die Stimmung die hier herrscht, ist erbärmlich. Ich bin froh, keine Sekunde länger hier mehr wohnen zu können.
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Adeline.
Novela JuvenilSie hat einen Auftrag - doch dieser ist weit mehr als nur eine Mission. Nach Jahren der gnadenlosen Ausbildung durch ihren Vater steht sie nun allein in den dunklen Gassen von New York, bereit, alles zu opfern. Ihr Ziel: die Welt zu retten. Doch um...
