Kapitel 6

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Am Nächsten morgen stand ich wie immer gegen 10 uhr auf.
Meine eltern waren bereits weg. Wie immer.
Sie dachten, dass meine privatlehrerin um 12 uhr kommen würde. Ich hatte ihr aber vor zwei jahren oder so eine gefälschte kündigung geschrieben und sie mit viel geld erpresst auf nachfrage meiner eltern (falls sie sich überhaupt mal drum kümmerten..) so zu tut als ob sie mich jeden tag unterrichten würde.
Wozu brauche ich auch bildung? Ich wusste alles was ich wissen brauchte. Und ich würde eh nie studieren, nie arbeiten.
Das viele geld meiner eltern reicht und sonst lande ich halt auf der straße! Was solls?

Urplötzlich fiel mir luke wieder ein.
Hatte ich all das was gestern passiert war nur geträumt oder war dass wirklich geschehen???
Ich rannte die treppe hoch und hob die matratze meines bettes an.
Doch, ich fühlte ein stück papier, dass zwischen lattenrost und bettrahmen klemmte.
Ich zog es heraus.
Der brief.
Ich las ihn immer und immer wieder durch.
Das hatte ich geschrieben??
Ja.
Und es war wahr.
Ich setzte mich auf mein bett und starrte die decke an.
Was sollte ich nur tun? Einfach weiter machen? Vor mir selbst wegrennen?
Ich wusste es nicht.
Ich lag lange da.
Irgendwann stand ich auf und kochte mir eine gemüsesuppe mit klößchen.
Danach beschloss ich, raus zu gehen.

Für diese jahreszeit war es relativ frisch draußen. Ich zog mir einen weinrot-grau gemusterten, langen dicken strickcardigan über, setzte die kapuze auf und stapfte los richtung park.
Die baumkronen tanzten im wind.
Wie lange war ich nicht mehr hier gewesen? Wie lange war ich überhaupt nicht mehr tagsüber draußen gewesen??
In Gedanken versunken und den kopf gesenkt ging ich weiter.
Auf einmal rammte mich jemand.
Ich fuhr hoch.
Und sah in ein Paar schöner grüner augen.
"Luke", hauchte ich fast tonlos.
Er sah mich an.
Sein blick war irgendwie mitleidig, traurig, wütend, irritiert, nervös und hilflos zugleich.
"Sorry" sagten wir gleichzeitig.
Ein winziges lächeln erschien auf seinen lippen, verschwand aber direkt wieder.
Ich wusste wahrscheinlich schon gar nicht mehr wie man lächelt.
Ich ging schnell weiter, nur, um ihm dann so lange es ging noch traurig hinterherzusehen.
War es zufall ihn genau heute getroffen zu haben? Oder karma?
Ich glaube an karma. Ich denke, alles hat irgendwie seinen sinn, auch wenn das meiste scheiße ist.
Komisch, dass ausgerechnet ICH so positiv denke!
Ich ging sicher eine stunde lang weiter durch den park und dachte nach.
Wieso kann man die zeit nicht zurückdrehen? Wieso?
In die vergangenheit fliegen und alles besser machen.
Klar, perfekt konnte mein leben bei den eltern von anfang an nicht sein. Kein leben ist perfekt. Alles hat seine ecken und kanten. Selbst der schönste diamant an moms colliers. Aber mein leben hätte einen sinn. Ich wäre glücklich.
Ich setzte mich auf meine parkband und begann zu weinen. Einige hundebesitzer die vorbei kamen sahen mich komisch an. Aber ich war die anwertende blicke von anderen menschen längst gewöhnt.
Ich weinte und weinte bis die sonne unterging.
Dann ging ich in einen club.
Ich weiß, alkohol ist keine lösung. Aber es hilft für einen moment zu vergessen.






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