Wenn ich mich mit dem Rücken flach auf den Boden lege und einfach nur aufmerksam warte, spüre, wie und wo mein Körper den Boden berührt, wo sich Spannung sammelt und wo ich los lassen kann, dann lerne ich die Eigenheiten meines Körpers, die sich im Alltag hinter dem Schleier der Rechenkünste des Nervensystems verbergen, allmählich entziffern. Ich trete in Dialog. Ich komme an.
Der Trick hat einfache physikalische und physiologische Grundlagen. Die Schwerkraft sorgt dafür, dass mein Körper quasi am Boden klebt. Die Spannung des Körpers wirkt dem entgegen. Aus dem Dialog der widerstrebenden Kräfte entsteht eine Kartographie der Körper-Spannung. Wahrnehmung verwandelt sich - allmählich - in Erkenntnis. So lange ich im Gewohnten, im Alltag gefangen bin, rechnet das Nervensystem normalerweise alle irritierenden Daten aus dem Bewusstseinsstrom heraus, damit sich das Bewusstsein auf die jeweilige Situation konzentrieren kann. Nur wenn es ihm ein Anliegen ist, auf Unstimmigkeiten aufmerksam zu machen, verhält sich das Nervensystem anders.
Reise:
Ich kann mir einfach Zeit lassen und spüren, wie meine Schulterblätter aufliegen. Liegen sie locker und flach auf dem Boden oder halten sie eigensinnig Abstand? Verhalten sich beide gleich? Wie liegt mein Kopf? Fühlt sich das mittig und wie der freie, sichere Endpunkt einer Mittellinie an? Oder ist er vielleicht zur einen Schulter geneigt und seine Position zugleich durch eine leichte Drehung in der Halswirbelsäule zur anderen Seite verschoben?
Ich kann nun zum Beispiel anfangen, ein wenig den Kopf zu rollen. Vielleicht erst einmal nur ein bisschen und zu einer Seite, der Seite, die sich gerade am interessantesten anfühlt. Vielleicht interessiert mich nur der Start der Bewegung. Ich starte langsam und möglichst minimal, halte an, kehre zurück, wiederhole, ohne zu wiederholen. Welche Muskeln springen in der Startphase an und welche müssen los lassen?
Vielleicht hab ich dafür keine Konzentration und betrachte lieber die große Bewegung. Wie fühlt sich die Bewegung an? Ruckelt sie oder läuft sie glatt? Läuft mein Kopf in einer Ebene auf einer quasi geraden Linie zur Seite oder eher in einer Kurve Richtung Schulter. Löst die Bewegung Resonanzen in Wirbelsäule und Brustkorb aus? Was sonst fällt mir auf?
Nachdem ich ein paar Mal ausprobiert habe, was sich gerade anbietet, mach ich eine Pause und spüre, wie ich nun auf dem Boden liege. Hat sich etwas verändert? Wie liegt der Kopf? Wie liegen die Schultern, der Brustkorb, die Wirbelsäule? Hat sich an der Position von Armen und Beinen etwas verändert. Wie geht es dem Becken?
Vielleicht hat sich gar nichts verändert. Vielleicht liegt der Kopf nun super mittig und souverän. Aber vielleicht hab ich auch das Bedürfnis, die andere Seite auszuprobieren und zu vergleichen. Läuft diese Seite genauso wie die andere. Fühlt sie sich ganz anders an? Wirkt sie nun einladender als zu Beginn der Übung und läuft ganz leicht? Vielleicht verhalten sich Wirbelsäule und Brustkorb nun anders.
Komm ich erneut zur Ruhe, ist dann mein Nacken entspannter? Gibt es insgesamt weniger Spannung oder leichte Entspannung mit starken Spannungsinseln?Als ich zuletzt von starken Verspannungen ausgehend mit diesen Bewegungen herum gespielt habe, bin ich bei einer angenehmen Spannungsminderung mit virulenten Spannungsinseln in Schultern und Becken gelandet, die sich besonders aggressiv verhalten haben, weil sie ihre Verankerung in einer allgemeinen Verspanntheit verloren haben und nun in der Luft hingen, sich also irgendwie zusammen halten mussten.
Nun kann ich feststellen, dass mir für weitere Experimente Zeit und Aufmerksamkeit fehlen, kann behutsam aufstehen, für einen Augenblick wahrnehmen, wie sich meine Haltung verändert hat. Geh ich dann meinem Alltag nach, kann ich hier und da verfolgen, wie sich das Verhältnis zwischen Spannung und Entspannung verändert und wie lange Elemente, die sich aus dem Experiment ergeben haben, fort bestehen.
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Das Leben In Fülle
Não FicçãoEigentlich wollte ich nur eine Mail schreiben. Doch die wurde zu lang und niemals abgeschickt. Ich wollte einem Bekannten, mit dem ich vor Monaten über Nachhaltigkeit und Entfremdung gesprochen hatte, berichten, welcher stetige Strom an Gedanken aus...
